Goldman Sachs in der Geopolitik-Falle: Wie der Iran-Konflikt die Wall Street durcheinander bringt
14.03.2026 - 01:56:20 | ad-hoc-news.deDie Strait of Hormuz bleibt zu, die Ölpreise schießen nach oben, und an der Wall Street herrscht Alarmstimmung. Goldman Sachs Group, Inc. (ISIN: US38141G1040) warnt in dieser Woche vor massiven wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts - und zeigt dabei, wie tiefgreifend die geopolitische Unsicherheit auch das Geschäft einer führenden Investmentbank trifft. Der Benzinpreis in den USA ist seit Kriegsbeginn um 65 Cent pro Gallone gestiegen, Marktliquidität ist stark eingebrochen, und Goldman Sachs prognostiziert, dass die Rezessionswahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres bei 25 Prozent liegt. Für deutsche, österreichische und Schweizer Anleger, die in US-Finanzwerte investiert sind, wird damit klar: Das Jahr 2026 wird volatil - und die wichtigsten Player an der Wall Street müssen ihre Strategien radikal anpassen.
Stand: 14.03.2026
Von Christian Neufeld, Senior-Analyst für Finanzdienstleistungen - "Goldman Sachs navigiert derzeit zwischen Investmentbanking-Boom durch Unsicherheit und struktureller Illiquidität, die das Kerngeschäft unter Druck setzt."
Das Chaos an den Märkten: Warum Goldman Sachs jetzt warnende Finger hebt
Goldman Sachs hat sich diese Woche mit deutlichen Analysen zu Wort gemeldet, und die Botschaft fällt bemerkenswert düster aus. Goldman-Experten deuten darauf hin, dass die USA in eine perfekt aufgestellte Stagflations-Szenario schlittern: höhere und steigende Preise, schwaches Wachstum und ein stockender Arbeitsmarkt - genau die Zutaten, die Rezessionen auslösen. Das Schlüsselproblem ist dabei nicht primär die Konjunktur selbst, sondern die Angebotsstörung durch die geschlossene Strait of Hormuz. Der Iran hält das Nadelöhr des Weltölhandels zu, und diese Strategie funktioniert - zumindest ökonomisch.
Für Goldman Sachs bedeutet das ein paradoxes Geschäftsumfeld: Einerseits floriert das Volatilitäts- und Hedging-Geschäft wie lange nicht mehr. Andererseits zerfällt die Marktliquidität, die das traditionelle Kern-Geschäft der Bank - Wertpapierhandel, Kapitalmarktdienstleistungen, institutionelle Kundenbetreuung - voraussetzt. Goldman-Experten beschreiben die aktuelle Situation als "extreme Unsicherheit, mehr denn je zuvor". Mit über 21 Milliarden Aktien, die täglich über US-Börsen gehen (gegenüber 18 Milliarden im Vorjahr), sind die Volumina zwar explodiert - die echte Markttiefe aber zusammengebrochen. Das S&P-500-Futures-Orderbuchtief liegt heute unter 4 Millionen Dollar und damit weit unter historischem Durchschnitt. Ein Signal für extremen Stress.
Marktliquidity-Krise: Das unterschätzte Risiko für Investmentbanken
Das wahre Problem für Goldman Sachs ist nicht der Ölpreis, sondern die Liquidity-Implosion. Während die breite Öffentlichkeit von "hohen Handelsvolumina" hört und denkt, dass das gut für Banken sein muss, graut es den echten Profis. John Flood, Leiter des Americas Equities Execution Services bei Goldman Sachs, warnt offen vor einem Phänomen, das im normalen Sprachgebrauch untergeht: Menschen verwechseln "Volumen" mit "Liquidität". Das ist wie der Unterschied zwischen einem überfüllten, panischen Flughafen und einem, in dem Flugzeuge normal abheben.
In panischen Märkten wie diesen drängen sich institutionelle Anleger zu Millionen gleichzeitig aus ihren Positionen hinaus. Sie shortenMakro-Produkte, ETFs und Custom-Baskets, um gegen den Crash zu hedgen. Das erzeugt Volumen, aber echte Käufer fehlen. Wer hingegen verkaufen will, muss massive Preiskonzessionen machen - das ist der Kern von "schlechter Liquidität". Goldman Sachs selbst muss in dieser Situation als Market Maker und Liquiditätsprovider einspringen, trägt aber damit auch das volle Risiko, wenn sich die Marktrichtung plötzlich dreht.
Für europäische Investoren wird das relevant, weil Goldman Sachs ein globaler Liquiditätsprovider ist. Wenn die Bank weniger Kapital für Eigenhandel einsetzen kann oder will (wegen regulatorischer Beschränkungen oder Risikomanagement), dann sinkt die Liquidität in europäischen Märkten mit, wo die Bank ebenfalls tätig ist. Das trifft insbesondere deutsche und Schweizer Pensionsfonds sowie Vermögensverwalter, die auf Goldman Sachs als Handelspartner angewiesen sind.
Das Geschäftsmodell unter Druck: Was Goldman Sachs verdient und verliert
Goldman Sachs ist kein klassisches Kreditgeschäft wie eine Universalbank. Die Profitquellen der Gruppe sind: erstens Investmentbanking (Fusionen, Übernahmen, Kapitalmarktplatzierungen), zweitens Eigenhandel und Liquiditätsgeschäfte, drittens Vermögensmanagement für ultra-high-net-worth-Clients, und viertens Konsumentenfinanzierung über die von Goldman betriebene Online-Bank Marcus. In volatilen Märkten wie diesen funktioniert das Geschäftsmodell auf zwei völlig entgegengesetzten Wegen.
Auf der Gewinn-Seite: Volatilität erzeugt massive Hedging-Nachfrage. Wenn Pensionsfonds panisch ihre Aktienbestände reduzieren wollen, brauchen sie dafür Futures, Options-Strategien, Custom-Strukturen und Derivate - genau das, womit Goldman Sachs Geld verdient. Die Spreads (das ist der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis) sind in panischen Märkten so breit wie seit Jahren nicht mehr, was zu fetten Gewinnen im Eigenhandel führt. Zudem werden Fusionen und Übernahmen in unsicheren Zeiten seltener, aber wenn sie passieren, sind die Gebühren oft höher, weil die Transaktionen komplexer und riskanter sind.
Auf der Verlust-Seite: Die schlechte Liquidität macht es für Goldman Sachs selbst teuer, Positionen zu managen. Wenn die Bank selbst Aktien, Anleihen oder Derivate halten muss, um Kunden zu bedienen, und diese später mit Verlust verkaufen muss, weil sich der Markt gedreht hat, fallen die echten Schäden an. Hinzu kommt: Wenn die Rezessionswahrscheinlichkeit auf 25 Prozent steigt und Jobverluste eintreten, sinkt auch die Vermögensbildung bei wohlhabenden Clients. Das trifft das Wealth-Management-Geschäft direkt, das für Goldman Sachs immer wichtiger wird.
Zinserwartungen: Goldman Sachs dreht die Fed-Prognose um
Ein weiterer Stresstest für Goldman Sachs ergibt sich aus den Zinserwartungen. Noch vor wenigen Wochen rechnete die Bank damit, dass die US-Notenbank (Fed) im Juni und September 2026 die Leitzinsen senken würde. Diese Prognose ist nun Makulatur. Goldman Sachs hat ihre Rate-Cut-Erwartungen dramatisch zurückgenommen und sieht jetzt nur noch eine 70- bis 80-prozentige Chance auf einen Zinsschnitt im gesamten Jahr 2026, mit dem Fokus auf 2027. Das ist eine monumentale Verschiebung und widerlegt eines der Lieblings-Narratives der Finanzmärkte: dass die Fed bald "wieder lockerer" wird.
Für Goldman Sachs ist das ein gemischtes Signal. Einerseits bedeuten höhere Zinsen, dass die Bank mehr Zinsmargen verdient, wenn sie noch ein Einlagengeschäft betreiben würde (wie über Marcus). Andererseits bedeutet ein Zinsumfeld, das "hoch und länger" bleibt, dass der Druck auf Unternehmensgewinne weiter ansteigt, weil Kreditkosten hoch bleiben. Das wiederum drückt auf Investmentbanking-Aktivitäten wie M&A, die weniger lukrativ werden, wenn Unternehmungen Angst haben, sich zu hohen Zinsen zu refinanzieren.
Marktsentiment: Was Goldman Sachs selbst tut, um zu hedgen
Die Ironie der Geschichte: Während Goldman Sachs seinen Kunden empfiehlt zu hedgen, muss die Bank selbst massiv hedgen. Die Institution ist selbst ein riesiger institutioneller Marktakteur und wird dementsprechend von derselben Angst erfasst wie alle anderen. Das zeigt sich in den jüngsten Trading-Daten: Massive Short-Positionen in Makro-Produkten deuten darauf hin, dass selbst Goldman Sachs und die größten Wall-Street-Player nun anfangen, gegen ihre eigenen Long-Positionen zu wetten.
Das ist das Zeichen klassischen Marktübertreibung nach unten. Wenn sogar die Profis, die normalerweise den Markt treiben, alle hedgen und shorten, dann ist das oft ein Kontraindikator. Es bedeutet, dass "bad news" bereits eingepreist ist und eine kleine positive Nachricht (z.B. "Iran wird die Strait of Hormuz wieder öffnen") zu massiven Bounces führen kann. Goldman Sachs selbst warnt seine Kunden: Wenn es eine Nachricht gibt, dass Fortschritt im Konflikt gemacht wird, dann werden all diese Short-Positionen mit Gewalt glattgestellt, und es kommt zu einer "Buying Stampede". Das hat dann Profit-Potenzial, auch wenn es sich jetzt nicht danach anfühlt.
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Warum es für DACH-Investoren kritisch wird
Deutsche, österreichische und Schweizer Anleger, die in Goldman Sachs oder andere US-Finanzwerte investiert sind, sollten verstehen, was hier passiert: Die USA rutschen in ein Environment, in dem Finanzinstitute weniger verdienen, höhere Risiken tragen und gleichzeitig weniger Kapital einsetzen können (oder wollen). Für europäische Privatanleger bedeutet das zwei konkrete Konsequenzen.
Erstens: Wenn europäische Vermögensverwalter durch Goldman Sachs handeln wollen, müssen sie mit schlechteren Preisen rechnen. Das trifft Schweizer und deutsche Pensionsfonds, die in US-Aktien investieren, direkt. Die Handelskosten steigen, und das geht auf Renditen.
Zweitens: Goldman-Sachs-Aktien selbst sind jetzt ein Leveraged-Bet auf eine Erholung des Marktsettings. Wenn Rezessionsrisiken tatsächlich sinken und Iran-Konflikte sich entspannen, steigen Goldman-Sachs-Aktien oft stärker als der breite Markt, weil die Bank dann "Leverage" in Form höherer Volumina und besserer Liquidität zurückbekommt. Aber wenn es anders kommt - wenn die Rezession tatsächlich eintritt und volatilität spikes bleiben - dann fallen Finanzaktien oft doppelt so schnell wie der Markt.
Die Jobnummer und der echte Angstfaktor
Goldman Sachs warnt darauf hin, dass die eigentliche Crash-Bedingung eintritt, wenn Jobverluste folgen. Im Moment sind die US-Arbeitsmarktdaten gemischt - es gab einen negativen Jobprint, aber Goldman-Analysten deuten darauf hin, dass das eher an Wetter und Streiks lag als an echtem Einbruch. Das ist entscheidend, denn: Wenn Retail-Investoren (die die meisten der 21 Milliarden täglich gehandelten Aktien treiben) anfangen, Jobs zu verlieren, verkaufen sie ihre Bestände. Das ist die Kettenreaktion, die aus Volatilität eine echte Baisse macht.
Goldman Sachs sagt selbst: Die nächsten wirklich wichtigen Daten sind die Arbeitsmarktberichte. Wenn diese schlecht ausfallen, droht nicht nur eine Rezession, sondern auch ein nachhaltiger Absturz für die Bank selbst. Denn wenn Privatanleger und mittelständische Vermögensverwalter ihre Aktienbestände liquidieren müssen, weil das Geld knapp wird, fehlt den Investment Banks die "Buy-Side", die normale Marktgewinne trägt.
Szenario-Analyse: Was könnte Goldman Sachs Aktie bewegen?
Es gibt drei primäre Katalysatoren für Goldman Sachs in den nächsten Wochen und Monaten. Der erste ist eine geopolitische Entspannung im Iran-Konflikt - wenn z.B. Verhandlungen erfolgreich sind oder die USA und Iran einen Waffen-Stillstand vereinbaren, würde das Ölpreise senken, Rezessionsangst abbauen und Liquidity sofort zurückkommen. Goldman Sachs würde unmittelbar von dieser "Off-Ramp"-Szenario profitieren, weil sich Short-Positionen decken und echte Käufe folgen würden.
Der zweite Katalysator sind überraschend starke Jobdaten. Wenn die nächsten Employment-Reports zeigen, dass Arbeitsplätze weiter geschaffen werden (und nicht nur wegen Seasonal-Adjustments), dann sinkt die Rezessionswahrscheinlichkeit, und Finanzwerte performen wieder. Goldman Sachs selbst wird dann auch wieder mehr Personal einstellen können - ein gutes Zeichen für die Kapazität, auf Mandate zu arbeiten.
Der dritte Katalysator ist eine "Hawkish Surprise" von der Fed. Wenn die Fed kommuniziert, dass sie Zinsen nicht senken wird und stattdessen "tight" bleibt, dann könnte das kurzfristig schmerzen, aber langfristig Inflations-Angst senken. Goldman Sachs würde dann wieder mit stabileren Marktbedingungen rechnen können, was für die langfristige Profitabilität der Bank wichtig ist.
Im Gegensatz dazu gibt es auch negative Katalysatoren. Eine Eskalation im Iran-Konflikt (z.B. wenn die USA Iran militärisch angreift oder Iran ein US-Schiff versenkt) würde zu noch höheren Ölpreisen, noch tieferer Liquiditäts-Krise und echtem Crash-Risiko führen. Goldman Sachs würde dann massive Positionen-Verluste einfahren, bevor sie diese absichern konnten.
Das Fazit: Volatilität ist ein zweischneidiges Schwert
Goldman Sachs Group, Inc. (ISIN: US38141G1040) steht an einem Wendepunkt. Die Bank verdient derzeit viel Geld mit Volatilität und Hedging, verliert aber auch überall dort, wo sie als Liquiditätsprovider einspringen muss. Der Iran-Konflikt und die damit verbundene Oils-Preis-Spike haben eine Rezessionsangst ausgelöst, die sich in der Marktstruktur selbst widerspiegelt: explodierende Handelsvolumina bei zusammenbrechender echter Liquidität.
Für Investoren, die Goldman Sachs Aktien halten oder kaufen wollen, ist das eine High-Risk-, High-Reward-Situation. Wenn sich die Geopolitik entspannt oder die Arbeitsmarktdaten stark bleiben, springt die Aktie. Wenn aber die Rezession tatsächlich kommt oder der Konflikt eskaliert, dann fällt Goldman Sachs mit doppelter Geschwindigkeit. Das ist das Risiko-Profil von Finanzwerten in volatilen Makro-Umfeldern: Sie sind keine defensiven Titel, sondern Leverage-Spiele auf Normalisierung.
Für DACH-Investoren gilt: Goldman Sachs ist eine Positionsgröße für erfahrene Anleger, die verstehen, dass Finanzwerte prokyzilisch sind und Tail-Risiken tragen. Kleine Anleger sollten überprüfen, ob sie dieses Risiko wirklich tragen wollen, oder ob sie sich lieber auf defensive europäische Banken konzentrieren, die weniger von US-Volatilität betroffen sind.
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Aktien sind volatile Finanzinstrumente.
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