Google, KI-Suchergebnisse

Google muss KI-Suchergebnisse freigeben

29.01.2026 - 05:00:11

Die britische Wettbewerbsbehörde will Googles Marktmacht brechen und verpflichtet den Konzern, Verlagen ein Opt-out aus KI-Zusammenfassungen zu ermöglichen. Die Maßnahme könnte weltweit Schule machen.

London setzt ein erstes machtvolles Zeichen im Kampf gegen die Dominanz von Big Tech. Die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat einen wegweisenden Vorschlag vorgelegt, der Google zwingen soll, Verlagen ein klares Opt-out aus seinen KI-generierten Suchergebnissen anzubieten. Die Ankündigung dieser Woche ist die erste große Aktion unter dem neuen digitalen Wettbewerbsregime des Landes und könnte einen globalen Präzedenzfall für die Regulierung KI-gestützter Suche schaffen.

Die geplanten „Verhaltensanforderungen“ würden Google verpflichten, Webseitenbetreibern und Inhalteerstellern – insbesondere Nachrichtenorganisationen – die Möglichkeit zu geben, ihre Inhalte vor der Nutzung in „KI-Übersichten“ und zum Training von KI-Modellen zu schützen. Damit reagiert die CMA auf wachsende Sorgen von Verlegern, die rückläufige Besucherzahlen verzeichnen, weil Googles KI direkte Antworten liefert und Nutzer seltener auf die Originalquellen klicken. Das Eingreifen zielt auf den Kern des Konflikts zwischen KI-Innovation und den Rechten von Urhebern – in einem Markt, in dem Google über 90 Prozent aller Suchanfragen im Vereinigten Königreich abwickelt.

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Im Zentrum des Vorschlags steht das Prinzip des „fair dealing“ für Verlage. Seit Monaten argumentieren Medienhäuser, dass Googles KI-Funktionen ihre wertvollen Inhalte abschöpfen, ohne angemessene Vergütung oder Kontrolle zu gewähren, und so ihre Geschäftsmodelle schädigen. Derzeit riskieren Verlage, die Google die Nutzung ihrer Inhalte für KI-Zusammenfassungen verbieten wollen, komplett aus den traditionellen Suchergebnissen entfernt zu werden – eine für viele untragbare Wahl angesichts von Googles Marktmacht.

Die neuen Regeln würden Google zwingen, einen separaten Opt-out-Mechanismus speziell für seine KI-Funktionen zu schaffen. Entscheidend ist die Forderung der Aufsichtsbehörde, dass Verlage, die sich abmelden, nicht in der Rangfolge der allgemeinen Suchergebnisse benachteiligt werden dürfen. Zudem verlangt die CMA, dass Google für genutzte Inhalte eine klare und korrekte Quellenangabe in seinen KI-Antworten sicherstellt. Diese Maßnahmen sollen das Machtverhältnis zwischen dem Suchgiganten und den Urhebern, deren Arbeit seine KI-Dienste speist, neu justieren. Branchenverbände wie die News Media Association begrüßten den Schritt.

Erster Praxistest für neue Digitalmarkt-Gesetze

Die Ankündigung ist ein wegweisender Test für den Digital Markets, Competition and Consumers (DMCC) Act, der 2025 in Kraft trat. Im Oktober 2025 hatte die CMA Google offiziell einen „Strategischen Marktstatus“ (SMS) für Suchdienste zugewiesen, was der Behörde die Befugnis gibt, gezielte Regeln zur Sicherung des Wettbewerbs durchzusetzen. Der Vorschlag zeigt den Willen des Landes, Big Tech aktiv zu regulieren, und orientiert sich am Vorbild der europäischen Digital Markets Act (DMA).

CMA-Chefin Sarah Cardell bezeichnete die Ankündigung als wichtigen Meilenstein, der britischen Unternehmen und Verbrauchern mehr Wahl und Kontrolle geben werde. Das Maßnahmenpaket geht über das KI-Opt-out hinaus und umfasst auch fairere, transparentere Ranking-Prozesse sowie die Einführung von „Auswahlbildschirmen“ auf Android-Geräten und im Chrome-Browser, um Nutzern die Wahl alternativer Suchmaschinen zu erleichtern. Zusammengenommen zielen diese Schritte darauf ab, den festen Griff zu lockern, den Google darauf hat, wie Millionen Briten online an Informationen gelangen.

Verhaltene Zustimmung der Branche und Googles Reaktion

Die geplanten Regeln werden von der Verlagswirtschaft mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen. Sie erhoffen sich dadurch mehr Verhandlungsmacht für eine faire Vergütung ihrer Inhalte. Seit Jahren stehen Verlage vor dem Dilemma, auf Google sichtbar sein zu müssen, gleichzeitig aber unter den sich entwickelnden, antwortorientierten Suchergebnissen zu leiden. Das Eingreifen der CMA wird als entscheidender Schritt zu einem gerechteren Ökosystem gesehen.

Als Reaktion auf die Ankündigung signalisierte Google, bereits an Updates für seine Steuerungsmöglichkeiten zu arbeiten, die es Webseiten erlauben würden, sich speziell aus generativen KI-Funktionen auszuklinken. Das Unternehmen äußerte jedoch auch Bedenken: Neue Kontrollen müssten eine „fragmentierte oder verwirrende Erfahrung“ für Nutzer vermeiden. Dies unterstreicht die technischen und nutzerbezogenen Herausforderungen, vor denen Google bei der Umsetzung solcher Änderungen steht, während es ein nahtloses Suchprodukt aufrechterhalten muss. Das Unternehmen argumentiert stets, seine KI-Tools würden Nutzern bei komplexen Anfragen helfen und die Entdeckung neuer Inhalte fördern.

Globale Signalwirkung und nächste Schritte

Die CMA hat ihren Vorschlag zur Konsultation gestellt. Die Frist für Stellungnahmen endet am 25. Februar 2026, danach wird eine endgültige Entscheidung getroffen. Die Behörde wird im Februar zudem eine Reihe von Rundtischgesprächen mit Interessengruppen abhalten. Der Ausgang dieses Prozesses in Großbritannien wird von Aufsichtsbehörden weltweit genau beobachtet – auch in den USA und der Europäischen Union, die mit ähnlichen Herausforderungen durch generative KI kämpfen.

Sollten die britischen Regeln umgesetzt werden, könnten sie einen neuen globalen Standard für die Verantwortlichkeiten KI-gestützter Suchmaschinen setzen. Die Entscheidung wird die laufenden Debatten über Urheberrecht, Datensammlung und faire Vergütung im Zeitalter der künstlichen Intelligenz beeinflussen. Für die mehr als 200.000 britischen Unternehmen, die im vergangenen Jahr über 10 Milliarden Euro für Google-Suchwerbung ausgaben, könnten diese Vorschriften die digitale Landschaft erheblich verändern und mehr Innovation und Wettbewerb fördern.

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