Geely, CES

Geely definiert auf der CES das Auto mit künstlicher Intelligenz neu

07.01.2026 - 14:03:12

Geely stellt auf der CES eine KI-Architektur vor, die Autos menschenähnliches Denken ermöglicht und noch 2026 hochautomatisiertes Fahren der Stufen 3 und 4 in Aussicht stellt.

Geely stellt auf der CES in Las Vegas eine KI-Architektur vor, die Autos zu denkenden Robotern machen soll. Das System soll noch 2026 hochautomatisiertes Fahren ermöglichen.

Der chinesische Automobilriese Geely hat auf der Technologiemesse CES in Las Vegas eine strategische Weichenstellung vollzogen. Statt isolierter Assistenzsysteme präsentierte das Unternehmen eine umfassende KI-Architektur namens „Full-Domain AI 2.0“. Ihr Kern: ein „World Action Model“ (WAM), das Fahrzeugen menschenähnliches Denk- und Entscheidungsvermögen verleihen soll. Begleitet wird die Architektur vom neuen Fahrassistenzsystem „Geely Afari Smart Driving“ (G-ASD), das noch 2026 hochautomatisierte Funktionen der Stufen 3 und 4 ermöglichen will.

Vom „Software-defined“ zum „AI-defined“ Auto

Geelys Ansatz markiert einen Paradigmenwechsel. Bisher setzten Hersteller auf „software-definierte“ Fahrzeuge, bei denen Funktionen per Update nachrüstbar sind. Geely geht einen Schritt weiter und propagiert das „KI-definierte“ Auto. Die neue Architektur bricht die traditionellen Datensilos zwischen Fahrwerk, Antrieb, Cockpit und Fahrsystem auf. Stattdessen entsteht ein zentrales „Fahrzeug-Gehirn“, das alle Domänen ganzheitlich steuert.

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Herzstück ist das World Action Model. Dieses multimodale Großsprachmodell mit über 100 Milliarden Parametern soll die reale Welt simulieren und vorhersagen können. Es durchläuft einen Kreislauf aus Verstehen, Planen, Proben, Beurteilen und Korrigieren. Bevor das Auto handelt, führt es Millisekunden-schnelle Simulationen durch. So soll es soziale Normen verstehen, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer antizipieren und intuitiv agieren – weniger nach starren Regeln, mehr mit gesundem Menschenverstand.

G-ASD: Der Weg zum Roboter-Taxi beginnt 2026

Die praktische Anwendung dieser Architektur ist das neue Fahrassistenzsystem G-ASD, entwickelt von Geelys Tochter Afari Technology. An dieser Firma hält auch Mercedes-Benz 3 Prozent. Das System hat ehrgeizige Ziele: Noch 2026 will Geely, sofern regulatorisch genehmigt, autonomes Fahren der Stufe 3 auf Autobahnen und Stufe-4-Funktionen für niedrige Geschwindigkeiten ausrollen.

Die Stufe-4-Funktionen zielen klar auf Roboter-Taxi-Dienste ab. Das Auto soll dann komplexe Low-Speed-Szenarien meistern, wie das autonome Navigieren durch mehrstöckige Parkhäuser oder einen Tür-zu-Tür-Parkservice. Die Hardware dafür ist überdimensioniert: Die Top-Variante „H9“ nutzt zwei NVIDIA-Drive-Thor-Chips mit einer kombinierten Rechenleistung von 1.400 TOPS. Bis zu fünf LiDAR-Sensoren und zahlreiche HD-Kameras sorgen für 360-Grad-Redundanz.

Eva: Vom Sprachassistenten zum Super-Agenten

Für den Fahrer sichtbar wird die KI vor allem durch die digitale Assistentin „Eva“. Sie hat sich vom simplen Sprachbefehl-Empfänger zum „Fahrzeug-Super-Agenten“ gemausert. Dank dynamischem Gedächtnis und Reasoning-Fähigkeiten kann sie nun komplexe Aufgabenketten eigenständig managen – von der Routenplanung bis zur Terminkoordination des Fahrzeugs. Sie agiert oft ohne Aktivierungswort, führt kontextreiche Gespräche und lernt die Vorlieben des Nutzers stetig dazu.

Die KI optimiert auch versteckte Systeme in Echtzeit. Indem sie Daten vom Fahrzeugbus, dem Cockpit und den Umfeldsensoren vereint, passt sie Millisekunde für Millisekunde Fahrwerksabstimmung, Bremsverhalten und Leistungsausgabe an die Fahrintention und die Straßenverhältnisse an. Erste Modelle wie der Zeekr 9X oder der neue Geely Galaxy M9 sind bereits mit dem System ausgestattet.

Globale Ambitionen und der lange Weg nach Amerika

Der Vorstoß unterstreicht Geelys globale Technologieführungsambitionen zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Nach einem Rekordjahr 2025 mit 3,02 Millionen verkauften Fahrzeugen peilt der Konzern für 2026 3,45 Millionen Einheiten an. Dieses Wachstum will man explizit durch technologische Spitzenstellung erreichen.

Die Beteiligung von Mercedes-Benz an Afari Technology gibt dem Software-Stack zusätzliche Glaubwürdigkeit und weckt Spekulationen über einen künftigen Technologieaustausch zwischen chinesischen und europäischen Herstellern. Die internationale Strategie bleibt jedoch abwartend. Während China und stabile Märkte wie Europa im Fokus liegen, gibt es für Nordamerika nur vage Zeitpläne. Geelys Kommunikationschef Ash Sutcliffe deutete an, dass eine US-Strategie erst in 24 bis 36 Monaten verkündet werden könnte – ein Hinweis auf das behutsame Navigieren in geopolitisch schwierigem Terrain.

Kann Geely seine Zeitpläne einhalten, könnte 2026 das Jahr werden, in dem die Grenze zwischen einem „Auto mit Assistent“ und einem „fahrenden Roboter“ für den Massenmarkt verschwimmt. Die Hardware ist in Top-Modellen bereits verbaut. Jetzt hängt alles an zuverlässigen Over-the-Air-Updates und den regulatorischen Rahmenbedingungen in den Schlüsselmärkten. Der Wettlauf um die autonome Zukunft ist in eine neue, entscheidende Phase getreten.

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