Fraunhofer-Studie, Arbeitstag

Fraunhofer-Studie warnt vor dem unendlichen Arbeitstag im Homeoffice

27.02.2026 - 01:09:25 | boerse-global.de

Eine große Studie zeigt, dass die Produktivität im Homeoffice ab einem Anteil von 60 Prozent sinkt und warnt vor psychischen Belastungen durch ständige Erreichbarkeit.

Die Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen für viele Homeoffice-Arbeiter. Eine neue Studie des Fraunhofer IAO und der Techniker Krankenkasse zeigt die Schattenseiten der Flexibilität: ständige Erreichbarkeit und ein gefährlicher Produktivitäts-Kipppunkt.

Produktivität steigt – bis zur 60-Prozent-Marke

Die Untersuchung von rund 11.000 Beschäftigten über zwei Jahre liefert klare Zahlen. Bei konzentrierten Einzelaufgaben kann die Produktivität im Homeoffice um bis zu 20 Prozent steigen. Doch dieser Vorteil hat eine Grenze. Überschreitet der Homeoffice-Anteil 60 Prozent, sinkt die Leistung wieder. Die Forscher machen fehlende soziale und fachliche Interaktionen dafür verantwortlich.

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Damit bestätigt die Studie, was viele spüren: Reines Homeoffice ist kein Allheilmittel. Die Mischung macht's.

Wenn die Couch zum Büro wird

Die größte psychische Herausforderung heißt Entgrenzung. Ohne physische Trennung durch Arbeitsweg und Büro fällt das Abschalten schwer. Die ständige Verfügrabarkeit via Smartphone und Collaboration-Tools erzeugt ein Gefühl permanenter Verpflichtung.

Die Folgen sind bekannt: gesteigertes Stresslevel, Schlafstörungen und ein erhöhtes Burnout-Risiko. Selbst das Beantworten einer späten E-Mail unterbricht notwendige Erholungsphasen. Wie gut die Abgrenzung gelingt, hängt laut Studie maßgeblich von Familiensituation und Wohnverhältnissen ab.

Deutschland hinkt beim "Recht auf Abschalten" hinterher

Während Länder wie Frankreich gesetzliche Regelungen zur Nichterreichbarkeit nach Feierabend haben, fehlen diese in Deutschland. Gewerkschaften und Parteien fordern ein "Recht auf Abschalten", doch eine konkrete Umsetzung steht aus.

Die Debatte um eine Reform des veralteten Arbeitszeitgesetzes von 1994 wird lauter. Seine starren Regeln passen oft nicht zur flexiblen Realität mobiler Arbeit. Sollte der Gesetzgeber auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umstellen? Die Studie erhöht den Druck, moderne Rahmenbedingungen zu schaffen.

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So entkommen Sie der Verfügbarkeitsfalle

Gegen den "Infinite Working Day" müssen Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen aktiv werden.

Für Unternehmen ist eine klare Führungskultur entscheidend. Dazu gehören festgelegte Kernarbeitszeiten, klare Erreichbarkeitsregeln und Vorbilder in der Führungsetage, die nach Feierabend keine Mails mehr schreiben. Finanzielle Unterstützung für einen ergonomischen Heimarbeitsplatz kann zudem physische Belastungen mindern.

Mitarbeiter müssen ihre Grenzen proaktiv schützen. Experten raten zu festen Routinen mit definierten Anfangs- und Endzeiten. Eine räumliche Trennung – sei es nur eine bestimmte Ecke – schafft psychologische Distanz. Digitale Feierabend-Rituale wie das Ausschalten des Laptops helfen beim mentalen Abschalten.

Hybrid ist die Zukunft – aber ausgewogen

Die Zukunft der Arbeit wird hybrid sein. Die vollständige Rückkehr ins Büro ist ebenso unrealistisch wie reines Homeoffice. Die Studie unterstreicht: Die Balance ist der Schlüssel.

Präsenzzeiten werden künftig gezielt für Teamkultur und kreativen Austausch genutzt. Unternehmen müssen ihre Richtlinien weiterentwickeln, um Produktivität und Wohlbefinden zu sichern. Langfristig wird der Erfolg davon abhängen, ob der Feierabend wieder ein geschützter Teil des Tages wird.

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