Google Suncatcher: KI-Rennen verlagert sich ins All
02.01.2026 - 13:22:11Googles Projekt Suncatcher plant solarbetriebene Satelliten für KI-Training im All und steht im Wettbewerb mit anderen Firmen um die Vorherrschaft in der orbitalen Infrastruktur.
Googles Projekt Suncatcher will KI-Rechenzentren ins All verlegen. Der Wettlauf um die erste skalierbare Orbital-Infrastruktur hat begonnen – und könnte die Tech-Branche revolutionieren.
Der unersättliche Energiehunger der Künstlichen Intelligenz treibt die Tech-Giganten in neue Dimensionen – buchstäblich. Weil irdische Stromnetze an ihre Grenzen stoßen, wird der Weltraum zum nächsten Schauplatz des digitalen Wettlaufs. An der Spitze dieser Bewegung steht Googles Projekt Suncatcher, eine „Moonshot“-Initiative, die seit ihrer Vorstellung Ende 2025 die Branche elektrisiert. Anfang 2026 steht das Projekt im Zentrum eines eskalierenden Wettrennens im kommerziellen Weltraum, bei dem Konzerne und Start-ups um die Vorherrschaft bei orbitaler KI-Infrastruktur kämpfen.
Die Geburt der orbitalen Rechenkraft
Der Treiber hinter Suncatcher ist eine simple, aber drängende Gleichung: Die Energiebilanz irdischer KI ist nicht nachhaltig. Hyperscale-Rechenzentren könnten bald riesige Anteile des verfügbaren Stroms in wichtigen Märkten verbrauchen. Googles radikaler Lösungsvorschlag: Die Hardware dorthin zu bringen, wo die Energie grenzenlos ist. Das im November 2025 vorgestellte Projekt plant eine Konstellation solarbetriebener Satelliten, bestückt mit Googles hauseigenen KI-Beschleunigern, den Tensor Processing Units (TPUs).
Der entscheidende Vorteil ist die solare Effizienz. In einer sonnensynchronen Umlaufbahn können die Satelliten nahezu ununterbrochenes Sonnenlicht einfangen. Sie erzeugen so bis zu achtmal mehr Energie als irdische Solarpaneele, die durch den Tag-Nacht-Zyklus und atmosphärische Störungen limitiert sind. Diese Fülle an kohlenstofffreier Energie soll das Training riesiger KI-Modelle antreiben – ein Prozess, der derzeit für einen erheblichen CO₂-Fußabdruck verantwortlich ist.
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Die Branche zieht schneller mit als erwartet. Auf einer Konferenz Anfang Januar 2026 deutete SpaceX-Chef Elon Musk an, dass weltraumbasierte Rechenzentren innerhalb von fünf Jahren die kosteneffizienteste Methode für KI-Training sein könnten. Diese übereinstimmende Vision der größten Konkurrenten signalisiert einen grundlegenden Branchenpivot: Die Orbital-Infrastruktur wird als notwendige Evolution für die nächste KI-Generation angesehen.
Architektur eines Rechenzentrums im Orbit
Suncatcher unterscheidet sich durch eine verteilte Architektur von klassischen Satellitendesigns. Statt einer einzigen, massiven Station plant Google einen Schwarm aus etwa 81 kompakten Satelliten, die in enger Formation fliegen. Sie sind über optische Freiraum-Kommunikationssysteme – sogenannte „Weltraumlaser“ – miteinander verbunden, die Daten mit Dutzenden Terabit pro Sekunde übertragen können.
Dieser Mesh-Ansatz erlaubt es der Konstellation, als ein einziger, zusammenhängender Supercomputer zu funktionieren. Fällt ein Satellit aus, werden die Aufgaben dynamisch umgeleitet. Das gewährleistet die hohe Zuverlässigkeit, die für unternehmenskritische KI-Aufgaben nötig ist. Das System ist für latenztolerante Workloads wie das Training großer Sprachmodelle (LLMs) ausgelegt, bei denen die reine Rechenleistung wichtiger ist als die Millisekunden-schnelle Datenübertragung zur Erde.
Für die Umsetzung hat Google eine Partnerschaft mit dem Satellitenbild-Spezialisten Planet geschlossen. Das Ziel: Zwei Prototyp-Satelliten bis Anfang 2027 ins All zu bringen. Diese Testobjekte sollen kritische Technologien validieren, darunter die Strahlenhärtung der TPU-Chips und die Präzision der optischen Verbindungen. Ein Erfolg könnte den Weg für den Einsatz der vollen Konstellation noch in diesem Jahrzehnt ebnen.
Ein überfülltes Wettrennen im All
Google steht mit Suncatcher nicht allein da. Der Sektor erlebt Ende 2025 und Anfang 2026 einen Aktivitätsschub – das orbital Computing wird zu einem umkämpften Feld.
Die Konkurrenz arbeitet an eigenen Lösungen. Das Start-up Starcloud (ehemals Lumen Orbit) verfolgt mit erheblichem Wagniskapital ein ähnliches Ziel: ein 5-Gigawatt-Rechenzentrum im Orbit. Anders als Googles Schwarm-Ansatz ähnelt Starclouds Konzept einer modularen Raumstation mit großen Solarflügeln und zentralen Server-Pods. Berichten zufolge hat das Unternehmen bereits Tests mit orbitalen GPUs durchgeführt und behauptet, leichtgewichtige Modelltrainings im Weltraum abgeschlossen zu haben.
Die Wirtschaftlichkeit dieser Projekte hängt am sinkenden Preis für Raketenstarts. Schwerlastraketen wie SpaceXs Starship reduzieren die Kosten pro Kilogramm ins All drastisch. Analysten gehen davon aus, dass die Gesamtbetriebskosten für ein weltraumbasiertes Rechenzentrum bis Mitte der 2030er Jahre mit irdischen Einrichtungen gleichziehen oder sie sogar unterbieten könnten – vor allem wegen der wegfallenden Stromkosten.
Hitzeschild und Weltraumschrott: Die großen Hürden
Trotz des Optimismus ist der Weg zur orbitalen KI-Wolke mit technischen und ökologischen Herausforderungen gepflastert. Ein Hauptproblem, das Experten Ende 2025 anmahnten, ist die Wärmeabfuhr. Im Vakuum des Weltraums gibt es keine Luft, die Abwärme abtransportieren kann. Die Suncatcher-Satelliten müssen sich auf große Radiatoren verlassen, um Abwärme als Infrarotstrahlung abzugeben – eine Design-Herausforderung, die Größe und Abstand der Einheiten bestimmt.
Hinzu kommt Kritik von Weltraum-Sicherheitsbefürworten. Die Einführung großer Satellitenkonstellationen in bereits überfüllte Umlaufbahnen birgt erhebliche Kollisionsrisiken. Bei Formationen, deren Satelliten nur wenige hundert Meter voneinander entfernt sind, müssen die autonomen Lageregelungsalgorithmen fehlerfrei arbeiten. Das Risiko wird durch die wachsende Wolke aus Weltraumschrott verstärkt; eine Kollision könnte ein Trümmerfeld erzeugen, das bestimmte Orbits für Generationen unbrauchbar macht.
Auch Strahlung bleibt ein großes Hindernis. Elektronik im All wird ständig von hochenergetischen Teilchen bombardiert, die Datenkorruption oder Hardwareausfälle verursachen können. Googles Forschungspapiere deuten darauf hin, dass ihre TPUs rigorose Strahlungstests bestanden haben und eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren erreichen könnten. Die langfristige Zuverlässigkeit unter realen Flugbedingungen in der Low Earth Orbit (LEO) muss sich jedoch erst noch beweisen.
Wer beherrscht die orbitalen Wolken?
Für 2026 wird der Fokus von theoretischen Designs auf die Hardware-Validierung übergehen. Die für 2027 geplanten Prototypenstarts werden zum ersten Lackmustest für Projekt Suncatcher. Sollten sie erfolgreich sein, könnte Google seine orbitale Flotte hochskalieren und bis 2030 einen signifikanten Teil seiner KI-Trainingsworkloads ins All auslagern.
Die Implikationen reichen weit über schiere Rechenleistung hinaus. Eine funktionierende orbitale Dateninfrastruktur könnte den Zugang zu Hochleistungs-KI demokratisieren und ihn von lokalen Energiebeschränkungen und geopolitischer Stabilität entkoppeln. Sie erfordert aber auch einen neuen rechtlichen Rahmen für das Weltraumverkehrsmanagement, um sicherzustellen, dass der Run auf Rechenzentren im Himmel nicht die Sicherheit der Erdumlaufbahn gefährdet.
Die Frage ist nicht mehr, ob Rechenzentren im Weltraum operieren werden, sondern wer die Vorherrschaft in der orbitalen Cloud erringen wird. Mit Milliardeninvestitionen von Tech-Konglomeraten und agilen Start-ups ist die nächste Front der digitalen Revolution eindeutig nach oben gerichtet.
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