Google, Gemini

Google Gemini wird persönlich: KI-Assistent lernt aus E-Mails und Fotos

15.01.2026 - 07:12:12

Googles KI-Assistent Gemini erhält ein Gedächtnis: Mit „Personal Intelligence“ verknüpft die Beta-Funktion erstmals Nutzerdaten aus verschiedenen Google-Diensten für maßgeschneiderte Antworten. Die Funktion startet zunächst exklusiv für zahlende US-Kunden.

Seit dieser Woche rollt Google eine Beta-Version aus, die den KI-Assistenten Gemini grundlegend verändert. „Personal Intelligence“ soll die Lücke zwischen einem generischen Chatbot und einem echten, persönlichen Assistenten schließen. Dazu verbindet sich Gemini auf Wunsch sicher mit den Daten eines Nutzers aus Anwendungen wie Gmail, Google Fotos und der Suchchronik. Die KI kann so Zusammenhänge erkennen und Antworten liefern, die auf dem individuellen digitalen Leben basieren. Der Start markiert einen strategischen Schritt im Wettrennen um die integrierteste und nützlichste KI.

Die Stärke der neuen Funktion liegt in der kontextuellen Verknüpfung der digitalen Spuren innerhalb des Google-Ökosystems. Statt allgemeine Informationen zu liefern, kann Gemini so hochgradig personalisierte Antworten geben.

Anzeige

Seit August 2024 gelten neue EU-Regeln für Künstliche Intelligenz. Gerade Anwendungen, die Nutzerdaten aus Diensten wie E‑Mail oder Fotos verknüpfen, stehen im Fokus — mit Pflichten zu Kennzeichnung, Risikoklassifizierung und Dokumentation. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt kompakt, welche Anforderungen für Entwickler und Unternehmen jetzt wichtig sind und wie Sie Bußgelder vermeiden. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen

Ein Beispiel: Fragt ein Nutzer nach seinem Autokennzeichen, sucht die KI nicht nur im Web, sondern durchforstet gespeicherte Bilder in Google Fotos und gleicht Details mit relevanten E-Mails ab. Für Urlaubsplanungen schlägt Gemini nicht irgendwelche Ziele vor, sondern analysiert frühere Reisen aus Fotos oder in E-Mails geäußerte Präferenzen.

Google betont, dass diese übergreifende Analyse Gemini ermöglicht, auch komplexe Anfragen zu bewältigen. Dazu gehört das Finden spezifischer Details aus Monaten alter E-Mail-Archive oder Produktempfehlungen, die auf den in Fotos dokumentierten Lebensstil zugeschnitten sind.

Gezielter Rollout: Erst für zahlende US-Nutzer

Die Einführung erfolgt methodisch und eingeschränkt. Der Zugang zur Beta ist aktuell zahlenden Abonnenten der Pläne Google AI Pro und AI Ultra mit persönlichen Konten in den USA vorbehalten. Für Google Workspace-Konten (Business, Enterprise, Education) ist die Funktion in dieser Phase noch nicht verfügbar.

Ist sie aktiviert, funktioniert „Personal Intelligence“ auf allen Plattformen – im Web, auf Android und iOS. Google plans, das Angebot in naher Zukunft auf kostenlose Gemini-Nutzer und weitere Länder und Sprachen auszuweiten. Ein konkreter Zeitplan wurde jedoch nicht genannt. Zudem kündigte das Unternehmen an, die persönlichen KI-Fähigkeiten bald auch in den KI-Modus der Google-Suche zu integrieren.

Datenschutz als Grundprinzip: Opt-in und granulare Kontrolle

Angesichts sensibler Nutzerdaten setzt Google auf Transparenz und Kontrolle. Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert und erfordert eine ausdrückliche Einwilligung (Opt-in) des Nutzers. Dieser kann in den Gemini-Einstellungen genau festlegen, welche Apps verbunden werden, und die Verbindung jederzeit wieder trennen.

Google stellt klar, dass Informationen aus dem Gmail-Posteingang oder Google Fotos-Bibliothek nicht direkt zum Training der KI-Modelle verwendet werden. Das Training beschränke sich auf spezifische Prompts und Antworten innerhalb von Gemini selbst, um die Funktionalität zu verbessern. Sensible persönliche Daten verbleiben laut Google im Nutzerkonto und werden nicht in umfassendere Trainingsdatensätze aufgenommen.

Strategischer Schachzug im KI-Wettrennen

Der Launch ist Teil des branchenweiten Wettlaufs um die integrierteste KI. Durch seine riesige Nutzerbasis und das geschlossene Ökosystem populärer Dienste ist Google in einer einzigartigen Position, ein unvergleichliches Maß an Personalisierung anzubieten. Der Move wird als direkte Herausforderung für Konkurrenzangebote wie Microsofts Copilot gewertet.

Während sich die Beta auf Privatkonten konzentriert, treibt Google parallel die Integration von Gemini in Google Workspace voran. Kürzliche Updates brachten bereits KI-gestützte E-Mail-Zusammenfassungen in Gmail. Die Erkenntnisse aus dem „Personal Intelligence“-Rollout werden wahrscheinlich beeinflussen, wie ähnliche kontextuelle Fähigkeiten später sicher in die Unternehmensumgebung eingeführt werden.

Die Ära des wirklich persönlichen KI-Assistenten bricht an. Die Entwicklung geht weg von der Beantwortung einzelner Fragen hin zu einem kontinuierlichen, kontextbewussten Dialog, der den Nutzer proaktiv unterstützen kann.

Anzeige

PS: Die EU-KI-Verordnung kennt Übergangsfristen — viele Anbieter riskieren Strafen, wenn sie personalisierte KI-Systeme nicht korrekt klassifizieren und dokumentieren. Dieser Gratis‑Leitfaden zeigt praxisnah, wie Sie Gemini‑ähnliche Anwendungen rechtssicher umsetzen: Checklisten für Risikoklassen, Kennzeichnungspflichten und notwendige Dokumentation für Entwickler und Datenschutzbeauftragte. Gratis-Leitfaden zur KI-Verordnung anfordern

@ boerse-global.de