Gerresheimer Aktie: KPMG unter Beschuss
09.04.2026 - 20:37:30 | boerse-global.deDer Bilanzskandal bei dem Verpackungshersteller zieht den nächsten prominenten Akteur in die Verantwortung. Wegen eines uneingeschränkten Testats für fehlerhafte Zahlen ermittelt nun die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS in einem berufsrechtlichen Verfahren gegen KPMG. Währenddessen kämpft das Management an mehreren Fronten gleichzeitig gegen den drohenden Verlust von Kreditlinien.
Systematische Fehler beim Umsatz
Die Vorwürfe der Aufsicht wiegen schwer. KPMG hatte den Jahresabschluss 2024 unbeanstandet durchgewinkt, obwohl systematische Verstöße gegen IFRS-Vorschriften vorlagen. Konkret ging es um sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen: Waren wurden bereits abgerechnet, aber noch gar nicht ausgeliefert. Die Dimension dieser fehlerhaften Buchungen beläuft sich auf 35 Millionen Euro beim Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten operativen Ergebnis (EBITDA). Pikant daran ist der Zeitpunkt, denn KPMG hatte erst kurz zuvor den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst. Nun durchleuchtet Grant Thornton als zweite Instanz die Bücher der Jahre 2024 und 2025.
Anleger quittieren die anhaltende Unsicherheit mit stetigen Abschlägen. Auf Sicht von zwölf Monaten beläuft sich das Minus mittlerweile auf über 70 Prozent, aktuell notiert der Titel bei 17,22 Euro. Angesichts dieses massiven Wertverlusts bringt sich der Aktionärsschutzverband DSW in Stellung. Ein Gutachten soll klären, ob Schadensersatzansprüche gegen Ex-CEO Dietmar Siemssen, Ex-CFO Bernd Metzner sowie den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats durchsetzbar sind.
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Schadensersatz und Liquiditätssuche
Operativ steht das Unternehmen derweil unter enormem Druck. Der fehlende testierte Abschluss hat den Berichtskalender vollständig lahmgelegt und Gerresheimer in einen technischen Verzug bei seinen Kreditgebern manövriert. Um eine Kündigung der Linien abzuwenden, laufen derzeit intensive Verhandlungen über Fristverlängerungen. Gleichzeitig soll der Verkauf der US-Verpackungssparte Centor, die zuletzt mit 292 Millionen Euro in den Büchern stand, frische Liquidität einbringen. Zusätzlich belasten nicht-zahlungswirksame Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro die Bilanz, primär bedingt durch Technologieprojekte der Tochter Sensile Medical und eine geplante Werksschließung in den USA.
Der Juni 2026 rückt damit als entscheidender Termin in den Fokus. Dann muss das Management nicht nur den verschobenen Jahresabschluss 2025 vorlegen, sondern auch die Ergebnisse der laufenden Bankgespräche präsentieren. Erst wenn diese juristischen und finanziellen Baustellen abgeräumt sind, erhält die bestätigte Umsatzprognose von bis zu 2,4 Milliarden Euro wieder ein verlässliches Fundament.
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