FiDA-Regulierung, Versicherer

FiDA-Regulierung: Versicherer starten in die heiße Umsetzungsphase

16.01.2026 - 14:23:12

Die EU-Finanzdatenregelung FiDA verpflichtet Finanzinstitute ab 2026 zum offenen Datenaustausch. Experten fordern sofortige Vorbereitung auf neue Systeme und Echtzeit-Datenverfügbarkeit.

Die neue EU-Finanzdaten-Verordnung FiDA setzt Versicherer und Banken unter massiven Handlungsdruck. Experten warnen vor einem Wettlauf gegen die Zeit.

Berlin/Brüssel. Während sich die europäische Finanzlandschaft auf das Jahr 2026 einstellt, rückt die Umsetzung der Financial Data Access (FiDA)-Verordnung ganz oben auf die Agenda der Unternehmen. Nach der Entscheidung der Europäischen Union für den Rechtsrahmen mahnen Branchenkenner Versicherer und Finanzinstitute zur Eile. Die Strategie des Abwartens sei nicht mehr tragbar, so die einhellige Warnung.

Experten warnen vor “Compliance-Wettlauf”

Der Fokus hat sich scharf von der Gesetzgebung auf die operative Umsetzung verlagert. Andreas Everett, Vertriebsleiter für die DACH-Region beim Softwareanbieter Fadata, betonte am 14. Januar die kritische Natur dieser Übergangsphase. Zwar werden die finalen technischen Standards für das “Wie” der Umsetzung noch entwickelt, doch die grundlegenden Anforderungen stehen fest. Der Druck auf die Versicherungsbranche wächst spürbar.

Die Zeit für die Compliance wird knapp bemessen sein. Wer auf jedes letzte technische Detail wartet, bevor er den Transformationsprozess startet, geht ein erhebliches Risiko ein. Die notwendigen Veränderungen sind laut Analyse von Fadata nicht nur administrativer Natur. Sie erfordern tiefgreifende strukturelle Verschiebungen in der Art und Weise, wie Versicherer Kundendaten verwalten, schützen und teilen. Unternehmen, die ihre Vorbereitung verzögern, könnten wertvolle Zeit verlieren, die sich nicht mehr aufholen lässt.

Mehr als Open Banking: Der weite Scope von FiDA

Die FiDA-Verordnung markiert eine massive Ausweitung des “Open Finance”-Konzepts. Sie baut auf der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 auf, geht aber weit darüber hinaus. Während PSD2 vor allem Zahlungskonten im Blick hatte, erstrecken sich die Datenteilungspflichten unter FiDA auf ein breiteres Spektrum.

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Die Verordnung deckt ab:
* Versicherungsprodukte: Inklusive Lebens-, Sach- und investmentbasierter Versicherungen.
* Investitionen: Daten zu Finanzinstrumenten und Krypto-Vermögenswerten.
* Altersvorsorge: Betriebliche und private Altersvorsorgeprodukte.

Diese Anbieter gelten künftig als “Data Holder” (Dateninhaber). Sie sind gesetzlich verpflichtet, Kundendaten auf Anfrage des Kunden mit autorisierten “Data Usern” (Datennutzern) zu teilen. Das Ziel: Innovation und Wettbewerb fördern. Drittanbieter könnten so personalisierte Finanzdienstleistungen anbieten – von umfassenden Vermögens-Dashboards bis hin zu automatisierten Versicherungs-Optimierern.

Drei Säulen der sofortigen Compliance

Für das Jahr 2026 kristallisieren sich drei zentrale Compliance-Prioritäten heraus:

1. Finanzdaten-Teilungssysteme (FDSS)

Institutionen müssen sich darauf vorbereiten, Financial Data Sharing Schemes (FDSS) beizutreten. Diese Governance-Rahmen regeln Haftung, Vergütung und Sicherheitsstandards für die Datenteilung. Im Gegensatz zum kostenlosen Zugangsmodell der PSD2 führt FiDA ein Vergütungsmodell ein. Dateninhaber können eine angemessene Vergütung für die Bereitstellung verlangen – ein entscheidender Unterschied, der neue Abrechnungs- und Tracking-Systeme erfordert.

2. Berechtigungs-Dashboards

Eine Kernanforderung ist die Einführung von “Permission Dashboards”. Dateninhaber müssen Kunden eine Echtzeit-Übersicht bieten, in der diese die erteilten Berechtigungen für Drittanbieter überwachen und verwalten können. Dieses Transparenz-Tool soll Verbrauchern die volle Kontrolle über ihren finanziellen Fußabdruck geben.

3. Echtzeit-Verfügbarkeit der Daten

Der von FiDA gesetzte operative Standard ist hoch. Daten müssen ohne Verzögerung, kontinuierlich und in Echtzeit verfügbar sein. Für viele traditionelle Versicherer und Pensionsfonds mit veralteter IT-Infrastruktur stellt diese Anforderung eine erhebliche technische Hürde dar. Sie zwingt zu umfangreichen Upgrades der API-Fähigkeiten und Daten-Governance-Protokolle.

Die Hürde der nationalen Umsetzung

Die EU-Verordnung setzt den übergeordneten Rechtsrahmen, doch die praktische Anwendung birgt nationale Nuancen. Andreas Everett verwies auf die Komplexität dieser nationalen Umsetzung. Selbst mit einer harmonisierten europäischen Entscheidung können einzelne Mitgliedstaaten spezifische Auslegungen oder Zusatzanforderungen einführen. Das erschwert die Lage für internationale Versicherungskonzerne, die wie in der DACH-Region in mehreren Rechtsgebieten tätig sind.

Das “Wie” – also die spezifischen technischen Standards – ist zwar noch in Bewegung. Der Branchenrat ist jedoch eindeutig: Die technologische Grundlage für den offenen Datenaustausch muss jetzt geschaffen werden. Die Modernisierung der Kernsysteme zur Unterstützung API-basierter Konnektivität ist eine Voraussetzung für die Compliance – unabhängig von den finalen technischen Details.

Ausblick: Der Weg ins Jahr 2027

Das Jahr 2026 wird voraussichtlich ein Jahr intensiver technischer Vorbereitung. Mit der Verabschiedung der Verordnung hat der Countdown zum Anwendungsdatum begonnen – typischerweise 18 bis 24 Monate nach Inkrafttreten. Marktbeobachter rechnen damit, dass die erste Phase der verpflichtenden Datenteilung bereits 2027 starten könnte.

In den kommenden Monaten werden voraussichtlich die ersten Finanzdaten-Teilungssysteme entstehen und die Aufsichtsbehörden detaillierte technische Standards veröffentlichen. Für den Finanzsektor ist die Ära von Open Finance kein fernes Zukunftsszenario mehr, sondern eine konkrete Realität, die sofortiges strategisches Handeln erfordert.

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