Gemeinnütziger, Wohnbau

Gemeinnütziger Wohnbau bricht ein – trotz Vorbildrolle

16.01.2026 - 08:53:12

Der gemeinnützige Wohnbau in Deutschland und Österreich steht vor einem massiven Einbruch der Neubauaktivität, was die ohnehin angespannte Lage am Wohnungsmarkt weiter verschärft.

Der gemeinnützige Wohnbau in Österreich und Deutschland steckt in einer tiefen Krise. Während er als entscheidender Preisdämpfer gilt, drohen die Neubauzahlen einzubrechen – und verschärfen die Wohnungsnot.

Österreichs Erfolgsmodell als Preisbremse

Das österreichische Modell des gemeinnützigen Wohnbaus gilt international als Vorbild. Mit einem Marktanteil von rund 41 Prozent im mehrgeschossigen Wohnbau bilden die gemeinnützigen Bauvereinigungen ein starkes Gegengewicht zum freien Markt. Eine aktuelle WIFO-Studie bestätigt: Investitionen in diesen Sektor wirken nachhaltiger als temporäre Mietpreisbindungen oder reine Wohnbeihilfen. Das Prinzip ist einfach und wirksam: Durch das Kostendeckungsprinzip entsteht dauerhaft leistbarer Wohnraum.

Prognose: Neubauzahlen halbieren sich

  • In Österreich wird für 2025 ein Rückgang der Fertigstellungen auf nur noch 10.000 bis 11.000 Wohnungen erwartet. 2023 waren es noch 15.400.
  • In Baden-Württemberg droht 2026 eine Halbierung: Statt 4.600 (2022) werden nur noch etwa 2.400 gemeinwohlorientierte Wohnungen fertig.

Hohe Baukosten, teure Grundstücke und schwierige Finanzierungen bremsen die Bautätigkeit massiv aus. Die Folge: Der ohnehin große Mangel an bezahlbaren Wohnungen verschärft sich weiter.

Politik unter Druck: “Bund-Länder-Pakt” gefordert

Der Ruf nach politischem Handeln wird lauter. In Deutschland fordert das Bündnis “Soziales Wohnen” diese Woche einen “Bund-Länder-Pakt fürs Wohnen”. Der Bedarf ist enorm: Laut einer Studie fehlen 1,4 Millionen bezahlbare Wohnungen. Nötig wären jährlich 400.000 Neubauten – gebaut werden voraussichtlich nur 200.000.

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Auch in Österreich appellieren Branchenvertreter an die Politik. Sie fordern bessere Rahmenbedingungen, um den Wohnbau wieder anzukurbeln. Ein zentraler Hebel: die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung, damit Gelder sicher in den Neubau fließen.

Ein Stabilitätsanker gerät ins Wanken

Was bedeutet der Einbruch für die Gesellschaft? Der gemeinnützige Wohnbau ist mehr als eine Statistik. Er ist ein Stabilitätsanker für den sozialen Frieden und die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen. Das österreichische System zeigt, dass vergleichsweise geringe öffentliche Ausgaben sehr effizient sein können, wenn sie langfristig in Bestand investiert werden.

Doch jetzt gerät dieser Anker selbst unter Druck. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es gelingt, die Weichen für eine Trendwende zu stellen. Ohne entschlossene Maßnahmen droht die Wohnungsnot, den sozialen Zusammenhalt auf eine harte Probe zu stellen.

@ boerse-global.de