Ferrexpo Aktie: 90,3 Millionen Dollar Steuern blockiert
23.05.2026 - 18:41:34 | boerse-global.deFerrexpo steckt in einer selten harten Klemme. Die Aktie des ukrainischen Eisenerzproduzenten bleibt an der Londoner Börse ausgesetzt, weil der geprüfte Jahresabschluss für 2025 noch fehlt. Hinter dem Stillstand stehen eine blockierte Kapitalerhöhung, zurückgehaltene Steuererstattungen und ein stark geschrumpfter Kassenbestand. Die Lage ist ernst.
Handel ruht wegen Finanzierungsloch
Die Aussetzung gilt seit 7.30 Uhr am 1. Mai 2026. Ferrexpo kann den Jahresbericht erst veröffentlichen, wenn die Finanzierung steht. Ohne diese Basis lässt sich die Fortführungsprognose nicht abschließen.
Der letzte verfügbare Kurs lag am 19. Mai bei 28,58 Pence. Innerhalb eines Jahres bewegte sich die Aktie zwischen 87,10 Pence und 27,20 Pence. Das zeigt, wie stark der Markt die Krise bereits eingepreist hatte.
Eigentlich sollte eine Eigenkapitalfinanzierung über 100 Millionen Dollar die Lücke schließen. Institutionelle Investoren signalisierten unverbindlich Interesse von mehr als 100 Millionen Dollar. Die Bedingungen lassen sich aber nicht rechtzeitig erfüllen.
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Damit verfehlte Ferrexpo die regulatorische Frist für den Abschluss. Der Bericht für das Geschäftsjahr bis 31. Dezember 2025 hätte bis 30. April 2026 vorliegen müssen.
Um Zeit zu gewinnen, verkauft Ferrexpo das eigene Umschlagschiff „Iron Destiny“ für netto 7,7 Millionen Dollar. Mit diesem Erlös reicht die frei verfügbare Netto-Liquidität ungefähr bis Ende August 2026.
Steuerblockade zehrt an der Kasse
Der Kern der Finanzkrise liegt bei den Mehrwertsteuererstattungen. Ukrainische Steuerbehörden halten Zahlungen zurück. Ende März 2026 belief sich die Nettoforderung auf 90,3 Millionen Dollar.
Die Behörden verweisen auf persönliche Sanktionen gegen Kostiantyn Zhevago. Diese richten sich nicht direkt gegen Ferrexpo oder Tochtergesellschaften. Ferrexpo hält die Maßnahme für nicht gerechtfertigt, die Mittel bleiben aber blockiert.
Der Liquiditätsverlust ist massiv. Am 17. April lagen die Netto-Barmittel bei 20 Millionen Dollar. Ende 2024 waren es noch 101 Millionen Dollar.
Ferrexpo reagiert mit einem harten Sparkurs. Das Unternehmen kürzt Arbeitszeiten, reduziert den Einkauf von Waren und Dienstleistungen und stoppt nicht notwendige Investitionen. Auch Ausgaben für gesellschaftliche Projekte wurden ausgesetzt.
Produktion bricht ein, Risiko steigt
Operativ bleibt der Druck hoch. Im ersten Quartal brach die Eisenerzproduktion um 72 Prozent zum Vorjahr auf 592.750 Tonnen ein. Gegenüber dem Vorquartal sank sie um 45 Prozent.
Russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur hatten den Betrieb im Quartal weitgehend ausgebremst. Nach der vorübergehenden Betriebspause vom 20. Januar 2026 konnte die Produktion wieder anlaufen. Derzeit läuft eine Pelletlinie.
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Für Exporte nutzt Ferrexpo die eigene Flotte an Eisenbahnwaggons. Zielmärkte bleiben Kunden in Ost- und Mitteleuropa. Das hilft beim Absatz, löst aber nicht das Finanzierungsproblem.
Ferrexpo formuliert das Risiko ungewöhnlich klar. Scheitert die geplante Finanzierung, könnten „erhebliche negative Folgen“ entstehen. Bestehende Aktionäre könnten den gesamten Wert ihrer Stammaktien verlieren.
Noch schärfer fällt der Hinweis zu den Steuererstattungen aus. Ohne deren Rückfluss sei es „höchst wahrscheinlich“, dass Ferrexpo oder Teile der Gruppe Insolvenz anmelden müssten. Die Aktie war schon vor der Sperre extrem schwankungsanfällig: In den vergangenen drei Monaten lag die durchschnittliche Wochenbewegung bei 17 Prozent.
Solange die Steuererstattungen ausbleiben und die Kapitalerhöhung nicht umgesetzt wird, bleibt Ferrexpo auf Verkäufe und Sparkurs angewiesen. Die nächste harte Marke ist Ende August 2026: Bis dahin reicht die verfügbare Liquidität nach Unternehmensangaben ungefähr.
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