Finanzamt, Großoffensive

Finanzamt startet Großoffensive gegen Steuerhinterziehung

06.01.2026 - 12:14:12

Finanzbehörden führen bundesweite, unangekündigte Prüfungen in Gastronomie und Handel durch. Digitale Analyse-Tools und Fokus auf korrekte Mehrwertsteuer-Trennung erhöhen den Druck auf Betriebe.

Die deutschen Finanzbehörden haben eine bundesweite Offensive gegen Steuerbetrug in bargeldintensiven Branchen gestartet. Ab sofort fluten unangekündigte Kassen-Nachschauen Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe. Diese koordinierte Aktion beantwortet scharfe Kritik an zu laschen Kontrollen.

Unangekündigte Besuche zum Jahresauftakt

Während viele Betriebe nach den Feiertagen wieder öffneten, bekamen sie unerwarteten Besuch. Steuerprüfer sind seit dieser Woche zeitgleich in zahlreichen Bundesländern im Einsatz. Im Gegensatz zur regulären Außenprüfung erfolgt die Kassen-Nachschau ohne Vorwarnung. Beamte dürfen während der Geschäftszeiten die Kassenführung und Aufzeichnungssysteme direkt überprüfen.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Aktion ist eine direkte Reaktion auf den Bundesrechnungshof. Diesem war die Kontrolldichte in der Vergangenheit viel zu niedrig, um Steuerbetrug wirksam zu verhindern. Die aktuelle Offensive soll die statistische Wahrscheinlichkeit, kontrolliert zu werden, deutlich erhöhen und abschreckend wirken.

Gastronomie im Fokus des ermäßigten Steuersatzes

Ein Hauptziel der Kontrollen ist die Gastronomie. Seit 1. Januar 2026 gilt dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für Speisen. Doch diese Erleichterung hat einen Preis: verschärfte Kontrollen.

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Viele Gastronomen unterschätzen die Fallstricke beim neuen 7‑Prozent‑Mehrwertsteuersatz – falsche Trennung von Speisen und Getränken oder unvollständige Kasseneinträge führen schnell zu Nachforderungen und einer anschließenden Außenprüfung. Ein kostenloser Umsatzsteuer‑Ratgeber erklärt praxisnah, wie Sie Speisen und Getränke korrekt im Kassensystem erfassen, Voranmeldungen fehlerfrei erstellen und Prüfungsrisiken deutlich reduzieren. Mit konkreten Checklisten und Beispielen für Kassensysteme. Jetzt kostenlosen Umsatzsteuer-Ratgeber sichern

Die Prüfer achten penibel auf die korrekte Trennung der Umsätze. Speisen (7 Prozent) und Getränke (19 Prozent) müssen im Kassensystem sauber getrennt erfasst werden. Die dauerhafte Wiedereinführung des ermäßigten Satzes schafft nämlich einen finanziellen Anreiz für Manipulation. Die Finanzverwaltung will von Anfang an sicherstellen, dass keine hochbesteuerten Posten als niedrigbesteuerte verbucht werden.

Zudem wird die Funktionsfähigkeit des Technischen Sicherheitselements (TSE) mit null Toleranz überprüft. Bei der Kassen-Nachschau können die Beamten sofortigen Zugang zu den TSE-Daten und der standardisierten Schnittstelle (DSFinV-K) verlangen, um die Datenintegrität vor Ort zu prüfen.

Digitale Schlagkraft: Software entlarvt Unregelmäßigkeiten

Die Kontrollwelle 2026 ist nicht nur größer, sondern auch technisch hochgerüstet. Die Prüfer setzen flächendeckend Analyse-Software wie „AmadeusVerify“ ein. Diese Tools ermöglichen einen sofortigen Kassensturz und vergleichen den physischen Kassenbestand in Echtzeit mit den digitalen Aufzeichnungen.

„Die Tage manueller Buchprüfungen sind vorbei“, sagt ein Steuerexperte. „Die Prüfer schließen sich an die Schnittstelle an und automatisierte Skripte zeigen sofort Lücken in Belegnummernfolgen oder verdächtige Stornomuster an.“

Für Betriebe bedeutet das: Sie können ihre Aufzeichnungen nicht mehr vor einer angekündigten Prüfung „aufräumen“. Die Kassen-Nachschau erfasst den Live-Zustand. Stimmt der Bargeldbestand nicht mit dem System überein oder funktioniert das TSE nicht, kann der Besuch sofort in eine volle Außenprüfung münden – mit geschätzten Nachforderungen.

Die Falle der Anmeldepflicht für Kassensysteme

Ein weiterer kritischer Prüfpunkt ist die Meldepflicht für elektronische Aufzeichnungssysteme. Seit dem endgültigen Meldeschluss im Juli 2025 verfügen die Finanzämter über eine nahezu vollständige Datenbank aller aktiven Kassensysteme.

Bei den Kontrollen wird nun abgeglichen, welche Geräte physisch im Betrieb vorhanden sind und welche gemeldet wurden. Abweichungen – wie ein nicht angemeldetes Reserve-Kassensystem – gelten als schwerwiegender Verstoß gegen die Abgabenordnung.

Branche in Alarmbereitschaft

Die überraschend heftige Kontrollwelle versetzt die Wirtschaft in Aufruf. Industrie- und Handelskammern sowie Steuerberaterverbände warnen ihre Mitglieder. Sie raten dringend, die Verfahrensdokumentation aktuell und vorrätig zu halten. Diese muss erklären, wie das Kassensystem betrieben, programmiert und gesichert wird.

Steuerberater empfehlen, Mitarbeiter auf eine Kassen-Nachschau vorzubereiten. Das Personal sollte wissen, wo die Dokumente liegen und wer Administratorrechte für den Datenexport hat. Panik oder technisches Unwissen wirken schnell verdächtig.

Paradigmenwechsel in der Steuerfahndung

Die Offensive markiert einen Wendepunkt. Die Strategie der Finanzverwaltung hat sich von reaktiven Aktenprüfungen zu proaktiven, datengestützten Vor-Ort-Kontrollen gewandelt. Experten rechnen damit, dass die hohe Kontrolldichte mindestens das gesamte erste Quartal 2026 anhalten wird.

Für den Staat geht es um Steuergerechtigkeit und fairen Wettbewerb. Für die Betriebe ist die Botschaft klar: Digitale Compliance ist Pflicht, und das Finanzamt kann jederzeit vor der Tür stehen.

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