Galeria, Standorte

Galeria kämpft um acht Standorte

11.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.de

Der erst kürzlich gerettete Warenhausriese Galeria verhandelt über Mietverträge für acht prominente Standorte. Bei Scheitern drohen Schließungen, was erneut Konflikte mit der Gewerkschaft Verdi auslöst.

Galeria kämpft um acht Standorte - Foto: über boerse-global.de
Galeria kämpft um acht Standorte - Foto: über boerse-global.de

Die Warenhauskette Galeria verhandelt aktiv über die Mietverträge für acht ihrer prominentesten Filialen in Deutschland. Sollten die Gespräche scheitern, droht die Schließung der betroffenen Häuser. Dies markiert ein weiteres turbulentes Kapitel für den erst kürzlich aus der Insolvenz geretteten Einzelhandelsriesen.

Drohende Schließungen in Innenstädten

Im Fokus der Neuverhandlungen stehen hochfrequentierte Lagen in Großstädten. Betroffen sind zwei Filialen in Berlin am Kurfürstendamm und Hermannplatz sowie zwei Häuser in Köln auf der Hohe Straße und Breite Straße. Auch die Filialen am Münchner Rotkreuzplatz sowie in Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg stehen auf der Liste.

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Die Mietverträge für diese Standorte laufen mittelfristig aus, was den aktuellen Verhandlungsdruck erklärt. Galeria betont den Willen, die Präsenz in den Städten zu halten. „Wir setzen uns mit aller Kraft für den Erhalt der Standorte ein“, erklärt Philipp Kretzer, Vertriebsvorstand des Unternehmens. Eine wirtschaftlich tragfähige Basis sei jedoch zwingend notwendig.

Für den Fall von Schließungen kündigte der Vorstand bereits vorsorglich Gespräche über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan an. Ein Zeitplan für die finalen Entscheidungen wurde nicht genannt.

Verdi kritisiert neue Eigentümer scharf

Die Ankündigung stieß bei der Gewerkschaft Verdi auf scharfe Kritik. Sie entzündete erneut den Konflikt zwischen Belegschaft und den neuen Eigentürmern um den Unternehmer Bernd Beetz.

Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer zeigte sich „zutiefst enttäuscht“ von der Strategie. Man habe sich von den neuen Eigentümern mehr als unerfüllte Versprechungen erwartet. Mehrere Standorte litten unter Investitionsstau und Vernachlässigung. Die Gewerkschaft fordert, dass die Eigentümer notwendiges Kapital in das Unternehmen stecken und mehr Verantwortung für die Zukunft der rund 12.000 Mitarbeiter übernehmen.

Für die Belegschaft bedeutet die Drohung neuer Schließungen eine Fortsetzung jahrelanger Verunsicherung nach mehreren Restrukturierungen und Filialschließungen.

Hintergrund: Die dritte Rettung in vier Jahren

Die aktuellen Mietstreitigkeiten sind vor dem Hintergrund einer extrem volatilen Finanzgeschichte zu sehen. Anfang 2024 musste Galeria zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz anmelden. Auslöser waren der Kollaps des früheren Eigentümers Signa Group und überhöhte Mietverpflichtungen.

Nach einer radikalen Restrukturierung durch Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus – mit neun geschlossenen Warenhäusern – übernahm ein Konsortium aus der US-Investmentfirma NRDC Equity Partners und Beetz‘ BB Kapital SA die Kette.

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Die neuen Eigentümer setzten ein striktes Ziel: Die Mietkosten sollten nur noch sieben bis elf Prozent des Umsatzes ausmachen, um jede Filiale profitabel zu machen. Ende 2025 meldete das Unternehmen erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder ein operatives Ergebnis. Die aktuellen Verhandlungen zeigen jedoch, dass einzelne Standorte diese harte Vorgabe noch nicht erfüllen.

Symptom einer Branchenkrise

Galeria Kampf mit den Mietkosten ist symptomatisch für die deutsche Einzelhandelslandschaft. Eine explosive Mischung aus gestiegenen Energie- und Personalkosten bei stagnierendem Konsum führt zu einer Schließungswelle.

Das klassische Kaufhaus der Mittelklasse ist in diesem Umfeld besonders verwundbar. Während Discounter und Luxusboutiquen ihre Position halten können, werden mittelpreisige Anbieter aus den besten Lagen verdrängt. Die mögliche Schließung großer Galeria-Häuser in zentralen Lagen wie dem Berliner Ku’damm stellt Stadtplaner vor enorme Herausforderungen. Diese Kaufhäuser sind wichtige Ankermieter, die Kundenströme für umliegende Geschäfte generieren.

Kommt es zu Leerständen, finden sich selten einzelne Nachmieter für die riesigen Flächen. In Städten wie Berlin oder Köln werden ehemalige Kaufhäuser zunehmend zu gemischt genutzten Immobilien mit Büros, Wohnungen und kleinerem Einzelhandel umgewidmet. Diese langwierigen Prozesse lassen Innenstadtlagen jedoch oft Jahre leer stehen. Kommunen beobachten die Galeria-Verhandlungen daher mit großer Sorge.

Was kommt jetzt?

Die kommenden Wochen sind entscheidend für die acht Standorte. Das Ergebnis wird ein Indikator für den gesamten Gewerbeimmobilienmarkt in deutschen Innenstädten sein. Vermieter stehen vor der Wahl: deutlich reduzierte Mieteinnahmen akzeptieren oder riesige, schwer zu vermietende Leerstände riskieren.

Die öffentliche Drohung mit Schließungen zeigt die strikte Gewinnorientierung der neuen Eigentümer. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Schließungen bei verweigerter Mietreduzierung vollzogen werden. Zugleich testen die Verhandlungen den Einfluss der Gewerkschaft unter der neuen Eigentümerstruktur und setzen einen Präzedenzfall für den künftigen Umgang mit Herausforderungen.

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