Gallup-Studie: Innere Kündigung treibt Krankenstand auf Rekordhoch
16.03.2026 - 00:48:55 | boerse-global.deDie emotionale Bindung zum Job entscheidet über Krankheitstage. Das zeigt der neue Gallup Engagement Index, der Mitte März 2026 veröffentlicht wurde. Demnach fehlen innerlich gekündigte Mitarbeiter fast doppelt so lange wie emotional gebundene Kollegen. Die Studie liefert einen Schlüssel zum Verständnis der aktuellen Rekord-Fehlzeiten.
Ein Rekord, der Milliarden kostet
Die Lage ist angespannt: Gesundheitsreporte der großen Krankenkassen bestätigen ein anhaltendes Rekordniveau. Der durchschnittliche Krankenstand lag 2025 bei etwa 5,7 Prozent – das sind rund 19,5 Fehltage pro Kopf. Eine Entspannung nach der Pandemie bleibt aus.
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Die wirtschaftlichen Folgen sind massiv. Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert die jährlichen Ausfälle auf bis zu 160 Milliarden Euro. Angesichts dieser Belastung fordern Kassenvertreter wie DAK-Chef Andreas Storm einen nationalen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt. Das deutsche Lohnfortzahlungssystem gerät unter Druck.
Psychische Belastung und der „Energiesparmodus“
Bei den Krankheitsursachen vollzieht sich ein Wandel. Psychische Belastungen verzeichnen den dramatischsten Anstieg; die Fehlzeiten aufgrund mentaler Erschöpfung stiegen zuletzt um fast sieben Prozent.
Genau hier setzt die Gallup-Studie an. Die Forscher fanden heraus, dass 77 Prozent der Beschäftigten nur pflichtgemäß im „Energiesparmodus“ arbeiten. Nur zehn Prozent sind hoch emotional gebunden. Die gesundheitlichen Konsequenzen sind eindeutig: Innerlich gekündigte Mitarbeiter hatten 9,7 Krankheitstage. Stark gebundene Kollegen fehlten nur an 5,6 Tagen. Die innere Kündigung ist ein handfestes Gesundheitsrisiko.
Führungskräfte in der Verantwortung
Die Verantwortung für diesen Zustand sehen Experten in den Chefetagen. „Eine geringe emotionale Bindung ist in erster Linie ein Führungsproblem“, betont Gallup-Studienleiter Marco Nink. Die Qualität der alltäglichen Führung entscheidet über Identifikation und Widerstandsfähigkeit.
Emotionale Bindung gilt längst nicht mehr als Wohlfühlfaktor, sondern als harter Wettbewerbsvorteil. Führungskräfte müssen befähigt werden, psychische Belastungen früh zu erkennen und echte Wertschätzung zu vermitteln. Prävention beginnt nicht beim Betriebsarzt, sondern im täglichen Umgang.
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Gesundheitsmanagement muss ganzheitlich werden
Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) steht vor einem Umbruch. Obstkorb und Fitnessstudio-Abo reichen nicht mehr. Gefordert ist ein ganzheitlicher Ansatz, der tief in Arbeitsstrukturen eingreift: ergonomische Arbeitsplätze, flexible Modelle und stressreduzierte Abläufe.
Besondere Aufmerksamkeit braucht die Generation Z. Sie geht bewusster mit Gesundheit um und meldet sich präventiv häufiger krank. Ein zeitgemäßes BGM muss diese Erwartungen aufgreifen und psychische Erkrankungen enttabuisieren.
Eine gefährliche Abwärtsspirale
In vielen Branchen entsteht eine gefährliche Dynamik: Wo Personal fehlt, steigt der Druck auf die Verbleibenden – was zu neuen Ausfällen führt. Der Ruf nach einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung greift Experten zufolge zu kurz. Die hohen Fehlzeiten spiegeln eine tiefgreifende Erschöpfung mit strukturellen Ursachen wider.
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