FTSE, Starmer

FTSE 100: Starmer geht, London steigt

22.06.2026 - 21:00:02 | boerse-global.de

Der Londoner Leitindex FTSE 100 profitiert von politischen Entwicklungen und fallenden Ölpreisen. Finanz- und Minenwerte treiben den Markt an.

FTSE 100: Starmers Rücktritt und Ölpreise beflügeln London
FTSE - Londoner Skyline bei Sonnenuntergang mit Houses of Parliament, Big Ben und River Thames, symbolisiert durch eine aufsteigende Linie. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Politische Erschütterung, sinkende Ölpreise und ein Hauch Nahostdiplomatie — der Montag lieferte dem Londoner Markt ein ungewöhnliches Gemisch. Das Ergebnis: Der FTSE 100 schloss mit einem Plus von 0,72 Prozent auf 10.437,85 Punkte, deutlich stärker als die meisten europäischen Pendants.

Starmer tritt ab — Märkte reagieren gelassen

Der Rücktritt von Premierminister Keir Starmer als Labour-Parteichef dominierte die politische Schlagzeile des Tages. Er beugte sich damit dem seit Monaten wachsenden Druck aus den eigenen Reihen. Als Regierungschef will er bis zur Wahl eines Nachfolgers im Amt bleiben. An der Börse hielt sich die Nervosität in Grenzen — Investoren schienen die Nachricht eher als Erleichterung denn als Risiko zu werten.

Banken und Miner als Zugpferde

Besonders gefragt waren Finanzwerte. NatWest, Barclays und Lloyds legten jeweils knapp vier Prozent zu. HSBC und Standard Chartered folgten mit moderateren Gewinnen. Der Minenbereich zog ebenfalls mit, Rio Tinto gehörte zu den festen Titeln.

Breite Unterstützung kam auch aus dem Reise-, Einzelhandels- und Immobilienbereich. Whitbread, Marks & Spencer, Persimmon und Barratt Redrow verbuchten Aufschläge zwischen zwei und dreieinhalb Prozent.

Auf der Verliererseite fiel Babcock International mit einem Minus von knapp sechs Prozent auf. Der Rüstungs- und Luftfahrtkonzern meldete für das Geschäftsjahr 2026 einen deutlichen Gewinnrückgang: Der Vorsteuergewinn sank auf 283,7 Millionen Pfund, nach 329,1 Millionen Pfund im Vorjahr. JD Sports Fashion, Burberry und BAE Systems verloren zwischen einem und drei Prozent.

Öl und Iran als Rückenwind

Der eigentliche Kurstreiber war globaler Natur. Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran drückten die Ölpreise und nährten die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten. Das entlastete die Inflationserwartungen und stützte risikobehaftetere Anlagen — ein Effekt, der sich quer durch Europa zog, in London aber am stärksten entfaltete. Der EuroStoxx 50 gewann zum Vergleich lediglich 0,29 Prozent.

Wie nachhaltig diese Stimmung ist, hängt wesentlich davon ab, ob den diplomatischen Signalen konkrete Ergebnisse folgen. Auf den zahlreichen Nebenkriegsschauplätzen der Region bleibt das Eskalationspotenzial hoch — und damit auch das Rückschlagrisiko für die aktuelle Erholung.

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