Global Trade: Netzwerk in Lübeck lieferte Kriegsteile nach Russland
03.02.2026 - 10:52:15Deutsche Behörden haben ein großes Sanktionsumgehungsnetzwerk im Norden ausgehoben. Es soll über 16.000 Lieferungen mit kritischen Komponenten für die russische Rüstungsindustrie ermöglicht haben.
Die Generalbundesanwaltschaft ließ am Montag fünf mutmaßliche Drahtzieher festnehmen. Sie sollen von Lübeck aus ein industrielles Umgehungssystem für EU-Exportkontrollen betrieben haben. Unterstützt von Zollkriminalamt und BND durchsuchten Ermittler bundesweit Geschäfts- und Wohnräume. Das Volumen des illegalen Handels wird auf über 30 Millionen Euro geschätzt.
Das System hinter „Global Trade“
Im Zentrum des Netzwerks steht ein Handelsunternehmen aus Lübeck, das in Medien als „Global Trade“ identifiziert wurde. Der mutmaßliche Kopf, der 38-jährige Deutsch-Russe Nikita S., soll Alleingesellschafter und Geschäftsführer gewesen sein. Laut Bundesanwaltschaft begannen die Aktivitäten kurz nach der Eskalation des Ukraine-Krieges 2022.
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Das Netzwerk nutzte ein komplexes Geflecht aus Briefkastenfirmen und fingierten Empfängern innerhalb der EU und in Drittländern. So verschleierte es das wahre Ziel der Waren: eine russische Empfängerfirma, in der Nikita S. ebenfalls eine Führungsposition innehatte. Diese vertikale Integration deutet auf eine gezielt aufgebaute Lieferkette hin, um westliche Handelsbarrieren zu umgehen.
Rüstungsrelevante Dual-Use-Güter im Fokus
Offiziell handelte das Unternehmen mit allgemeinem Industriebedarf. Tatsächlich lieferte es jedoch hauptsächlich streng sanktionierte Dual-Use-Güter. Dabei handelte es sich um hochpräzise Kugellager, Sensoren, Halbleiterbauteile und Konverter.
Diese Komponenten sind essenziell für die Herstellung moderner Waffensysteme, etwa für Lenkungen von Raketen, Drohnen oder gepanzerten Fahrzeugen. Die schiere Menge von 16.000 Einzellieferungen in vier Jahren spricht für einen industriellen Betrieb, nicht für vereinzelten Schmuggel. Ermittler gehen davon aus, dass das Netzwerk „von russischen Staatsstellen betrieben“ wurde.
Professionelle Tarnung über Jahre
Die Durchsuchungen in Frankfurt am Main, Nürnberg und weiteren Orten zeigen die Reichweite des logistischen Netzes. Der Zoll beschreibt die Vorgehensweise als hochprofessionell.
Durch die Angabe falscher Endverbraucher in neutralen Ländern täuschte das Netzwerk jahrelang die automatischen Zollscreening-Systeme. Die Ware wurde scheinbar für zivile Käufer in sanktionsfreien Drittländern bestimmt, nur um dann umgeleitet oder sofort weiter exportiert zu werden.
Politische Reaktionen und Konsequenzen
Die Festnahmen fallen in eine sensible Phase: Die EU arbeitet derzeit am 20. Sanktionspaket gegen Russland. Der Fall befeuert in Berlin die Debatte um die Durchsetzung der Handelsbeschränkungen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte die Entschlossenheit der Regierung, Schlupflöcher zu schließen. Die Ära der Nachsicht für Sanktionsumgeher sei vorbei. Der Staat investiere massiv in die Fähigkeiten des Zollkriminalamts.
Für die Exportwirtschaft dürfte der Fall strengere „Know Your Customer“-Prüfungen zur Folge haben, besonders bei Dual-Use-Gütern. Das Wirtschaftsministerium hatte bereits vor Geschäften mit neuen Partnern in Zwischenländern gewarnt – eine Warnung, die dieser Fall unterstreicht.
Hohe Haftstrafen und weitere Ermittlungen
Den fünf Festgenommenen wird gewerbs- und bandenmäßiger Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz vorgeworfen. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren. Der Bundesgerichtshof entscheidet noch diese Woche über den weiteren Untersuchungshaftvollzug.
Die Ermittlungen sind nicht abgeschlossen. Gegen fünf weitere Personen wird ermittelt, beschlagnahmte Daten werden ausgewertet. Die Sicherstellung von 30 Millionen Euro soll dem Netzwerk die finanziellen Grundlagen entziehen. Der Fall aus Lübeck wird als Gradmesser dafür gesehen, wie streng europäische Gerichte künftig Sanktionsverstöße ahnden.
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