Getlink SE (Eurotunnel), FR0010533075

Getlink SE (Eurotunnel): Verkehrswachstum, Dekarbonisierung und Dividende – wie attraktiv ist die Aktie noch?

21.01.2026 - 09:05:51

Die Aktie von Getlink SE (Eurotunnel) profitiert von stabilem Verkehrsaufkommen, solider Dividendenpolitik und Dekarbonisierungstrend. Doch nach deutlichen Kursgewinnen stellt sich die Frage: Wie viel Aufwärtspotenzial bleibt?

Die Aktie von Getlink SE, der Konzern hinter dem Eurotunnel zwischen Großbritannien und Frankreich, steht wieder verstärkt im Fokus europäischer Anleger. Nach einer Phase kräftiger Kursgewinne und solider Verkehrszahlen fragen sich Investoren, ob das Papier auf dem aktuellen Niveau eher als defensiver Hafen im Verkehrssektor oder bereits als ambitioniert bewerteter Titel einzustufen ist. Das Sentiment ist leicht positiv: Analysten betonen stabile Cashflows, eine attraktive Dividendenrendite und den Rückenwind durch den europäischen Dekarbonisierungskurs – gleichzeitig mahnen sie jedoch zur Vorsicht angesichts der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate.

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Zum Zeitpunkt der Recherche notierte die Getlink-Aktie (ISIN FR0010533075) im Bereich von rund 18 Euro. Nach Daten von Reuters und Yahoo Finance – beide Quellen zeigen ein weitgehend identisches Kursbild – hat sich das Papier in den vergangenen fünf Handelstagen volatil, aber tendenziell seitwärts bis leicht fester entwickelt. Auf Sicht von drei Monaten liegt die Aktie deutlich im Plus, mit einer Performance im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Das 52-Wochen-Hoch wurde im Bereich von knapp unter 19 Euro markiert, das 52-Wochen-Tief lag deutlich unter 14 Euro. Diese Spanne illustriert, wie stark der Markt in den vergangenen Monaten Hoffnungen auf steigende Verkehrsströme und stabile Margen eingepreist hat.

Charttechnisch zeigt sich ein Bild, das viele Marktteilnehmer als konstruktiv bezeichnen würden: Nach einer ausgeprägten Aufwärtsbewegung konsolidierte der Kurs zuletzt knapp unterhalb des 52-Wochen-Hochs. Der mittelfristige Aufwärtstrend ist intakt; kurzfristige Rücksetzer wurden wiederholt von Käufern aufgefangen. Damit ist das Sentiment insgesamt eher „bullisch“, wenn auch ohne euphorische Übertreibung.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Für Langfrist-Anleger stellt sich die entscheidende Frage: Hat sich der Einstieg in die Getlink SE (Eurotunnel) Aktie in den vergangenen zwölf Monaten gelohnt? Ein Blick auf die Kursentwicklung liefert eine klare Antwort. Der Schlusskurs vor einem Jahr lag – auf Basis der Daten von Yahoo Finance und einer Gegenprüfung bei Börsenportalen wie finanzen.net – spürbar unter dem heutigen Niveau. Je nach exaktem Vergleichstag und Wechselkursbasis ergibt sich ein Kursplus von gut 20 % bis in die mittleren Zwanziger-Prozentregionen.

Wer vor einem Jahr eingestiegen ist, freut sich heute damit über einen sehr soliden Wertzuwachs, der deutlich über dem liegt, was der Euro-Stoxx-Transportsektor im gleichen Zeitraum im Durchschnitt geboten hat. Hinzu kommt: Getlink gilt als verlässlicher Dividendenzahler. Zählt man die ausgeschüttete Dividende zum Kursanstieg hinzu, ergibt sich für geduldige Investoren eine Gesamtrendite, die sich mit vielen klassischen Dividendenwerten der Eurozone messen kann.

Im Detail bedeutet dies: Bei einem damaligen Niveau von deutlich unter 16 Euro und einem heutigen Kurs um 18 Euro summiert sich die reine Kursperformance auf rund ein Fünftel. Anleger, die das Papier als Einkommensbaustein im Depot halten, konnten sich darüber hinaus über eine Dividendenrendite im Bereich von knapp drei bis vier Prozent freuen, abhängig vom individuellen Einstiegskurs. Der Ein-Jahres-Rückblick zeichnet somit das Bild eines Titels, der sich für langfristig orientierte Investoren bislang klar ausgezahlt hat.

Emotional betrachtet ist die Story für Bestandsaktionäre komfortabel: Wer durch die Phase politischer Unsicherheiten rund um den Brexit und pandemiebedingte Verkehrseinbrüche hindurch dabeigeblieben ist, wird nun mit wieder anziehendem Verkehrsaufkommen und robusteren Zahlen belohnt. Für Neuanleger hingegen stellt sich eher die Frage, ob sie nicht einem bereits gut gelaufenen Trend hinterherlaufen – oder ob der strukturelle Investment-Case rund um den umweltfreundlichen Schienenverkehr durch den Tunnel noch weitere Jahre trägt.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

Für die kurzfristige Kursentwicklung der Getlink SE (Eurotunnel) Aktie waren in den vergangenen Tagen vor allem Unternehmensmeldungen und Verkehrsstatistiken maßgeblich. Anfang der Woche berichtete das Unternehmen über anhaltend robustes Verkehrsaufkommen im Eurotunnel-Kanal, sowohl im Bereich der Lkw-Shuttles als auch im Pkw- und Reisezugsegment. Die Nachfrage nach verlässlichen, wetterunabhängigen Verbindungen zwischen dem Kontinent und Großbritannien bleibt hoch, auch wenn sich das Wachstumstempo nach dem kräftigen Rebound der letzten Jahre etwas normalisiert hat.

Parallel dazu sorgt der mittel- bis langfristige strategische Fokus von Getlink auf Dekarbonisierung und Energieinfrastruktur für Fantasie. Über die Tochtergesellschaft ElecLink betreibt der Konzern eine Stromverbindungsleitung zwischen Frankreich und Großbritannien, die den grenzüberschreitenden Stromhandel erleichtern soll. Vor wenigen Tagen wurde in Analystenkommentaren hervorgehoben, dass dieses Geschäftsfeld zunehmend zu einem zweiten, weniger zyklischen Standbein des Konzerns werden könnte. In Zeiten, in denen Europa die Energieversorgung diversifizieren und den Anteil erneuerbarer Energien ausbauen will, erscheint die Position von Getlink als Betreiber einer strategisch wichtigen Energieverbindung attraktiv.

Hinzu kommen jüngste Berichte über Fortschritte bei der Digitalisierung und Automatisierung der Abläufe im Tunnelbetrieb. Investitionen in effizientere Abfertigungsprozesse, optimierte Fahrpläne und ein besseres Management von Engpässen sollen nicht nur die Kapazität erhöhen, sondern auch die Profitabilität stützen. Marktteilnehmer werten diese Entwicklungen als positives Signal, dass Getlink nicht nur auf bestehende Verkehrsströme setzt, sondern aktiv an der Optimierung der eigenen Infrastruktur arbeitet.

Makroökonomisch stützen mehrere Faktoren die Investmentstory: Die wirtschaftliche Lage im Vereinigten Königreich hat sich nach den Turbulenzen der unmittelbaren Brexit-Jahre stabilisiert, der Waren- und Personenverkehr auf der Achse London–Paris/Brüssel normalisiert sich. Gleichzeitig kommt der zunehmende regulatorische Druck zur CO?-Reduktion dem Schienenverkehr tendenziell zugute – ein klarer Vorteil gegenüber Fähr- und Flugverbindungen über den Kanal. Diese Kombination aus strukturellem Rückenwind und operativer Stabilisierung bildet den fundamentalen Unterbau des jüngsten Kursanstiegs.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die Analystengemeinde zeigt sich gegenüber der Getlink SE (Eurotunnel) Aktie überwiegend konstruktiv. In den vergangenen Wochen haben mehrere große Investmentbanken ihre Einschätzungen aktualisiert. Auf Basis öffentlich einsehbarer Konsensdaten von Bloomberg und Refinitiv liegt das durchschnittliche Votum derzeit im Bereich „Kaufen“ bis „Übergewichten“. Die Mehrheit der Analysten traut dem Papier weiteres Aufwärtspotenzial zu, wenn auch nicht mehr in dem Umfang der vergangenen Jahre.

Eine Reihe von Häusern – darunter nach Marktberichten Institute wie BNP Paribas, Société Générale oder HSBC – hat in den letzten Wochen Kursziele im Bereich von rund 19 bis 21 Euro veröffentlicht. Diese Spanne entspricht ausgehend vom aktuellen Kurs einem moderaten Aufwärtspotenzial im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Begründet wird dies insbesondere mit der Erwartung, dass der freie Cashflow in den kommenden Jahren spürbar steigen und damit sowohl Investitionen in Infrastruktur als auch eine attraktive Ausschüttungspolitik ermöglichen dürfte.

Einige Analysten, darunter Experten angelsächsischer Banken, mahnen jedoch zur Vorsicht: Das Chancen-Risiko-Profil sei nach dem starken Kursanstieg weniger günstig als noch vor einem Jahr. Sie verweisen auf potenzielle Belastungsfaktoren wie mögliche Konjunkturabkühlungen in Großbritannien oder auf dem Kontinent, geopolitische Spannungen sowie die Tatsache, dass der Eurotunnel ein im Kern reguliertes Infrastrukturgut ist. Anpassungen regulierungsbedingter Rahmenbedingungen könnten in Extremfällen auf Margen und Renditen drücken.

Trotz dieser Risiken überwiegt in den jüngsten Studien das positive Narrativ: Getlink wird als Betreiber eines einzigartigen, schwer replizierbaren Assets mit hohen Markteintrittsbarrieren gesehen. Die starke Marktstellung im Fracht- und Personenverkehr durch den Tunnel, gepaart mit den Perspektiven im Energiesegment, rechtfertigt nach Ansicht vieler Analysten Bewertungsmultiplikatoren, die leicht über denen klassischer Verkehrsunternehmen liegen. Das durchschnittliche Konsenskursziel, wie es in den Datenbanken großer Informationsanbieter ausgewiesen ist, liegt spürbar über dem aktuellen Preis, was die bullische Grundhaltung unterstreicht.

Ausblick und Strategie

Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob Getlink seine strategischen Versprechen in konkrete Ergebniszuwächse ummünzen kann. Aus Investorensicht stehen vier zentrale Themen im Vordergrund: Verkehrsvolumen, Preisgestaltung, Effizienzgewinne und die Entwicklung des Energiegeschäfts.

Erstens: Beim Verkehrsvolumen erwarten viele Marktbeobachter ein moderates, aber stetiges Wachstum. Die Phase des starken Nachholeffekts nach der Pandemie liegt hinter dem Unternehmen, dennoch sollte die Nachfrage nach verlässlichen Landverbindungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU strukturell hoch bleiben. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Lkw-Shuttles, die für einen großen Teil der Erlöse verantwortlich sind. Gelingt es Getlink, den Marktanteil gegenüber Fährverbindungen zu behaupten oder sogar auszubauen, könnte dies die Umsatzentwicklung nachhaltig stützen.

Zweitens: Die Preisgestaltung. In einem Umfeld erhöhter Kosten – etwa für Energie, Personal und Wartung – kommt der Fähigkeit, Tarife anzupassen, erhebliche Bedeutung zu. Der regulatorische Rahmen setzt zwar Grenzen, dennoch besitzt Getlink Spielräume, insbesondere in nachfragestarken Segmenten. Viele Analysten gehen davon aus, dass Preisanpassungen in Kombination mit Effizienzgewinnen einen wesentlichen Beitrag zur Ergebnisverbesserung leisten werden.

Drittens: Effizienzgewinne. Der Konzern investiert kontinuierlich in die Modernisierung seiner Anlagen und Prozesse. Automatisierte Abfertigung, optimierte Fahrplanstrukturen und eine verbesserte Auslastungssteuerung sollen nicht nur die operative Stabilität erhöhen, sondern auch die Kosten pro transportierter Einheit senken. Für Anleger ist hierbei wichtig, dass sich diese Investitionen mittelfristig in höheren Margen niederschlagen. Gelingt dies, könnte die Profitabilität stärker steigen als es allein aus dem Volumenwachstum zu erwarten wäre.

Viertens: Das Energiegeschäft. Mit der ElecLink-Verbindung verfügt Getlink über einen strategisch bedeutsamen Vermögenswert im europäischen Strommarkt. Je volatiler die Energiepreise und je höher der Bedarf an grenzüberschreitendem Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage, desto größer kann die Bedeutung dieser Verbindung werden. Einige Analysten sehen hierin einen unterschätzten Werttreiber, der im aktuellen Aktienkurs nur teilweise reflektiert ist. Sollte es dem Unternehmen gelingen, die Ertragskraft von ElecLink in den kommenden Jahren deutlich zu steigern, könnte dies den Investment-Case nachhaltig verändern – weg vom reinen Infrastrukturbetreiber im Transport, hin zu einem hybriden Infrastruktur- und Energieunternehmen.

Auf der Risikoseite bleiben mehrere Faktoren im Blick zu behalten: Eine spürbare konjunkturelle Eintrübung in Europa oder im Vereinigten Königreich könnte den Güter- und Reiseverkehr dämpfen. Politische Spannungen oder Änderungen der Zoll- und Grenzregime sind ebenfalls nicht auszuschließen und könnten zu temporären Störungen oder zusätzlichen Kosten führen. Zudem könnte ein nachhaltiger Rückgang der Frachtpreise die Preissetzungsmacht von Getlink begrenzen.

Für Anleger, die einen Einstieg in die Getlink SE (Eurotunnel) Aktie erwägen, drängt sich damit ein differenziertes Fazit auf. Fundamentale Anleger mit mittlerem bis längerem Anlagehorizont könnten den Titel als defensiven, konjunkturresistenten Baustein im europäischen Infrastruktursektor betrachten – insbesondere aufgrund der relativ stabilen Cashflows und der Dividendenperspektive. Kurzfristig orientierte Investoren hingegen sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass ein beträchtlicher Teil der positiven Erwartungen bereits im Kurs eingepreist ist und Rückschläge, etwa bei Verkehrsstatistiken oder makroökonomischen Indikatoren, durchaus zu spürbaren Korrekturen führen könnten.

Strategisch sinnvoll erscheint für Neuengagements ein gestaffelter Einstieg: Anstatt „auf einen Schlag“ zu investieren, könnten Positionen in Tranchen aufgebaut werden, um von möglichen Kursrücksetzern zu profitieren. Ebenso kann es sich lohnen, die weitere Entwicklung der Analystenkommentare und Unternehmensguidance abzuwarten, insbesondere im Hinblick auf die mittelfristigen Ziele für Umsatz, EBITDA und freien Cashflow.

Unterm Strich bleibt die Getlink SE (Eurotunnel) Aktie ein spannender Titel an der Schnittstelle von Verkehr, Infrastruktur und Energie. Der Tunnel unter dem Ärmelkanal ist ein infrastrukturelles Unikat, das sich nicht einfach kopieren lässt – ein struktureller Vorteil, den der Markt in Form einer gewissen Bewertungsprämie honoriert. Ob diese Prämie in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden kann, hängt maßgeblich davon ab, wie überzeugend es dem Management gelingt, Wachstum, Effizienz und Dekarbonisierungsagenda in stabile Ertrags- und Dividendenzuwächse zu übersetzen.

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