Geothermie-Gesetz beschleunigt Deutschlands Tiefenbohrungen
19.04.2026 - 10:22:17 | boerse-global.deEin neues Gesetz ebnet den Weg für Tiefenbohrungen – auch gegen den Willen von Grundstückseigentümern.
Gesetzesreform: „Duldungspflicht“ statt Einverständnis
Der Bundestag hat mit dem Geothermie-Beschleunigungsgesetz (GeoBG) die Regeln für Erkundungsbohrungen grundlegend neu gefasst. Seit Inkrafttreten im ersten Quartal 2026 müssen Projektierer für viele Explorationsvorhaben kein individuelles Einvernehmen mit Grundstückseigentümern mehr einholen. Stattdessen gilt eine allgemeine „Duldungspflicht“. Der Gesetzgeber stuft die tiefe Geothermie als „überragendes öffentliches Interesse“ ein, vergleichbar mit Wind- und Solarenergie.
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Diese Einstufung verändert die Abwägung bei Genehmigungsverfahren entscheidend. Behörden müssen nun innerhalb strikter Fristen entscheiden, was frühere Verzögerungen durch lokale Vetos beendet. Kritik kommt vor allem aus der Wasserwirtschaft. Verbände warnen, der Schutz der Trinkwasserversorgung könne durch die Priorisierung der Bohrungen leiden. Die Bundesregierung hält dagegen: Die beschleunigten Verfahren seien unverzichtbar, um das Ziel von 10 Terawattstunden Geothermie bis 2030 zu erreichen.
Pionierprojekte: NRW und Brandenburg gehen voran
Die neuen Regeln zeigen bereits praktische Wirkung. In Nordrhein-Westphalia startete der Geologische Dienst (GD NRW) Anfang des Jahres eine Forschungsbohrung im Kölner Stadtteil Dellbrück. In 1.000 Metern Tiefe soll die Eignung von Devon-Kalkstein als Wärmespeicher erkundet werden.
Gleichzeitig treibt Potsdam seine Tiefenbohrungen voran. Die Stadtwerke kündigten im Januar neue Bohrungen für dieses Frühjahr an. Sie sind Teil der Strategie, ein altes Gaskraftwerk durch Geothermie zu ersetzen. Erste Daten übertreffen die Erwartungen: Eine bestehende Anlage an der Heinrich-Mann-Allee liefert mit vier Megawatt doppelt so viel Wärme wie zunächst prognostiziert.
Auch Duisburg profitiert vom neuen Rechtsrahmen. Die Stadt erhielt Anfang 2026 eine Landesförderung von 7,46 Millionen Euro, um Ressourcen in 2.000 bis 4.000 Metern Tiefe zu erkunden. Die Koordination mit Behörden – die sogenannte Einvernehmensphase – läuft nun deutlich schneller ab. Die eigentlichen Bohrungen sind allerdings erst für 2028 geplant.
Doppelte Ernte: Lithium aus der Thermalsole
Die Suche nach Wärme wird zunehmend mit der Gewinnung kritischer Rohstoffe verknüpft. Im Oberrheingraben, der Teile von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen umfasst, treiben Konsortien sogenannte „Lionheart“-Projekte voran. Dabei wird Lithium aus der geförderten Thermalsole extrahiert.
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Das Unternehmen Vulcan Energy Resources meldete im Januar 2026, dass eine Bohrung bei Landau höhere Lithiumgehalte und Fließraten als erwartet bestätigt habe. Die Firma plant den Ausbau auf bis zu 28 Bohrungen an sieben Standorten. Diese Integration von Rohstoffgewinnung ist ein zentraler Baustein der EU-Strategie, um unabhängiger von Batterieimporten zu werden.
Das „Graz-Modell“: 35 Millionen Euro für das Risiko
Mit sinkenden rechtlichen Hürden rückt das finanzielle Risikomanagement in den Fokus. Erkundungsbohrungen sind teuer und ihr Erfolg nie garantiert. Ein wegweisendes Abkommen aus Graz könnte hier zum Vorbild werden.
Ende März 2026 einigte sich die österreichische Stadt mit Projektpartnern auf eine Risikoprämie von 35 Millionen Euro für ein großes Geothermie-Vorhaben. Dieses „Graz-Modell“ entlastet die Kommune von Haftungsrisiken in dreistelliger Millionenhöhe und ermöglicht gleichzeitig die Exploration. Deutsche Kommunen prüfen diesen Ansatz nun intensiv, um die Vorgaben des neuen Bundesgesetzes zu erfüllen.
Ausblick: Wird die Tiefe zum neuen Standard?
Das Jahr 2026 wird voraussichtlich einen Schub an Anträgen für Erkundungsbohrungen bringen. Der Erfolg der Pilotprojekte in Köln, Potsdam und am Oberrhein wird entscheidend sein für die Akzeptanz der neuen „Duldungspflicht“. Können sie zeigen, dass sichere Bohrungen in urbanen Gebieten möglich sind, dürfte der Widerstand schwinden.
Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr eine nationale Geothermie-Strategie vorlegen. Sie wird sich voraussichtlich auf die Digitalisierung geologischer Daten und den Ausbau seismischer Messungen konzentrieren. Das Ziel ist klar: Das „Einvernehmen“ für Erkundungsbohrungen soll von einer Hürde zu einem standardisierten Verwaltungsakt werden – und so den Weg für die industrielle Nutzung der Erdwärme ebnen.
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