FERC zwingt US-Netzbetreiber zu Reform für KI-Stromfresser
13.01.2026 - 20:12:12Die US-Energieaufsicht schreibt dem größten Netzbetreiber des Landes neue Regeln für den Anschluss von KI-Rechenzentren vor. Das soll Engpässe verhindern und die Versorgungssicherheit trotz explodierenden Strombedarfs wahren.
Washington D.C. – In einer wegweisenden Entscheidung hat die US-Bundesaufsicht für Energie (FERC) den größten Netzbetreiber des Landes zu einer grundlegenden Reform seiner Anschlussregeln gezwungen. Ziel ist es, den rasant wachsenden Stromhunger von KI-Rechenzentren zu bewältigen, ohne das Netz zu überlasten. Mit der Order vom 18. Dezember 2025 zwingt FERC den Betreiber PJM Interconnection, klare und faire Regeln für Großverbraucher zu schaffen – besonders für solche, die direkt neben Kraftwerken gebaut werden. Erste Fristen laufen bereits in diesem Monat ab. Die Branche beobachtet gespannt, ob dieser Vorstoß zum Vorbild für das ganze Land wird.
Die Behörde kritisierte PJMs bisherige Regelungen als „ungerecht und unangemessen“. Sie seien zu unklar für die heute üblichen Praxis, Rechenzentren nahe an Stromquellen zu platzieren. Diese Unklarheit habe zu Unsicherheit und Verzögerungen beim Ausbau der für die KI-Revolution nötigen Infrastruktur geführt. Die neuen Vorgaben sollen die nationale und wirtschaftliche Sicherheit stärken und verhindern, dass die Kosten des Ausbaus ungerecht auf bestehende Verbraucher abgewälzt werden. PJM versorgt über 67 Millionen Menschen in 13 Bundesstaaten und muss die Reformen nun im Eiltempo umsetzen.
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Kern der FERC-Order ist das Konzept der „Co-Location“. Dabei wird ein großer Stromverbraucher wie ein KI-Rechenzentrum direkt neben ein Kraftwerk gebaut. So kann es seinen Strom direkt vom Erzeuger beziehen und das öffentliche Übertragungsnetz weniger belasten. Die neue Regelung besagt: Neue Kraftwerke, die mit einem Großverbraucher gekoppelt sind, können ihren Netzzugang künftig auf Basis ihrer Netto-Belastung für das Netz beantragen – nicht mehr auf Basis ihrer vollen Erzeugungskapazität.
Ein Beispiel: Ein 1.000-Megawatt-Kraftwerk, das ein 900-Megawatt-Rechenzentrum versorgt, muss nur noch Anschlussrechte für die verbleibenden 100 Megawatt beantragen, die es ins Netz einspeisen könnte. Dieser Ansatz soll die Kosten für notwendige Netzausbauten drastisch senken und die Bauzeiten für diese Schlüsselprojekte verkürzen. Die Aufsicht macht klar: Ad-hoc-Lösungen sind nicht länger akzeptabel. Netzbetreiber müssen dieses integrierte Planungsmodell formal und effizient ermöglichen.
PJM unter extremem Zeitdruck
FERC setzt PJM ungewöhnlich kurze Fristen, was die Dringlichkeit der Lage unterstreicht. Bis zum 19. Januar 2026 muss PJM einen Bericht vorlegen, wie es den Zubau neuer Kraftwerkskapazitäten beschleunigen und seine Lastprognosen verbessern will, um das Wachstum der Rechenzentren besser abzubilden. Dazu gehört ein beschleunigtes Anschlussverfahren für „baureife“ Projekte.
Bis zum 20. Januar muss PJM dann konkrete Vorschläge vorlegen, wie Kunden einen vorläufigen Netzanschluss erhalten und Leistung unterhalb der Nennleistung eines Kraftwerks anfordern können. Weitere detaillierte Tarifänderungen für neue Übertragungsdienstleistungen folgen bis zum 16. Februar. PJM muss verschiedene neue Dienstleistungen schaffen, darunter feste und flexible Kapazitäten. Das soll Betreibern von Co-Location-Anlagen Flexibilität geben, wenn sie ihren Bezug aus dem Hauptnetz begrenzen können.
Blaupause für die gesamte USA?
Die Direktive gilt als Wendepunkt für die KI-Branche, die mit einem beispiellosen Strombedarf konfrontiert ist. Klarere Regeln sollen einen Stau von Investitionsvorhaben im PJM-Gebiet und darüber hinaus auflösen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Order zwar direkt nur PJM betrifft, die Argumentation aber andere Netzbetreiber im ganzen Land beeinflussen wird.
Die Order folgt auf eine Aufforderung des US-Energieministeriums (DOE) vom Oktober 2025, einen bundesweiten Standardisierungsprozess für den Anschluss großer Lasten einzuleiten. Die PJM-Entscheidung wird als erster kritischer Schritt gesehen, der technologische Innovation mit einer zuverlässigen und bezahlbaren Stromversorgung für alle Verbraucher in Einklang bringen soll.
Die entscheidende Frage bleibt: Wird FERC der DOE-Empfehlung folgen und einen einheitlichen Bundesstandard für alle Großverbraucher-Anschlüsse über 20 Megawatt einführen? Das wäre ein erheblicher Machtzuwachs der Bundesebene, denn solche Anschlüsse wurden traditionell von den Bundesstaaten reguliert. Vorerst dient der Fokus auf PJM als wichtiger Testfall. Er zeigt den Willen Washingtons, einzugreifen, damit das Stromnetz die Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts tragen kann.
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