Frankreich verbannt Microsoft Teams aus der Verwaltung
06.02.2026 - 18:52:12Frankreich schickt Microsoft Teams und Zoom in Rente. Bis 2027 müssen alle Ministerien auf die heimische Open-Source-Lösung Visio umsteigen – ein Paukenschlag für Europas digitale Souveränität.
Ein strategischer Schlag für die Tech-Unabhängigkeit
Die Ankündigung von Staatssekretär David Amiel ist weit mehr als ein Softwarewechsel. Sie ist die konsequente Umsetzung einer langjährigen Strategie: Die Abhängigkeit von US-Tech-Giganten in der kritischen Infrastruktur zu beenden. Rund 2,5 Millionen Beamte sind von dem Dekret betroffen. Lizenzen für Microsoft Teams, Google Meet und Webex werden nicht mehr verlängert.
Hintergrund sind massive Sicherheitsbedenken. Das französische Innenministerium fürchtet ausländische Überwachung und den Zugriff auf Daten durch Gesetze wie den US Cloud Act. „Es geht um die Kontrolle über unsere eigenen Kommunikationen und sensiblen Informationen“, so ein Regierungsvertreter. Die Botschaft ist klar: Digitale Souveränität ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
„Visio“: Die heimische Antwort auf Zoom & Co.
Das Herzstück der Offensive heißt Visio – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Microsoft-Software. Die Videokonferenz-Lösung wurde von der staatlichen Digitalagentur DINUM entwickelt und ist seit einem Jahr im Pilotbetrieb. 40.000 Nutzer in verschiedenen Ministerien testeten sie bereits.
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Die Plattform setzt auf Sicherheit und lokale Technologie:
* Souveräne Cloud: Gehostet wird sie bei Outscale, einer Tochter des französischen Luftfahrtkonzerns Dassault Systèmes. Alle Daten verbleiben auf nationalem Boden.
* Französische KI: Funktionen wie automatische Transkription oder Sprechererkennung stammen von heimischen Start-ups wie Pyannote und dem KI-Forschungsinstitut Kyutai.
* Open Source: Der Quellcode ist offen, was Transparenz und Unabhängigkeit von einem einzelnen Anbieter garantieren soll.
Visio ist Teil der „Suite Numérique“, einer ganzen Palette staatlicher Software. Langfristig sollen auch E-Mail-Dienste wie Gmail oder Messenger wie Slack ersetzt werden.
Ein europäischer Trend mit Signalwirkung
Frankreich steht mit seinem Schritt nicht allein da. In Europa wächst der Druck, die digitale Hoheit zurückzugewinnen.
* In Deutschland migriert das Land Schleswig-Holstein zehntausende Verwaltungsrechner zu Open-Source-Alternativen.
* Das österreichische Militär setzt bereits auf freie Bürosoftware.
* Projekte wie Gaia-X, eine europäische Cloud-Initiative, werden von Berlin und Paris gemeinsam vorangetrieben.
Für US-Konzerne bedeutet dies eine ernste Herausforderung. Der lukrative europäische Public Sector könnte schrumpfen. Analysten rechnen damit, dass Anbieter wie Microsoft oder Google nun unter Druck geraten, strengere lokale Datenschutzmodelle anzubieten oder Partnerschaften mit europäischen Cloud-Anbietern einzugehen.
Wirtschaftlicher Hebel und Blaupause für die EU
Die Rechnung geht für Frankreich auch wirtschaftlich auf. Die Regierung schätzt, dass sie pro 100.000 Nutzer rund eine Million Euro jährlich an Lizenzgebühren sparen kann. Gleichzeitig fließen öffentliche Gelder in die heimische Tech-Branche und stimulieren Innovation.
Sollte die flächendeckende Einführung von Visio bis 2027 gelingen, würde sie zur Blaupause für andere EU-Staaten. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob eine staatliche Alternative die Benutzerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit der etablierten Marktführer erreichen kann. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die Dominanz von Big Tech.
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