Frankreich verschärft Verpackungsregeln für Exporteure
05.01.2026 - 13:00:12Ab 2026 müssen auch Industrieverpackungen für den französischen Markt lizenziert und recycelt werden – eine doppelte Belastung für internationale Händler.
Für Exporteure nach Frankreich beginnt das neue Jahr mit verschärften Pflichten. Seit dem 1. Januar 2026 gilt die Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) nun auch vollumfänglich für gewerbliche Transportverpackungen. Das bedeutet: Wer Waren nach Frankreich liefert, muss auch für Paletten, Folien und Kartonagen die Entsorgungskosten tragen und sich bei einer französischen Rücknahmestelle registrieren. Parallel verschärfen sich die Zollformalitäten. Branchenbeobachter warnen vor Betriebsstörungen für unvorbereitete Unternehmen.
Die größte Neuerung betrifft den B2B-Bereich. Bislang lag der Fokus der französischen Anti-Abfall-Gesetzgebung (Loi AGEC) auf Haushaltsverpackungen. Jetzt müssen Unternehmen detailliert über alle Industrieverpackungen (Emballages Industriels et Commerciaux – EIC) Rechenschaft ablegen. Dazu zählen bisher oft ignorierte Logistikkomponenten wie Paletten, Stretchfolien und Umkartons.
Das Prinzip ist einfach, aber folgenreich: Der Inverkehrbringer der Ware ist verantwortlich. Diese Pflicht gilt unabhängig davon, ob der Empfänger ein Endverbraucher oder ein Geschäftskunde ist. Viele ausländische Exporteure gingen fälschlicherweise davon aus, dass mit der Lizenzierung der Verkaufsverpackung alle Pflichten erfüllt seien. Diese Lücke ist nun geschlossen.
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Unternehmen müssen sich einem französischen Rücknahmesystem wie Citeo oder Léko anschließen oder ein eigenes, genehmigtes System aufbauen. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder und im Extremfall ein Vertriebsverbot.
Fristen und finanzielle Anreize
Mit dem Jahreswechsel laufen kritische Fristen. So muss die Registrierung für das laufende Jahr bis zum 28. Februar 2026 finalisiert sein. Wer diesen Termin verpasst, riskiert rückwirkende Sanktionen.
Zugleich startete ein neues Bonus-Malus-System. Es belohnt den Einsatz von recyceltem Kunststoff in Verpackungen mit Gebührennachlässen. Besonders hoch sind die Boni für schwer recycelbare Materialien, die zurück in den Kreislauf geführt werden. Verpackungen, die das Recycling durch Störstoffe behindern, werden dagegen mit Zuschlägen belegt. Diese „Öko-Modulation“ soll das Eco-Design nachhaltiger Verpackungen vorantreiben.
Doppelter Verwaltungsaufwand an der Grenze
Die EPR-Verschärfung ist nicht die einzige Hürde. Seit dem 1. Januar gelten auch strengere Regeln für die umsatzsteuerliche Vertretung von Nicht-EU-Unternehmen. Das vereinfachte Verfahren für Importe („Regime 42“) wurde massiv eingeschränkt.
Für Exporteure entsteht so eine doppelte Compliance-Last: Sie müssen nicht nur ihre Verpackungsströme lückenlos dokumentieren, sondern auch ihre steuerliche Registrierung in Frankreich überprüfen. Besonders für mittelständische Unternehmen aus Drittstaaten und EU-Händler mit komplexen Lieferketten könnten sich Lieferverzögerungen an Grenzen und in Logistikzentren häufen.
Vorbote für die gesamte EU
Die französischen Maßnahmen sind kein Einzelfall, sondern gelten als Vorreiter für die gesamte Europäische Union. Die geplante EU-Verpackungsverordnung (PPWR) dürfte ähnliche Standards flächendeckend einführen.
Experten raten Exporteuren zu drei Sofortmaßnahmen:
1. Bestandsaufnahme: Alle nach Frankreich gelangenden Transportverpackungen identifizieren und erfassen.
2. Klärung der Verantwortung: Vertraglich regeln, ob Spediteur oder Versender die EPR-Pflicht für Leergut trägt.
3. Kostenanpassung: Die neuen Entsorgungskosten und möglichen Malus-Zahlungen in die Preiskalkulation einbeziehen.
Das Jahr der Durchsetzung beginnt
Beobachter rechnen zwar mit einer kurzen Phase der Einführungskontrolle, raten aber dringend zur sofortigen Umsetzung. Der politische Druck für mehr Abfallvermeidung in Frankreich ist hoch. Die Schonfrist ist vorbei; ab jetzt zählt die tatsächliche Einhaltung der Vorschriften. Unternehmen, die ihre Registrierung noch nicht abgeschlossen haben, müssen jetzt handeln, um ihren Zugang zu einem der wichtigsten europäischen Märkte nicht zu gefährden.
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