FDA-QMSR, Medizinprodukte

FDA-QMSR: Neue Ära für Medizinprodukte und KI startet

02.02.2026 - 03:16:12

Die US-Arzneimittelbehörde harmonisiert ihre Qualitätsvorschriften mit dem globalen ISO-Standard. Die Reform erleichtert die Zulassung und Überwachung von KI-gestützten Medizinprodukten.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat eine neue, weltweit harmonisierte Qualitätsregulierung für Medizinprodukte in Kraft gesetzt. Diese Reform ist besonders für die boomende KI-Technologie in der Medizinbranche von großer Bedeutung.

Globaler Standard ersetzt US-Sonderweg

Ab sofort gilt in den USA das Quality Management System Regulation (QMSR). Es löst die alte Quality System Regulation (QSR) nach fast 30 Jahren ab. Kern der Neuerung ist die Übernahme des internationalen Standards ISO 13485:2016. Damit werden die US-Vorschriften erstmals eng mit dem globalen Konsens harmonisiert.

Für Hersteller, die bereits nach ISO 13485 zertifiziert sind, ändert sich wenig. Unternehmen, die sich bisher nur auf den US-Markt konzentrierten, mussten in einer zweijährigen Übergangsfrist jedoch umfassende Anpassungen vornehmen. Die FDA behält sich trotz der Harmonisierung weiterhin spezifische Prüfrechte vor – eine ISO-Zertifizierung schützt nicht vor FDA-Inspektionen.

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KI-Produkte profitieren von flexiblerem Ansatz

Besonders relevant ist die Reform für KI- und Machine-Learning-gestützte Medizinprodukte. Deren iterative Entwicklung und die Möglichkeit, dass Algorithmen sich im Einsatz weiterentwickeln, passten schlecht zum alten, starren Regelwerk.

Das QMSR setzt nun auf einen risikobasierten, lebenszyklusorientierten Ansatz. Das kommt den dynamischen Technologien entgegen. Branchenverbände wie AdvaMed sehen in der neuen Verordnung bereits eine solide Grundlage für das Post-Market-Monitoring von KI-Produkten – und lehnen separate Sonderregeln ab.

Schlüsselthemen sind nun verschärftes Risikomanagement, Daten-Governance, Modelltransparenz und Pläne für kontinuierliche Leistungsüberwachung. Die FDA entwickelt parallel spezifische Leitlinien, etwa für Predetermined Change Control Plans (PCCP), die vorab validierte Algorithmus-Updates ohne neue Zulassung ermöglichen.

Strengere Inspektionen und mehr Transparenz

Mit der neuen Regelung ändert sich auch das Inspektionsregime der FDA. Die alte „Quality System Inspection Technique“ (QSIT) wird durch ein modernisiertes Programm ersetzt. Ein entscheidender Punkt: Die Behörde erhält Zugriff auf Dokumente, die bisher geschützt waren.

Künftig kann die FDA interne Qualitätsaudits, Lieferantenaudits und Management-Review-Berichte einsehen. Die Begründung: Da andere internationale Aufsichtsbehörden diese Unterlagen ohnehin verlangen, stelle dies keine zusätzliche Belastung dar. Besonderes Augenmerk liegt künftig auf der Post-Market-Überwachung, etwa im Beschwerdemanagement und bei Korrekturmaßnahmen.

Strategische Neuausrichtung der FDA

Die Reform ist Teil einer breiteren Strategie der FDA, mit der rasanten technologischen Entwicklung – besonders in der Digital Health – Schritt zu halten. Durch die Angleichung an internationale Standards will die Behörde Innovation fördern, ohne die Patientensicherheit zu gefährden.

Die Harmonisierung soll global agierenden Herstellern den Regulierungsprozess erleichtern und Patienten schnelleren Zugang zu neuen Medizinprodukten ermöglichen. Für kleinere, rein US-orientierte Unternehmen bedeutete die Umstellung jedoch eine größere Hürde und höhere Investitionen.

Mit dem QMSR tritt die Medizintechnikbranche in eine neue Phase ein. Der Fokus verschiebt sich von der Vorbereitung auf die praktische Umsetzung und den Nachweis der Konformität bei FDA-Inspektionen. Experten erwarten, dass die FDA auf dieser Grundlage weitere Leitlinien zu KI-Themen wie Algorithmen-Bias, Datenqualität und Echtzeit-Überwachung veröffentlichen wird.

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