Ghosting, Mitarbeiter

Ghosting: Wenn neue Mitarbeiter einfach nicht auftauchen

16.01.2026 - 11:51:12

Eine Studie zeigt, dass 14,7 Prozent der Firmen von Vertragsbrüchen durch neue Mitarbeiter betroffen sind. Besonders KMU leiden unter den Folgen und müssen ihre Onboarding-Strategien anpassen.

Fast jedes siebte Unternehmen in Deutschland erlebt, dass unterschriebene Arbeitsverträge nicht eingehalten werden. Der extreme Fachkräftemangel verändert die Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt grundlegend.

Laut einer aktuellen Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftebedarf (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berichten 14,7 Prozent der Firmen von Fällen, in denen Bewerber einen gültigen Vertrag unterzeichnen, aber am ersten Arbeitstag nicht erscheinen. Diese radikalste Form des „Ghostings“ – ein Begriff aus der Dating-Welt – wird zum ernsthaften wirtschaftlichen Risiko, besonders für den Mittelstand. Die Daten, Ende 2025 veröffentlicht, sind aktuell Gegenstand intensiver Debatten in Personalabteilungen.

Vertragsbruch als Massenphänomen

Die Zahlen des KOFA zeichnen ein klares Bild der Instabilität. Das Problem geht weit über die initialen „No-Shows“ hinaus: 23,9 Prozent der Unternehmen erleben Kündigungen in der Probezeit, und 37,7 Prozent erhalten Absagen, weil Kandidaten sich für ein Konkurrenzangebot entscheiden. Eine Unterschrift garantiert heute keine langfristige Bindung mehr.

„In einem Bewerbermarkt wie dem aktuellen wiegen Kandidaten ihre Optionen auch nach Vertragsunterzeichnung weiter ab“, analysiert KOFA-Expertin Sibylle Stippler. Die Konsequenzen für einen Vertragsbruch vor Arbeitsantritt seien oft gering, da Arbeitgeber selten rechtliche Schritte einleiteten. Dies begünstige ein Verhalten ohne verbindliche Commitment-Kultur.

Warum Kandidaten einfach verschwinden

Hinter dem Trend stehen mehrere Faktoren. Der wichtigste: Qualifizierte Arbeitskräfte haben die Wahl. Halten sie mehrere Angebote gleichzeitig in der Hand, sinkt die Hemmschwelle, einen Arbeitgeber kurzfristig fallen zu lassen.

Eine entscheidende Rolle spielt auch der Recruiting-Prozess selbst. Lange Wartezeiten zwischen Vorstellungsgespräch und endgültigem Zusage führen dazu, dass das Interesse erlischt oder schneller agierende Konkurrenten zuschlagen. Unternehmen, die in der „Pre-Boarding“-Phase – der Zeit zwischen Vertragsunterschrift und Arbeitsbeginn – keinen engen, persönlichen Kontakt halten, sind besonders gefährdet, „geghostet“ zu werden.

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„Wenn sich Kandidaten wie eine Nummer fühlen, entwickeln sie auch keine moralische Verpflichtung gegenüber dem Unternehmen“, so Stippler.

Kleine Betriebe trifft es am härtesten

Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Ihnen fehlen oft die Ressourcen großer Konzerne, um den plötzlichen Ausfall einer besetzten Stelle aufzufangen. Eine einzige Lücke in einem kleinen Team kann Projektverzögerungen, Mehrbelastung für die Belegschaft und Umsatzausfall bedeuten.

Gegensteuern können Firmen mit einer neuen Onboarding-Strategie. Die Studie belegt die Wirksamkeit von Maßnahmen noch vor dem ersten Arbeitstag. Regelmäßige, informelle Updates, Einladungen zu Teamevents oder ein Willkommenspaket stärken die emotionale Bindung und senken die Abbruchquote deutlich.

Ebenfalls erfolgreich ist „Active Sourcing“ – die proaktive Ansprache potenzieller Kandidaten. Diese Methode erfordert zwar mehr Aufwand, führt aber oft zu einer besseren Passgenauigkeit und höheren Bindung. Viele Mittelständler scheuen diesen Schritt jedoch noch und verlassen sich auf traditionelle Stellenausschreibungen – eine Strategie, die 2026 oft nicht mehr ausreicht.

Der Vertrag ist erst der Anfang

Solange der Fachkräftemangel anhält, wird das Ghosting-Phänomen bleiben. Experten erwarten, dass Unternehmen zunehmend auf digitale Tools setzen, um Prozesse zu beschleunigen und die „Candidate Experience“ zu verbessern.

Mehr Transparenz über Gehalt und Benefits schon zu Beginn des Prozesses könnte die Abbruchraten senken. Wenn Erwartungen früh klar kommuniziert werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kandidat wegen eines besseren Gegenangebots abspringt.

Die klare Botschaft der KOFA-Daten an Personalabteilungen: In der heutigen Zeit beginnt die Bindung eines Mitarbeiters nicht am ersten Arbeitstag, sondern in dem Moment, in dem er den Bewerbungsprozess betritt. Ein unterschriebener Vertrag ist nur der Startschuss, nicht die Ziellinie.

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