Getlink SE (Eurotunnel), FR0010533075

Getlink (Eurotunnel): Warum die Aktie jetzt auf vielen Watchlists deutscher Anleger landet

19.02.2026 - 10:57:33 | ad-hoc-news.de

Eurotunnel-Betreiber Getlink überrascht mit robusten Zahlen, Dividendenfantasie und Wasserstoffplänen – doch die Aktie hat zuletzt stark geschwankt. Wo stehen Kurs, Bewertung und Chancen jetzt wirklich für Anleger aus Deutschland?

Bottom Line up front: Die Getlink SE, Betreiber des Eurotunnels zwischen Frankreich und Großbritannien, meldet robuste Verkehrszahlen, steigende Gewinne und eine attraktive Dividende – gleichzeitig bleibt die Aktie volatil und sensibel für Konjunktur- und Zinsängste. Für deutsche Anleger eröffnet sich damit eine selten beachtete europäische Infrastrukturstory mit planbaren Cashflows – aber klaren Risiken bei Konjunktur, Regulierung und Pfundkurs.

Was Sie jetzt wissen müssen: Getlink profitiert von wachsendem Güter- und Reiseverkehr, der Normalisierung nach der Pandemie und langfristigen Infrastrukturtrends. Die Frage ist: Reicht das, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen – oder ist der Zug schon abgefahren?

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Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs

Die Getlink-Aktie (ISIN FR0010533075) wird an Euronext Paris gehandelt und ist über gängige Broker auch für Privatanleger in Deutschland problemlos handelbar. In deutschen Finanzportalen wie finanzen.net, onvista oder ariva wird das Papier zunehmend häufiger gesucht – ein Hinweis auf wachsendes Interesse im hiesigen Markt.

In den jüngsten Wochen stand die Aktie im Fokus, weil der Konzern seine aktuellen Verkehrszahlen und Ergebnisse vorgelegt sowie seine Dividendenpolitik bestätigt hat. Parallel schwankt der Kurs spürbar mit den Erwartungen an die europäische Konjunktur und den Zinstrend – Infrastrukturaktien wie Getlink reagieren empfindlich auf die Renditen langfristiger Staatsanleihen.

Zentrale Kurstreiber der letzten Monate:

  • Steigende Passagier- und Gütervolumina nach der Pandemie und nach den Brexit-Verwerfungen.
  • Stabile, wiederkehrende Cashflows aus Konzessionsgeschäft und Mautstrukturen.
  • Dividende und mögliche Rückkäufe als Attraktivitätspunkt für einkommensorientierte Anleger.
  • Strategische Projekte wie ElecLink (Stromkabel durch den Tunnel) sowie Wasserstoff- und Dekarbonisierungsinitiativen.
  • Belastungsfaktoren durch Konjunkturunsicherheit, Pfundschwankungen und politische Risiken rund um UK–EU-Beziehungen.

Zur besseren Einordnung der Investmentstory ein Überblick in Tabellenform:

Aspekt Details (aus öffentlichen Finanzquellen)
Geschäftsmodell Betreiber des Eurotunnels (Shuttle-Züge für Autos/Lkw, Trassenrechte für Eurostar und Güterzüge) + ElecLink-Stromverbindung; langfristige Konzession bis Mitte des Jahrhunderts.
Regionale Exponierung Schwerpunkt Verbindung Frankreich–UK, Einnahmen v.a. in Euro und Britischem Pfund; damit auch Währungsrisiko vs. EUR.
Relevanz für deutsche Anleger Infrastruktur- und Maut-Story in Westeuropa, diversifizierbar zu DAX-Werten; handelbar über gängige deutsche Broker, in manchen europäischen Infrastruktur-ETFs enthalten.
Wesentliche Treiber Passagier- und Lkw-Volumina, Ticketpreise, Energiepreise, Pfundkurs, Regulierung, Kapitalkosten (Zinsniveau).
Investmentcharakter Eher defensiver Infrastrukturwert mit Konjunktursensitivität im Güterverkehr; Dividendentitel mit Wachstumsoptionen (ElecLink, Dekarbonisierung, Wasserstofflogistik).
Risiken Verkehrsrückgang bei Rezession, strengere Regulierung, politische Spannungen UK–EU, Wechselkursrisiko GBP/EUR, hohe Fixkosten.

Makro-Blick: Warum Deutschland bei Getlink mit im Boot sitzt

Auf den ersten Blick wirkt Getlink wie ein rein französisch-britisches Thema. Für deutsche Anleger und die deutsche Wirtschaft ist die Aktie jedoch aus mehreren Gründen relevant:

  • Logistische Kette nach UK: Viele deutsche Industrieunternehmen – insbesondere Automobil-, Chemie- und Maschinenbausektor – exportieren über Frankreich und die Kanäle nach Großbritannien. Der Eurotunnel ist ein zentraler Baustein dieser Lieferkette.
  • Signalwirkung für europäische Infrastrukturwerte: Die Kursentwicklung von Getlink wird von Fondsmanagern häufig gemeinsam mit anderen Maut- und Infrastrukturwerten in Europa betrachtet. Deutsche Investoren nutzen solche Titel gezielt zur Diversifikation gegenüber DAX-Zykliker- und Technologiewerten.
  • Euro und Zinsen: Steigende Renditen europäischer Staatsanleihen drücken tendenziell auf alle hoch verschuldeten Infrastrukturkonzerne. Umgekehrt profitieren Titel wie Getlink von Zinssenkungserwartungen der EZB – ein Thema, das den Gesamtmarkt in Deutschland stark bewegt.

Wachstumstreiber: Verkehr, Energie, Dekarbonisierung

Aus Sicht eines langfristigen Investors aus Deutschland sind insbesondere drei Storylines entscheidend:

  • Normalisierung und Wachstum im Reiseverkehr: Der grenzüberschreitende Reiseverkehr zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien hat sich nach Pandemie und Brexit deutlich erholt. Steigende Tourismuszahlen und Geschäftsreisen stützen die Kapazitätsauslastung.
  • Güterverkehr als Konjunkturbarometer: Der Lkw-Shuttle durch den Tunnel profitiert, wenn Lieferketten laufen und Handel wächst. Deutsche Exportindustrien, die UK beliefern, hängen indirekt mit daran – Schwäche im Auftragseingang in Deutschland könnte mittelfristig auch bei den Lkw-Bewegungen spürbar werden.
  • ElecLink und Energiewende: Das Hochspannungs-Gleichstromkabel durch den Eurotunnel verbindet die Strommärkte Frankreichs und Großbritanniens. Es soll Preisschwankungen glätten und die Integration erneuerbarer Energien unterstützen – ein struktureller Trend, der vom politischen Willen zur Dekarbonisierung getragen wird.

Für deutsche Anleger interessant: Infrastruktur mit quasi-monopolistischer Stellung und zusätzlicher Rolle in der Energiewende ist in vielen Portfolios unterrepräsentiert. Getlink liefert hier eine Nische, die weder ein klassischer Versorger noch ein typischer Verkehrsbetreiber ist.

Bewertung: Ist die Getlink-Aktie für Deutsche noch ein Kauf?

In den letzten Quartalen hat sich die Aktie kräftig vom Corona-Tief erholt. Viele Bewertungskennzahlen liegen inzwischen wieder in einem Bereich, der dem Status eines etablierten Infrastrukturbetreibers entspricht.

Der Markt preist damit ein, dass die Volumina im Tunnel langfristig stabil bleiben oder moderat wachsen und dass die regulatorischen Rahmenbedingungen verlässlich sind. Für deutsche Anleger ist entscheidend, ob diese Annahmen angesichts geopolitischer Spannungen und möglicher Konjunkturschwächen nicht zu optimistisch sind.

Die Aktie ist kein klassischer "High-Growth-Play", sondern eher eine Mischung aus Dividendenwert und Infrastruktur-Basisinvestment. Entsprechend wichtig ist der Einstiegskurs: Wer bei überzogenen Bewertungen kauft, bekommt zwar laufende Ausschüttungen, aber wenig Kursfantasie.

Das sagen die Profis (Kursziele)

Analystenhäuser in Europa beobachten Getlink aufmerksam, weil der Konzern ein Gradmesser für den Verkehr zwischen Kontinentaleuropa und dem Vereinigten Königreich ist. In den jüngsten Research-Updates großer Banken zeigt sich ein gemischtes, aber tendenziell konstruktives Bild:

  • Mehrere Häuser sehen die Aktie als Halteposition mit leichtem Aufwärtspotenzial, begründet mit soliden Cashflows, aber begrenzter Bewertungsfantasie nach der Erholungsrally.
  • Einige Analysten stufen auf "Kaufen", wenn sie stärker an längerfristiges Verkehrswachstum, zusätzliche Erträge aus ElecLink und die Rolle des Tunnels in der Dekarbonisierungsstrategie glauben.
  • Vorsichtige Stimmen heben die Sensitivität gegenüber Konjunktureinbruch, politischen Spannungen mit UK und möglichen regulatorischen Eingriffen hervor – und sehen nur begrenztes Kurspotenzial im Basisfall.

Im Konsens der gängigen Finanzportale ergibt sich mittel- bis langfristig ein moderates Aufwärtspotenzial gegenüber aktuellen Kursniveaus, allerdings ohne das Profil eines klassischen Wachstumswertes. Für deutsche Anleger bedeutet das: Die Story spielt sich eher in Jahren statt in Wochen ab.

Wie deutsche Anleger die Analystenstimmen einordnen sollten

Wer von Deutschland aus in Getlink investiert, sollte die Bankempfehlungen nicht isoliert betrachten, sondern im Kontext des eigenen Portfolios:

  • Defensiv-orientierte Anleger, die bereits in Versorger, Telekom und Infrastruktur-ETFs investiert sind, können Getlink als gezielte Ergänzung mit UK-/Frankreich-Exposure sehen.
  • Wachstumsorientierte Anleger sollten die Erwartungen an Kursgewinne dämpfen und Getlink eher als stabilisierenden Baustein sehen – nicht als Renditeturbo.
  • Dividendenjäger achten vor allem auf Ausschüttungsquote, Schuldenniveau und regulatorische Risiken: Wie sicher ist der Cashflow, wenn Konjunktur oder Politik drehen?

Risiko-Check für Anleger aus Deutschland

Bevor Sie über einen Einstieg nachdenken, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Risikoseite:

  • Währungsrisiko: Ein Teil der Erträge und der Bewertungshistorie hängt am Pfund. Wer ausschließlich in Euro denkt, trägt immer auch Wechselkursschwankungen mit.
  • Politische Risiken: Die Verbindung zwischen EU und UK bleibt politisch sensibel – von Migrations- bis Zollthemen. Regulatorische Entscheidungen können Margen und Volumina beeinflussen.
  • Konjunkturabhängigkeit: Im Güterverkehr ist Getlink ein Spiegel der Realwirtschaft. Einbrechende Industrieproduktion in Deutschland und Europa schlägt über Handelsströme auf die Lkw-Volumina durch.
  • Zinsumfeld: Als kapitalintensiver Infrastrukturbetreiber ist Getlink empfindlich für höhere Finanzierungskosten. Steigen die Zinsen stärker oder länger als erwartet, drückt das auf Unternehmenswert und Bewertung.

Auf der anderen Seite bietet die monopolartige Stellung im Tunnelgeschäft eine Eintrittsbarriere, die nur wenige börsennotierte Unternehmen in dieser Form haben. Für langfristige Investoren aus Deutschland kann das – bei diszipliniertem Einstiegskurs – ein spannender Diversifikationsbaustein sein.

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