Google kämpft in der EU um sein Werbegeschäft
08.03.2026 - 00:00:04 | boerse-global.deDie EU-Kommission prüft milliardenschwere Strafen und eine mögliche Zerschlagung von Googles Werbetechnologie. Nach einer Rekordstrafe von 2,95 Milliarden Euro im Herbst 2025 steht der Tech-Riese unter strenger Aufsicht. Die Entscheidungen in diesem Jahr werden wegweisend für die digitale Souveränität Europas sein.
Rekordstrafe für wettbewerbswidriges Verhalten
Im September 2025 verhängte die EU-Kommission eine historische Geldbuße von 2,95 Milliarden Euro gegen Google. Grund war der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung im Geschäft mit programmatischer Werbung. Diese automatisierten Auktionen für digitale Werbeflächen sind das Rückgrat des Online-Marketings.
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Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass Google seine Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette ausnutzte. Vom Werbeserver für Verlage (DoubleClick For Publishers) über die Kauf-Tools für Werbetreibende (Google Ads, DV360) bis hin zur eigenen Auktionsplattform AdX – überall begünstigte der Konzern die eigenen Dienste.
Konkret lenkten die Google-Tools die Aufträge systematisch zur hauseigenen Börse AdX. Zudem soll der Publisher-Server AdX im Voraus über die höchsten Konkurrenzgebote informiert haben. Diese Praktiken trieben laut Kommission die Marketingkosten in die Höhe und schmälerten die Einnahmen von Verlagen – zum Nachteil der europäischen Verbraucher.
Droht die erzwungene Zerschlagung?
Die Strafe vom Herbst 2025 verpflichtet Google, die wettbewerbswidrigen Praktiken einzustellen und Interessenkonflikte zu beseitigen. Eine sofortige Aufspaltung des Werbegeschäfts ordnete die Kommission zunächst nicht an. Stattdessen musste der Konzern einen Plan zur Umsetzung vorlegen.
Google legte Berufung gegen die Entscheidung ein und warnte vor negativen Folgen für Tausende europäische Unternehmen. Gleichzeitig reichte der Konzern technische Lösungen ein. Diese sehen angeblich mehr Flexibilität für Verlage bei der Preisgestaltung und eine bessere Zusammenarbeit mit Drittanbieter-Plattformen vor.
Seit Anfang 2026 testet die EU-Kommission diese Vorschläge im Markt. Rund 200 Branchenteilnehmer wurden um Feedback gebeten. Doch die Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera bleibt hart. Sollten die Verhaltensmaßnahmen nicht ausreichen, behält sich Brüssel strukturelle Maßnahmen vor. Das könnte die erzwungene Veräußerung von Teilen des lukrativen Werbenetzwerks bedeuten – ein beispielloser Schritt in der EU.
Transatlantischer Konflikt eskalierte
Die Strafe ist bereits die vierte milliardenschwere Kartellbuße gegen Google in Europa. Die Gesamtsumme übersteigt damit 11 Milliarden Euro. Der Schritt löste erhebliche politische Spannungen zwischen Brüssel und Washington aus.
Noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Strafe gab es interne Debatten in der Kommission. Handelskommissar Maroš Šef?ovi? sorgte sich um die Auswirkungen auf die laufenden Handelsgespräche mit den USA. Nach der Verkündung griff die US-Administration die EU scharf an. Der damalige Präsident Donald Trump verurteilte die Strafe als Angriff auf amerikanische Innovation und drohte mit Vergeltungszöllen.
Trotz des diplomatischen Drucks betonen europäische Regulierer ihr Festhalten an den Wettbewerbsregeln. Es geht um nicht weniger als die Durchsetzung fairer Marktbedingungen und digitale Souveränität.
Weitere regulatorische Stürme ziehen auf
Für Google dürfte 2026 ein weiteres schwieriges Jahr in Europa werden. Neben dem Werbegeschäft steht der Konzern auch wegen seiner Mobil-Ökosysteme und KI-Initiativen unter Beobachtung.
Bereits im ersten Quartal 2026 könnte eine weitere hohe Strafe folgen. Die Kommission prüft, ob Googles Anpassungen am Abrechnungssystem im Play Store ausreichen. Untersucht wird, ob Entwickler immer noch daran gehindert werden, Nutzer auf günstigere Bezahloptionen hinzuweisen. Verstöße gegen den Digital Markets Act können bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes kosten.
Neben dem Kartellrecht rückt auch die neue EU-KI-Verordnung in den Fokus der Regulierer, was viele Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. Dieses Gratis-E-Book erklärt Ihnen kompakt die wichtigsten Kennzeichnungspflichten und Fristen für die rechtssichere Nutzung von KI-Systemen. EU-KI-Verordnung: Kostenlosen Umsetzungsleitfaden sichern
Im Dezember 2025 eröffnete die Kommission zudem ein formelles Kartellverfahren zu Googles KI-Praktiken. Im Fokus steht die Frage, ob der Konzirm exklusive Inhalte von Verlagen für seine „KI-Übersichten“ nutzte und YouTube-Videos ohne angemessene Vergütung zum Training von Algorithmen verwendete.
Die Branche beobachtet die Entwicklungen in Brüssel genau. Die Entscheidungen in den laufenden Verfahren werden wegweisende Präzedenzfälle schaffen. Sie werden die Regulierung der globalen Digitalmärkte und der KI-Integration für das gesamte Jahrzehnt prägen.
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