Gerresheimer Aktie: Ultimatum läuft
05.03.2026 - 00:33:18 | boerse-global.deZwei parallele BaFin-Prüfungen, verschobener Jahresabschluss, Milliarden-Abschreibungen und Klagen von Aktionärsschützern – der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist steckt in der schwersten Bilanzkrise seiner jüngeren Geschichte. Bis zum 31. März muss das Unternehmen liefern, sonst droht weiteres Ungemach.
Doppelprüfung durch die Finanzaufsicht
Die BaFin hat den Druck Ende Februar massiv erhöht. Neben der bereits laufenden Untersuchung des Konzernabschlusses 2024 startete die Behörde eine zweite Prüfung zum Halbjahresbericht 2025. Im Zentrum stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen – eine Abrechnungspraxis, bei der Umsätze vor tatsächlicher Warenauslieferung verbucht werden. Allein im Geschäftsjahr 2024 sollen dadurch 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA nicht korrekt ausgewiesen worden sein.
Zusätzlich haben die Aufseher "konkrete Anhaltspunkte" für weitere Bilanzierungsfehler identifiziert: potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro. Beim Halbjahresbericht 2025 geht es zudem um die Risikoeinschätzung zur Übernahme von Bormioli Pharma.
Prognose zusammengestrichen, Abschreibungen aufgetürmt
Gerresheimer hat die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse 2025 verschoben und eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet. Parallel dazu brach das Management die Gewinnerwartungen ein: Statt einer bereinigten EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0 Prozent stehen nun nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent im Raum. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie droht ein Rückgang "um einen hohen zweistelligen Prozentsatz" – ein Verlust ist nicht ausgeschlossen.
Hinzu kommen Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro für 2025, hauptsächlich bei Sensile Medical in der Schweiz und Gerresheimer Moulded Glass Chicago in den USA. Das Unternehmen betont zwar, dass kein Zahlungsmittelabfluss damit verbunden sei, doch das Signal an den Markt ist verheerend.
Verkäufe zur Schuldenreduzierung
Um die Bilanz zu entlasten, will Gerresheimer strategische Vermögenswerte abstoßen. Die US-Tochter Centor, die hochmargige Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt, steht zum Verkauf. Morgan Stanley soll den Prozess noch 2026 abschließen. Allerdings würde ein Verkauf die ohnehin angeschlagene Margenstruktur weiter verschlechtern, da Centor überdurchschnittlich profitabel ist. Den geplanten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hat das Management hingegen auf Eis gelegt.
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Neue Investoren trotz Krise
Während die Unsicherheit wächst, bewegen sich Investoren: Am 3. März meldete der CastleKnight Master Fund LP eine Beteiligung von 4,08 Prozent, die Schwellenberührung datiert auf den 11. Februar. Auch die Deka Investment GmbH veröffentlichte am 3. März eine Stimmrechtsmitteilung. Offenbar sehen manche Marktteilnehmer im aktuellen Kursniveau eine Turnaround-Chance – trotz aller Risiken.
Aktionärsschützer greifen ein
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) prüft Schadenersatzansprüche und fordert betroffene Anleger auf, sich zu melden. Gerresheimer selbst räumt ein, dass einzelne Mitarbeiter interne Leitlinien und Bilanzierungsvorschriften verletzt haben. Erste personelle und organisatorische Maßnahmen wurden bereits ergriffen, die Aufarbeitung läuft.
31. März als Wendepunkt
Der Abschluss des Jahres- und Konzernabschlusses ist für den 31. März angepeilt. Gelingt dies fristgerecht, könnte es zentrale Aspekte der BaFin-Prüfung adressieren und etwas Vertrauen zurückgewinnen. Scheitert das Unternehmen an diesem Termin, dürfte sich die Krise weiter verschärfen. Die Q1-Mitteilung folgt am 16. April, die Hauptversammlung am 3. Juni 2026.
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