Getlink (Eurotunnel): Lohnt der Einstieg nach den frischen Zahlen?
17.02.2026 - 06:17:29 | ad-hoc-news.deBottom Line zuerst: Die Getlink SE, Betreiberin des Eurotunnels zwischen Frankreich und Großbritannien, liefert operativ robuste Zahlen, erhöht die Ausschüttung – doch die Aktie kommt trotz Rückenwind durch steigenden Reiseverkehr kaum vom Fleck. Für deutsche Anleger stellt sich damit die Frage: qualitativ defensiver Infrastrukturtitel mit Dividendenfokus – oder Wachstumsbremse im Depot? Was Sie jetzt wissen müssen...
Getlink profitiert vom wiedererstarkten Reise- und Güterverkehr nach der Pandemie, zugleich drücken höhere Kosten, der schwächelnde britische Konsum und politische Unsicherheiten rund um den Handel zwischen EU und UK auf die Bewertung. Für Investoren im DACH?Raum ist das Papier vor allem als Euro-Infrastrukturwert mit attraktiver Dividendenrendite spannend – aber nicht ohne Risiken.
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Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs
Getlink SE (vormals Eurotunnel) betreibt den Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal, inklusive der Shuttle?Verkehre für Autos und Lkw sowie Trassen für Eurostar?Züge. Das Geschäftsmodell ist hochkapitalintensiv, dafür aber mit langfristig relativ stabilen Cashflows versehen – ein typisches Infrastrukturprofil.
In den jüngsten Quartals- und Jahreszahlen, die unter anderem von Reuters und Bloomberg ausführlich zitiert wurden, zeigt sich ein klares Bild: Verkehrsmengen steigen, Umsatz legt zu, Gewinn und Cashflow sind solide. Gleichzeitig reagiert der Markt erstaunlich verhalten, teils sogar mit leichten Kursrücksetzern nach den Zahlen. Der Grund: Ein Teil des Aufschwungs war bereits eingepreist, und die Erwartungen sind hoch.
Für deutsche Anleger ist wichtig: Die Getlink?Aktie notiert in Euro an Euronext Paris und ist über gängige Broker in Deutschland (z.B. Xetra?Zertifikate, Paris?Direkthandel) leicht zugänglich. Damit ist sie eine interessante Beimischung für Depots, die nicht nur auf DAX?Werte setzen, sondern gezielt auf europäische Infrastruktur mit Dividendenfokus.
| Kenngröße | Aktuelle Tendenz* | Einordnung für Anleger in Deutschland |
|---|---|---|
| Umsatzentwicklung | klar wachsend (mehr Passagiere & Güter) | Spricht für zyklische Erholung und stabile Nachfrage im EU?UK?Verkehr. |
| Profitabilität (EBITDA-Marge) | robust, aber von Kostensteigerungen gebremst | Solide Basis für Dividenden, jedoch begrenzte Margenausweitung kurzfristig. |
| Verschuldung | hoch, aber strukturiert und langfristig | Typisch für Infrastruktur; macht den Wert zinssensitiv, relevant bei EZB?Zinswende. |
| Dividende | attraktiv, zuletzt angehoben | Interessant für Einkommensinvestoren, insbesondere im Vergleich zu Bund?Renditen. |
| Aktienkurs-Reaktion auf jüngste Zahlen | verhalten, teils volatile Ausschläge | Mischung aus Gewinnmitnahmen und Vorsicht gegenüber makroökonomischen Risiken. |
| Liquidität / Handelbarkeit | hoch an Euronext, ordentliche Spreads | Für deutsche Privatanleger gut handelbar, insbesondere über Direktzugang nach Paris. |
*Tendenzen basieren auf den jüngsten veröffentlichten Geschäftsberichten und Kursreaktionen, ausgewertet über u.a. Reuters, Bloomberg, Finanzen.net und Börse Frankfurt.
Die Konjunkturabhängigkeit des Geschäfts ist nicht zu unterschätzen: Bricht der Handel zwischen EU und Großbritannien ein oder schwächt sich der Tourismus deutlich ab, geraten die Verkehrszahlen und damit die Margen unter Druck. Zudem bleibt das britische Pfund ein Risikofaktor, da ein Teil der Erlöse pfundbasiert ist, während die Aktie in Euro notiert.
Auf der positiven Seite steht, dass Getlink mit dem Eurotunnel eine monopolähnliche Stellung besitzt – es gibt schlicht keine zweite Tunnelverbindung. Alternativen wie Fährverbindungen oder Luftfracht sind zwar vorhanden, aber in vielen Fällen weniger effizient. Das schafft Preissetzungsmacht und schützt die Cashflows, was gerade in einem volatilen Marktumfeld interessant ist.
Für Anleger in Deutschland kann die Aktie zudem als diversifizierender Baustein dienen, der kaum mit klassischen DAX?Sektoren wie Chemie, Auto oder Industrie korreliert. Gerade wer stark in deutschen Zyklikern engagiert ist, kann durch europäische Infrastrukturwerte wie Getlink das Risiko breiter streuen.
Beobachtbar ist auch eine gewisse Kopplung an die Stimmungsindikatoren im europäischen Aktienmarkt: Läuft der EuroStoxx 50 oder der DAX schwächer, geraten auch Mid Caps wie Getlink unter Druck, obwohl das Geschäftsmodell defensiver ist. Das eröffnet für langfristig orientierte Investoren antizyklische Einstiegsfenster, wenn der Markt kurzfristig übertreibt.
Das sagen die Profis (Kursziele)
Analystenhäuser wie HSBC, JPMorgan, UBS und französische Banken haben Getlink in ihren Coverage?Listen. Die in den gängigen Finanzportalen (z.B. über Bloomberg, Reuters, Morningstar, Finanzen.net) veröffentlichten Einschätzungen zeichnen ein überwiegend konstruktives Bild mit leicht positivem Bias.
- Rating-Tendenz: Überwiegend "Halten" bis "Kaufen"; nur wenige klare Verkaufsempfehlungen.
- Durchschnittliches Kursziel: liegt moderat über dem aktuellen Kursniveau, was auf ein begrenztes, aber vorhandenes Upside hindeutet.
- Spannweite der Kursziele: konservative Häuser taxieren die Aktie nur leicht über dem Status quo, optimistischere Analysten sehen deutlich mehr Potenzial bei weiter steigenden Verkehrszahlen.
Deutsche Institute, die sich mit europäischen Infrastrukturwerten befassen, verweisen dabei auf folgende Treiber:
- Verkehrstrends: Weitere Normalisierung im Reiseverkehr und robustes Frachtgeschäft werden als Grundlage für stetiges Gewinnwachstum gesehen.
- Zinsumfeld: Mögliche Zinssenkungen der EZB würden die Refinanzierungslast mindern und Infrastrukturtitel strukturell aufwerten.
- Regulatorik & Brexit-Folgen: Ein stabiler politischer Rahmen im EU?UK?Verkehr ist entscheidend für höhere Bewertungen.
Auf Bewertungsbasis wird Getlink häufig mit anderen europäischen Infrastrukturbetreibern und Mautstraßen verglichen. Das KGV liegt in einem Bereich, der weder klar günstig noch überzogen teuer wirkt; in Kombination mit der Dividendenrendite ergibt sich ein Gesamtpaket, das eher den defensiven Dividendenanleger als den kurzfristigen Trader anspricht.
Für deutsche Privatanleger, die starken Fokus auf Ausschüttungen legen – etwa im Rahmen einer Einkommens- oder FIRE?Strategie – kann Getlink damit eine interessante Ergänzung neben klassischen Dividendenwerten wie Versorgern oder Telekoms sein. Wichtig ist jedoch, das Konzentrationsrisiko (ein einziges Asset, der Tunnel) im Auge zu behalten.
Analysten verweisen zudem auf potenzielle zusätzliche Wachstumsquellen, etwa Effizienzgewinne, Preisanpassungen und mögliche neue Services rund um den Tunnelbetrieb. Diese Fantasie ist aktuell nur begrenzt im Kurs eingepreist, könnte bei entsprechenden Ankündigungen aber als Katalysator wirken.
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Fazit für deutsche Anleger: Getlink ist kein Highflyer, aber ein solider Infrastrukturwert mit Dividendencharakter, der vom langfristigen EU?UK?Verkehr profitiert. Wer sich der Zins- und Brexit?Risiken bewusst ist und nicht das schnelle Trading?Gain, sondern stetige Cashflows sucht, findet hier einen spannenden europäischen Baustein jenseits des DAX.


