Figure AI und BMW: 30.000 Autos mit Roboterhänden gebaut
07.01.2026 - 20:25:11Die Partnerschaft zwischen BMW und Figure AI hat Geschichte geschrieben: In einem US-Werk halfen humanoide Roboter erstmals in der Serienfertigung. Jetzt rollt die nächste Generation an.
Die Diskussion um humanoide Roboter in der Industrie hat eine neue Stufe erreicht. Sie ist nicht länger theoretisch, sondern durch handfeste Zahlen belegt. Im Fokus steht die wegweisende Kooperation zwischen BMW Manufacturing und dem US-Robotikunternehmen Figure AI. In der größten BMW-Fabrik im US-amerikanischen Spartanburg ist eine historische Testphase erfolgreich abgeschlossen. Die Bilanz: Die Roboter trugen direkt zur Produktion von 30.000 Fahrzeugen bei. Jetzt richtet sich der Blick auf die nächste Generation der Maschinen.
Der Praxistest: Ein Meilenstein für die Industrie
Die im November 2025 veröffentlichten Betriebsdaten gelten als neuer Maßstab für die gesamte Branche. Über elf Monate waren die Figure-02-Roboter im Werk Spartanburg im Einsatz. Sie wurden direkt in die Karosseriemontage integriert.
Die Flotte manipulierte in dieser Zeit über 90.000 Teile. Ihre Aufgabe: das präzise Handhaben und Positionieren von Blechteilen für die anschließende Schweißrobotik. Mit mehr als 1.250 Betriebsstunden arbeiteten die Roboter in Zehn-Stunden-Schichten Seite an Seite mit menschlichen Kollegen.
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Das entscheidende Ergebnis für die Automobilindustrie war die schiere Menge. Das Roboterflotte unterstützte den Bau von 30.000 BMW X3. Nie zuvor hatte ein universell einsetzbarer humanoider Roboter in einer solchen Stückzahl zur Massenproduktion beigetragen. Die Maschinen erreichten eine Platziergenauigkeit von über 99 Prozent pro Schicht – innerhalb einer Toleranz von nur fünf Millimetern.
Die nächste Generation: Der Figure 03 rollt an
Mit dem erfolgreichen Pilotprojekt konzentriert sich alles auf die neue Hardware. Im Oktober 2025 stellte Figure AI den Figure 03 vor. Dieses Modell wurde komplett auf Basis der Erfahrungen aus der BMW‑Fabrik neu entwickelt. Die alten Einheiten sind bereits abgezogen – ein bemerkenswert schneller Innovationszyklus für die Industrierobotik.
Der neue Roboter adressiert konkrete Schwachstellen. Die Daten zeigten, dass vor allem die Unterarm- und Handgelenksmechanik der Vorgängermodelle unter der repetitiven Belastung litten. Beim Figure 03 wurden die Kabel in diesen Gelenken eliminiert und die Motorsteuerungen direkt integriert. Das soll die Haltbarkeit für einen 24/7‑Betrieb verbessern.
Angetrieben wird die neue Plattform von „Helix“, Figures eigenem KI‑Modell für Sehen, Sprache und Aktion. Es verarbeitet visuelle Daten und Sprachbefehle schneller. Ein weiterer großer Schritt: Der Figure 03 wird nicht mehr als Prototyp gebaut, sondern in der eigens errichteten Hochvolumen‑Fabrik „BotQ“ gefertigt.
Der Druck auf die Konkurrenz wächst
Der Erfolg der Partnerschaft hat den Zeitplan für die Einführung humanoider Roboter in der Fertigung beschleunigt. Die Branche spricht davon, dass die „Pilot‑Hölle“ – der lange Schwebezustand neuer Technologien vor dem Serieneinsatz – damit überwunden sei.
Analysten sehen 2026 als das Jahr der Skalierung. Die Daten aus Spartanburg bewiesen, dass humanoide Roboter die strengen Taktzeiten einer Automobilfertigung einhalten können. In diesem Fall waren es 84 Sekunden für das Positionieren der Bleche. Damit ist ein zentraler Zweifel ausgeräumt: Ob zweibeinige Roboter mit traditioneller Automation oder menschlichen Arbeitern mithalten können.
Der etablierte Benchmark von 30.000 Fahrzeugen setzt nun die Konkurrenz unter Druck. Große Player wie Tesla und Agility Robotics treiben eigene humanoide Plattformen voran. Für Fertigungsleiter zählen nun nicht mehr nur Neuheit, sondern vor allem Zuverlässigkeit und niedrige „Interventionsraten“ – also wie oft ein Mensch eingreifen muss. Bei der Figure‑02‑Flotte war das Ziel null Eingriffe pro Schicht.
Ausblick: Der Weg zu 100.000 Robotern
Die Partnerschaft soll 2026 über die ersten Anwendungen hinauswachsen. Während sich der Figure 02 auf das Be‑ und Entladen konzentrierte, ermöglicht der Figure 03 mit seiner verbesserten Geschicklichkeit komplexere Aufgaben. Denkbar ist der Einsatz bei der Installation von Kabelbäumen oder der Montage von Interieur‑Teilen – Arbeiten, die sich wegen des benötigten Fingerspitzengefühls bisher der Automatisierung widersetzten.
Figure‑AI‑Gründer Brett Adcock hat eine langfristige Vision von bis zu 100.000 humanoiden Robotern im Einsatz skizziert. Die BotQ‑Fabrik schafft die Infrastruktur für größere Aufträge.
Für BMW passt die Technologie perfekt zur „iFACTORY“-Strategie, die auf Flexibilität und Digitalisierung setzt. Statt starrer Spezialmaschinen können universelle Roboter durch KI neue Aufgaben lernen. Das gibt dem Automobilhersteller die Möglichkeit, Produktionslinien schneller an neue Fahrzeugmodelle anzupassen.
Die Frage für 2026 ist also nicht mehr, ob humanoide Roboter in Autofabriken arbeiten können. Sie lautet: Wie schnell können sie in großer Stückzahl eingesetzt werden? Die 30.000 BMW X3 auf den Straßen, die teilweise von Roboterhänden gebaut wurden, sind der stille Beweis für diesen Wandel.
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