Geogener Asbest: Die unterschätzte Gefahr in neuen Baustoffen
06.02.2026 - 23:09:12Während die Regeln für Alt-Asbest verschärft wurden, bleibt eine gefährliche Lücke: Natürlich vorkommende Asbestfasern in neuen Natursteinen sind kaum reguliert. Experten schlagen Alarm.
Eine unsichtbare Gefahr im neuen Material
Die Gefahr lauert nicht nur in alten Gebäuden, sondern auch in scheinbar unverdächtigen, neuen Produkten. Geogener Asbest – eine natürliche Verunreinigung in Gestein – kann in importiertem Marmor, Schiefer oder Straßenschotter enthalten sein. Bei der Bearbeitung werden die krebserregenden Fasern freigesetzt. „Die Gesundheitsgefahr ist identisch mit der von technisch hergestelltem Asbest“, warnt Dr. Stefan Pierdzig vom Prüflabor CRB Analyse Service. Betroffen sind edle Küchenplatten ebenso wie alltäglicher Splitt.
Paradoxe Gesetzeslage: Strenge für alt, lasch für neu
Zum Jahreswechsel wurden die Vorschriften für Arbeiten mit Alt-Asbest deutlich verschärft. Für den Umgang mit potenziell belasteten Natursteinen aus aktuellen Lieferungen fehlen jedoch klare Regeln. Das schafft ein gefährliches Paradox: Während die Entsorgung einer alten Asbestzement-Platte unter strengsten Auflagen erfolgt, kann das Schneiden einer neuen Marmorplatte ohne spezifische Schutzmaßnahmen ablaufen. Experten fordern dringend, diese Lücke in der Gefahrstoffverordnung zu schließen.
Viele Arbeitgeber unterschätzen das Risiko geogenen Asbests in neuen Natursteinen und haben keine angepasste Gefährdungsbeurteilung parat. Ein kostenloses Download-Paket bietet praxiserprobte Vorlagen, Checklisten und eine Schritt‑für‑Schritt-Anleitung, mit der Sie rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen erstellen und Dokumentationspflichten gegenüber Aufsichtsbehörden erfüllen. Jetzt GBU-Vorlagen herunterladen
Risiko für Steinmetze und Straßenbauer
Besonders betroffen sind Berufsgruppen, die Gestein bearbeiten: Steinmetze, Straßenbauer und Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus. Beim Fräsen, Sägen oder Brechen können hohe Faserkonzentrationen entstehen. Fachverbände wie der bayerische VGL weisen bereits auf die generelle Asbest-Gefahr auf Baustellen hin. Die Erkenntnis zum geogenen Asbest erweitert das Risikospektrum nun erheblich. Unternehmen sind in der Pflicht, auch neue Materialien in ihre Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen – was in der Praxis oft an mangelnden Informationen scheitert.
Weckruf für mehr Sorgfalt und neue Regeln
Die Debatte fällt in eine Zeit hoher Sensibilität für Asbestfolgen. Während der Fokus auf der Sanierung von Altlasten liegt – schätzungsweise 35 Millionen Tonnen in Deutschland –, rückt nun die „neue, alte“ Gefahr in den Blick. Die Folge könnte eine verschärfte Regulierung sein: Künftig könnten Test- und Deklarationspflichten für mineralische Rohstoffe eingeführt werden. Bis dahin sind Bauherren und Handwerksbetriebe gefordert, bei Materialauswahl und -verarbeitung eine erhöhte Sensibilität an den Tag zu legen. Die unsichtbare Gefahr aus dem Gestein erfordert mehr Aufmerksamkeit.


