FTSE 100: Inflation, Zinsen, Iran-Deal
17.06.2026 - 13:08:18 | boerse-global.de
Britische Verbraucherpreise kühler als erwartet, ein Iran-US-Friedensabkommen in Sichtweite und die Bank of England vor ihrer nächsten Zinsentscheidung — der FTSE 100 bewegt sich an diesem Mittwoch im Spannungsfeld mehrerer großer Themen, findet dabei jedoch kaum eine klare Richtung.
Inflationsdaten geben leichte Entlastung
Die britischen Verbraucherpreise stiegen im Mai mit 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr — exakt so stark wie im April und damit unter der Prognose von 3,0 Prozent. Auch die Kerninflation fiel mit 2,6 Prozent leicht unter die erwarteten 2,7 Prozent. Kein Aufatmen ohne Vorbehalt: Die Erzeuger-Inputpreise zogen auf 8,7 Prozent an, den höchsten Stand seit Februar 2023. Das zeigt, dass der Inflationsdruck in der Lieferkette vorerst anhält.
Für die Bank of England, die am Donnerstag ihre Zinsentscheidung verkündet, ändern die Zahlen voraussichtlich wenig. Marktbeobachter gehen fest davon aus, dass die BoE den Leitzins bei 3,75 Prozent belässt — dem niedrigsten Niveau seit Juni 2023, nachdem die Notenbank im zweiten Halbjahr 2025 zweimal um je 25 Basispunkte gesenkt hatte.
Barclays hebt FTSE-Ziel an
Barclays reagierte derweil auf den erwarteten Geopolitik-Schwenk: Die Bank erhöhte ihr Kursziel für den FTSE 100 auf 10.900 Punkte. Begründung ist die Bewertungsentlastung durch sinkende geopolitische Risikoprämien, auch wenn die Gewinnprognosen für den Index unverändert blieben. Innerhalb Europas stuft Barclays allerdings den Euroraum höher ein als das Vereinigte Königreich — die energielastige Zusammensetzung des FTSE 100 sei in einem Umfeld nachlassender Ölpreise weniger attraktiv.
Das spiegelt sich in der Tagesperformance wider. Weir Group, Barclays und Spirax Group führen die Gewinnerliste mit Aufschlägen zwischen rund 1,7 und 3 Prozent an. Verlierer sind dagegen British American Tobacco mit minus 2,1 Prozent sowie Entain, Rio Tinto und BT Group, die jeweils über 1,5 Prozent verloren.
Am Freitag soll das Iran-US-Abkommen unterzeichnet werden, das einen 60-tägigen Verhandlungsrahmen für eine finale Einigung öffnet und den Seeweg durch die Straße von Hormus absichern würde. Brent-Rohöl hat bereits deutlich reagiert. Für den energiegewichteten FTSE 100 bedeutet das ein zweischneidiges Bild: weniger geopolitisches Risiko, aber auch weniger Rückenwind aus dem Ölsektor. Wie stark dieser Effekt die zweite Jahreshälfte prägt, dürfte die Richtung des Index bis Jahresende wesentlich mitbestimmen.
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