GEW ruft zu landesweitem Warnstreik in Hessen auf
23.03.2026 - 10:40:58 | boerse-global.deDie hessischen Schulen und Hochschulen stehen am Dienstag vor massiven Ausfällen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat für den 24. März einen ganztägigen Warnstreik ausgerufen. Damit will sie den Druck auf die Landesregierung vor der entscheidenden dritten Verhandlungsrunde erhöhen.
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Hunderte Bildungseinrichtungen betroffen
Der Streik wird voraussichtlich hunderte Einrichtungen von Grundschulen bis zu großen Universitäten lahmlegen. Zentrale Kundgebungen sind in Frankfurt und Kassel geplant. In Frankfurt startet der Protestzug am DGB-Haus und zieht zur Hauptwache. In Kassel treffen sich die Teilnehmer am Naturkundemuseum und marschieren zum Hauptbahnhof.
Neben festangestellten Lehrkräften und wissenschaftlichem Personal ruft die GEW auch rund 12.000 studentische Hilfskräfte an den Hochschulen zum Streik auf. Deren Einbeziehung in den Tarifvertrag TV-H ist einer der größten Streitpunkte. Für viele Familien bedeutet der Ausstand organisatorische Probleme. Einige Kommunen planen Notbetreuungen, doch many Schulen müssen den Unterricht ausfallen lassen oder bieten nur Betreuung an.
Sieben Prozent mehr Gehalt gefordert
Im Kern fordert die GEW eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. Für Auszubildende und Praktikanten soll es eine Pauschale von 200 Euro geben. Zudem pocht die Gewerkschaft auf eine kurze Laufzeit von nur zwölf Monaten für den neuen Tarifvertrag. So könne man schneller auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren.
Die hessische Landesregierung zeigt sich unter Finanzvorbehalt. Innenminister Roman Poseck, der für den Staat verhandelt, hält die Forderungen angesichts der Haushaltslage für unrealistisch. Die Regierung verweist auf die abkühlende Konjunktur und die notwendige Haushaltsdisziplin. Zwar kündigte Poseck für die anstehenden Verhandlungen ein konkretes Angebot an, doch die Positionen liegen noch weit auseinander.
Das Ministerium argumentiert, frühere Gehaltserhöhungen und die moderate Inflation Anfang 2026 müssten berücksichtigt werden. Die Gewerkschaft kontert: Viele Beschäftigte spürten noch immer die „Inflationslücke“ der Vorjahre, in denen die Löhne hinter den Lebenshaltungskosten zurückblieben. Ohne ein konkurrenzfähiges Gehaltsniveau, so die Warnung, werde Hessen als Arbeitgeber für Lehrkräfte und Forscher unattraktiv.
Kampf um bessere Bedingungen für Hilfskräfte
Ein zentrales Thema dieser Tarifrunde ist die „TV-Stud“-Bewegung. Erstmals wird massiv versucht, die studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte unter den Schutz des TV-H zu bringen. Bisher arbeiten diese ohne landesweiten Tarifvertrag, was zu prekären und uneinheitlichen Bedingungen führt.
Die GEW wirft dem Land einen Widerspruch zur eigenen Tariftreue-Politik vor. Durch die Aufnahme in den TV-H sollen einheitliche Entgelttabellen, Mindestvertragslaufzeiten und klare Urlaubsregelungen erreicht werden. Weitere qualitative Forderungen betreffen die Neubewertung der Eingruppierung von Lehrkräften und eine Wohnkostenpauschale von 50 Euro für Auszubildende in teuren Ballungsräumen wie Frankfurt.
Personalmangel als Treiber des Konflikts
Die Schärfe des aktuellen Arbeitskampfs hat tiefere Gründe. Hessen leidet wie viele Bundesländer unter einem dramatischen Lehrkräftemangel. Tausende Stellen sind unbesetzt, die Belastung für das vorhandene Personal steigt ständig. Viele Schulen sind auf Quereinsteiger angewiesen.
Experten sehen in der kompromisslosen Haltung der GEW mehr als nur einen Lohnstreit. Es gehe um die „Wertschätzung der Arbeit“ in einem System unter Dauerstress. Hohe Krankenstände und vorzeitige Pensionierungen verschärfen die Lage. Für viele Beschäftigte ist der Streik ein Protest gegen die „Mangelverwaltung“, die sie täglich im Klassenzimmer erleben.
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Die besondere Verhandlungsposition Hessens macht die Sache nicht einfacher. Anders als die anderen 15 Bundesländer, die über die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) verhandeln, geht Hessen solo. Das ermöglicht zwar maßgeschneiderte Lösungen, erhöht aber auch den Druck: Ein schlechteres Ergebnis als im Bundesdurchschnitt könnte den Abwanderungsdruck in Nachbarländer wie Nordrhein-Westfalen verstärken.
Entscheidung in Seeheim-Jugenheim steht bevor
Alles richtet sich nun auf Seeheim-Jugenheim. Dort finden am Donnerstag und Freitag, dem 26. und 27. März, die entscheidenden Verhandlungen statt. Innenminister Poseck hat ein „verhandlungsfähiges Angebot“ angekündigt. Ob es die Kernforderung nach 300 Euro Mindesterhöhung erfüllt, ist offen.
Sollte bis Freitagabend keine Einigung gelingen, droht als nächste Eskalationsstufe ein Erzwingungsstreik. Dieser müsste per Urabstimmung beschlossen werden und könnte zu unbefristeten Arbeitsniederlegungen führen – just in der kritischen Phase des Frühjahrstrimesters.
Die meisten Beobachter rechnen dennoch mit einem Kompromiss in letzter Minute. Beide Seiten stehen unter Druck, einen langen Konflikt zu vermeiden, der die Öffentlichkeit verprellen und das Bildungssystem weiter schwächen würde. Wahrscheinlich ist eine gestaffelte Gehaltserhöhung und eine Teil-Lösung für die Hilfskräfte, etwa einen separaten Rahmenvertrag. Eines ist sicher: Der Warnstreik am 24. März hat bereits jetzt demonstriert, welche Verhandlungsmacht in den Händen derjenigen liegt, die das Fundament des Bildungssystems tragen.
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