Fermentierter Ginseng: Durchbruch für die Medizin
21.02.2026 - 11:09:11 | boerse-global.deForscher haben eine Methode entwickelt, die die Heilkraft von Ginseng revolutionieren könnte. Sie löst das größte Problem der traditionellen Anwendung.
Berlin/Basel – Ein neues Fermentationsverfahren könnte Ginseng zu einem zuverlässigen Medikament machen. Am Freitag, dem 20. Februar 2026, veröffentlichte ein Forschungsteam eine Studie im Fachjournal Foods. Sie zeigt: Die Fermentation von Ginsengsprossen mit Milchsäurebakterien steigert die Bioverfügbarkeit der wertvollen Wirkstoffe massiv. Damit wird eine der größten Hürden für die medizinische Nutzung überwunden – die schlechte Aufnahme durch den menschlichen Körper.
Bakterien als Biotransformatoren
Der Schlüssel liegt in der gezielten Umwandlung der Inhaltsstoffe. Die Forscher fermentierten speziell angebauten Berg-Ginseng mit Bakterienstämmen wie Lactiplantibacillus plantarum. Dadurch verwandelten sie schwerer verwertbare PPT-Typ-Ginsenoside in die medizinisch potenteren PPD-Typ-Ginsenoside. Diese sind für ihre starken entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften bekannt.
Das Verfahren ahmt den Verdauungsprozess im Darm vor. Es „verdaut“ die Wirkstoffe gewissermaßen im Labor. So können sie später vom Körper viel effizienter aufgenommen werden. Die Studie legt zudem ein genaues Protokoll für den optimalen Erntezeitpunkt der Sprossen fest, um die Ausbeute zu maximieren.
Das Ende der Wirkungs-Lotterie
Bislang war die Wirkung von Ginseng extrem individuell. Sie hing stark von der jeweiligen Darmflora des Patienten ab, die die komplexen Ginsenoside erst aufspalten muss. Das führte zu unberechenbaren Absorptionraten und schwankender Wirksamkeit.
Die neue Methode umgeht diese Unsicherheit. Sie ermöglicht die Herstellung standardisierter Extrakte mit vorhersagbarer Potenz. Für die Pharmaindustrie eröffnet das völlig neue Möglichkeiten. Aus einem traditionellen, schwankenden Naturprodukt könnte ein konsistentes, evidenzbasiertes Arzneimittel werden. Denkbar sind nun zuverlässige Therapien etwa bei chronischer Erschöpfung oder zur Immunmodulation.
Marktchance durch Standardisierung
Der Durchbruch kommt zur rechten Zeit. Der globale Ginseng-Markt wächst stetig, angetrieben durch die Nachfrage nach natürlichen Mitteln für Stressmanagement und kognitive Gesundheit. Besonders in Europa und Nordamerika steigt das Interesse.
Doch hier fordern Aufsichtsbehörden strenge Standardisierung und Qualitätskontrollen. Genau das kann die Fermentationstechnik liefern: Extrakte mit verifiziert hoher Konzentration an spezifischen, wirksamen Ginsenosiden. Das schafft eine klare Trennung zwischen medizinischen Produkten und einfachen Nahrungsergänzungsmitteln.
Weg frei für gezielte Therapien
Die unmittelbaren Auswirkungen betreffen zunächst die Herstellung. Die klinischen Perspektiven sind jedoch weitreichend. Da die wertvollen PPD-Typ-Ginsenoside nun besser verfügbar sind, rücken gezielte Anwendungen in den Fokus.
Künftige klinische Studien werden sich voraussichtlich auf die Wirksamkeit bei altersbedingtem kognitivem Abbau oder Stoffwechselstörungen konzentrieren. Erste standardisierte Produkte aus fermentiertem Ginseng könnten bereits Ende 2026 oder 2027 auf den Markt kommen.
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Die Rolle des Ginseng in der integrativen Medizin steht damit vor einem Wandel: vom allgemeinen Stärkungsmittel zum gezielten Therapeutikum. Die neue Technologie senkt die Hürde für eine zuverlässige Wirkung und könnte so die Akzeptanz in der Schulmedizin deutlich erhöhen.
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