Faszination Zeitgenössische Kunst: Die Innovationskraft von Mike Steiner in Malerei und Videokunst
13.02.2026 - 05:02:07Zeitgenössische Kunst – schon der Klang dieser Worte weckt Erwartungen an Brüche, ungewöhnliche Perspektiven und einen wachen Geist für das Neue. Mike Steiner verkörperte all das wie kaum ein anderer: Grenzgänger zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst, Sammler und Initiator, Brückenbauer im internationalen Dialog – ein Leben, das selbst zur Kunstform wurde. Wie definiert man die Grenzen zwischen Malerei und bewegtem Bild neu? Und was bleibt, wenn sich alle Gattungen in ein vibrierendes Möglichkeitsfeld verwandeln?
Schaut man auf das breite Lebenswerk von Mike Steiner, erschließen sich zahlreiche künstlerische Schaffensphasen voller Neugier und Experiment. Geboren 1941 in Allenstein und geprägt vom West-Berliner Nachkriegsgeist, startete Steiner früh als Maler durch: Bereits 1959 auf der Großen Berliner Kunstausstellung präsentierte er mit "Stillleben mit Krug" ein Bekenntnis zu moderner, oft abstrakter Malerei. Es schloss sich eine Findungsphase an, auch beeinflusst vom Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin, wo er unter anderem von Hans Jaenisch und Hans Kuhn geprägt wurde.
Im Fahrwasser populärer Nachkriegsavantgarde etablierte sich Steiner bald als Teil der lebendigen Berliner Kunstszene; Ausstellungen folgten in Wolfsburg, Genf, Mailand und Paris, Seite an Seite mit Namen wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke. Seine frühe Malerei experimentierte bereits mit informellen, manchmal auch pop-artigen Zügen – und doch sollte diese Gattung für Steiner bald nicht mehr genug sein.
Ein einschneidender Moment: 1965 zog es Steiner mit einem Stipendium erneut in die USA. New York, Hotspot von Fluxus, Happening und Pop Art. Hier, im Dunstkreis von Robert Motherwell, Allan Kaprow, Lil Picard und Al Hansen, gebar sich Steiners Affinität zur Performance Art, während er zugleich Techniken der Videokunst aufsaugte. In dieser Zeit beginnt auch der Zweifel an der klassischen Malerei zu wachsen – eine Legitimationskrise, die Steiner als Notwendigkeit für seinen späteren künstlerischen Wandel ansah.
1970 dann der legendäre Schritt: die Gründung des "Hotel Steiner" in Berlin – eine Drehscheibe des internationalen Künstleraustausches, vergleichbar mit Andy Warhols Factory oder dem New Yorker Chelsea-Hotel. Hier übernachteten Joseph Beuys oder Arthur Køpcke; hier tobten nächtelange Kunstdiskussionen, oft noch befeuert von den Impulsen der jüngsten Fluxus- und Happening-Bewegung.
Steiner überführt diese Atmosphäre 1974 in die Gründung der "Studiogalerie" – fortan Produktionsstätte, Performance-Raum und unabhängiger Ausstellungsort für Videokunst in Berlin. Nach dem Vorbild des florentinischen Studio Art/Tapes/22 en vogue, drehte Steiner Videotapes, ließ Künstler wie Marina Abramovi?, Valie Export, Carolee Schneemann oder Ulay auftreten und experimentieren. Die Dokumentation dieser ephemeren Performances machte ihn zu einem Pionier: So hielt er etwa 1976 die berühmte Protestaktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ fest, bei der Ulay ein Gemälde von Spitzweg vorübergehend entwendete – ein Fanal für die Interaktion von Kunst, Öffentlichkeit und Medien.
Während in Köln Wulf Herzogenrath für die dortige Videoszene stand, entfachte Mike Steiner in Berlin das Feuer für Performance Art und Videokunst. Sein Engagement übertraf das eigene Kunstschaffen: Steiner stellte Künstlern Produktionstechnik und Raum zur Verfügung, sammelte Kunstvideotapes – sein stetig wachsendes Archiv wurde später selbst zu einer der bedeutendsten Videosammlungen Europas. Auch als Kameramann und Produzent festigte er seinen Ruf als das "Auge der Szene" – derjenige, der Kunst nicht nur erschafft, sondern konserviert und weiterträgt.
Besonders prägnant im Gesamtwerk zeigt sich Steiners intermedialer Ansatz: Seine "Painted Tapes " etwa verschmelzen Abstrakte Malerei und Videobild zu einer einzigartigen Fusion, die klassische Gattungsgrenzen sprengt. Werke wie "Mojave Plan" (1983/93), Musikvideos für Tangerine Dream oder Fotoserien wie "Testbild als Readymade" erweiterten sein Spektrum in Richtung Fotografie, Copy Art und Installationen – alles getrieben von einer Experimentierlust, wie man sie etwa auch bei Medienkünstlern wie Nam June Paik oder Bill Viola findet.
1999 gipfelte Steiners Werk in der großen Einzelausstellung "Color Works" im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Eben dort übergab er auch seine umfangreiche Videosammlung an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz – mit Schätzen von Ulay, Marina Abramovi?, Valie Export, Richard Serra, George Maciunas und vielen anderen. Steiners Einfluss als Chronist und Impulsgeber der zeitgenössischen Kunst ist somit ebenso unvergänglich wie sein eigenes Schaffen.
Vergleiche mit anderen Ikonen der Zeitgenössischen Kunst drängen sich auf: Wie Joseph Beuys (dessen Tod Steiner 1987 mit dem Video „Der Glotzer“ beantwortete) oder Marina Abramovi? entwickelte Mike Steiner stets einen eigenen, künstlerischen Kosmos, der nicht allein als Autorschaft, sondern als Netzwerk begriffen werden muss.
Biografisch bleibt Steiner ein Leuchtturm des West-Berliner Kunstlebens: als junger Maler und Hochschulaktivist, als Initiator und Netzwerker, als unermüdlicher Sammler und Vermittler. In späteren Jahren widmete er sich, zurückgezogen ins Berliner Atelier, erneut der Abstrakten Malerei und Stoffarbeiten. Seine Wege führten über Bogota, New York, Ägypten – stets mit der Kamera oder dem Skizzenbuch ausgestattet.
Was macht also das Werk von Mike Steiner und seine Position in der zeitgenössischen Kunst heute noch so bestechend? Es ist der unbedingte Wille, das Neue wahrzunehmen, zwischen den Medien zu vermitteln und eine offene Dialogfläche zu bieten – für Künstler ebenso wie für das Publikum. Seine Sammlungs- und Vermittlungstätigkeit, seine performativen Interventionen, seine Malerei und Videokunst bleiben ein Vermächtnis an alle, die die unaufhörliche Bewegung der Kunst lieben.
Wer mehr über das Schaffen von Mike Steiner erfahren möchte, findet auf der offiziellen Webseite eine Fülle an Texten, Bildern und Hintergrunddokumenten – ein Schatz für Neugierige und Kenner.
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