Frankfurt Schluss: Verluste - Ölpreisanstieg und Leitzinserhöhung
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 18:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAls Belastung hinzu kam ein erneuter Preissprung beim Rohöl, was ebenfalls die Sorge vor anhaltend hohen Verbraucherpreisen schürte.
Der Dax DE0008469008 gab letztlich am Tagestief um 0,84 Prozent auf 25.361,15 Punkte nach. Der MDax DE0008467416 der mittelgroßen Werte fiel um 1,50 Prozent auf 31.596,42 Punkte.
Die Europäische Zentralbank stemmt sich mit der Zinserhöhung gegen die infolge des Iran-Kriegs gestiegene Inflation. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins steigt von 2,25 auf 2,5 Prozent, wie die Notenbank nach einer auswärtigen Sitzung in Berlin mitteilte. Zudem erhöhte die EZB ihre Inflationsprognosen für die kommenden beiden Jahre.
"Die Leitzinsen müssen steigen, weil sich die Inflation als hartnäckiger erweist als erwartet", schrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts am Persischen Golf blieben die Energiepreise hoch. "Die EZB ist dabei in einer undankbaren Lage, denn höhere Zinsen belasten eine ohnehin nicht gerade kräftige Konjunktur." Die Abwehr von Inflationsgefahren wiege jedoch stärker.
Am Kapitalmarkt hat man sich Kater zufolge darauf eingestellt, dass die Inflationsgefahren nicht so leicht verschwinden. Daher seien alle Kapitalmarktzinsen in letzter Zeit gestiegen. Obwohl die Zinsen im kommenden Jahr wieder etwas nachgeben könnten, wird es laut dem Experten wohl nicht wieder so weit heruntergehen wie in den vergangenen Jahren.
Höhere Zinsen sind tendenziell eine Belastung für die Aktienmärkte. Sie erhöhen die Finanzierungskosten von Unternehmen und können so die Gewinne schmälern. Zudem verteuern sie Investitionen und machen Anleihen als alternatives Investment attraktiver.
Am Ölmarkt sind die Anleger neben der sich verschärfenden Lage im Iran-Krieg auch wegen der Situation im Jemen beunruhigt. Die Huthi-Miliz hat nach Angaben aus jemenitischen Militärkreisen und Augenzeugenberichten die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka an der Westküste des Landes eingenommen. Damit rückt die vom Iran unterstützte Miliz noch näher an die Meerenge Bab al-Mandab heran, einen der wichtigsten Engpässe für den internationalen Schiffsverkehr.
Angesichts der aktuell hohen Preise für Rohöl, das als Schmiermittel der Weltwirtschaft gilt, fürchten die Anleger zudem eine konjunkturelle Abschwächung. Dies spiegelte sich an den Rohstoffmärkten in deutlich sinkenden Preisen für unter anderem Kupfer, Silber und Platin wider. Am deutschen Aktienmarkt litten darunter die Aktien des Kupferkonzerns Aurubis DE0006766504, die um 5,3 Prozent fielen. Die Anteilsscheine des Stahlherstellers Salzgitter DE0006202005, der an Aurubis beteiligt ist, sackten um 7,3 Prozent ab.
Am MDax-Ende knickten die Papiere von Bilfinger DE0005909006 um 7,5 Prozent ein. Analyst Andreas Wolf von der Berenberg Bank erklärte, dass der Industriedienstleister sich im zweiten Halbjahr bei der Profitabilität merklich strecken müsse, um die Jahresziele noch zu erreichen.
Schlusslicht im Dax waren die Aktien von Hochtief DE0006070006, die unter Gewinnmitnahmen litten und mehr als 6 Prozent einbüßten. Sie weisen aber seit Jahresbeginn gerechnet immer noch ein Plus von gut 21 Prozent auf. Hochtief gilt als Profiteur des Booms rund um Künstliche Intelligenz, weil der Konzern Rechenzentren für große Technologieunternehmen baut.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 fiel um 0,67 Prozent auf 6.268,97 Punkte. Außerhalb der Eurozone gaben der britische FTSE 100 GB0001383545 und der Schweizer Leitindex SMI CH0009980894 etwas weniger deutlich nach. In New York verlor der Dow Jones Industrial US2605661048 zum europäischen Handelsschluss 0,5 Prozent./la/nas
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
