Fachkraft, Arbeitssicherheit

Fachkraft für Arbeitssicherheit: Modernisierung versus Abbau

14.02.2026 - 13:52:13 | boerse-global.de

Die reformierte DGUV Vorschrift 2 modernisiert die Rolle der Sicherheitsfachkraft, während ein NRW-Gesetzesentwurf den präventiven Schutz in kleinen Betrieben gefährdet.

Die Rolle der Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) steht 2026 vor einem tiefgreifenden Wandel. Während die Branche die modernisierte DGUV Vorschrift 2 umsetzt, droht eine politische Initiative aus Nordrhein-Westfalen, den präventiven Schutz in Millionen kleiner Unternehmen auszuhöhlen.

Digitaler Aufbruch mit neuer DGUV-Strategie

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat die Richtung vorgegeben. Ihr aktuelles Positionspapier „Digitalisierung und Prävention für eine sichere und gesunde Arbeitswelt“ fordert einen proaktiven Umgang mit neuen Technologien. Die Sicherheitsexperten sollen nicht mehr nur reagieren, sondern die digitale Arbeitswelt aktiv mitgestalten.

Diese Strategie untermauert die seit Januar geltende, reformierte DGUV Vorschrift 2. Die wichtigsten Neuerungen für Betriebe:
* Digitale Beratung: Bis zu 20 Prozent der verbindlichen Beratungsstunden einer SiFa dürfen jetzt digital erfolgen – vorausgesetzt, sie kennt den Betrieb.
* Breitere Qualifikation: Der Zugang zum Beruf steht nun auch Absolventen aus Biologie oder Psychologie offen. Das soll den akuten Fachkräftemangel lindern.
* Höhere Schwellen: Die Grenze für das „Unternehmermodell“, bei dem Inhaber kleinster Betriebe Sicherheitsaufgaben selbst übernehmen, wurde von 10 auf 20 Mitarbeiter angehoben.

Sturm der Entrüstung: NRW plant radikalen Bürokratieabbau

Parallel zum Modernisierungskurs schlägt eine Gesetzesinitiative aus Nordrhein-Westfalen hohe Wellen. Der Entwurf (BR-Drs. 735/25) will die Pflicht zur Bestellung einer konkreten SiFa und eines Betriebsarztes für Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten streichen. Statt präventiver Beratung vor Ort soll es nur noch ein reaktives Aufsichtsmodell der Unfallversicherungsträger geben.

Fachverbände wie der VDSI und der VDBW laufen Sturm. Ihre Kritikpunkte:
* Aushöhlung des Standards: Rund 3,4 Millionen Betriebe in Deutschland würden den direkten Sicherheits-Schutz verlieren.
* Ende der Prävention: Statt Unfälle zu verhindern, würde nur noch nachträglich reagiert. Regelmäßige Betriebsbegehungen und Risikobewertungen entfielen.
* Falsche Wirtschaftlichkeit: Die vermeintlichen Verwaltungserleichterungen könnten durch höhere Unfallzahlen und mehr Ausfalltage teuer erkauft werden.

SiFa 3.0: Vom Techniker zum Präventionsmanager

Abseits des politischen Streits verändert sich der Berufsalltag fundamental. Das Curriculum „SiFa 3.0“ ist etabliert und verschiebt den Fokus hin zur organisatorischen Beratung. Die neuen Kernkompetenzen:
1. Hybride Beratung: Die Mischung aus Vor-Ort-Terminen und datengestützter Fernanalyse.
2. Psychische Gefährdungsbeurteilung: Der Umgang mit mentaler Belastung ist in der Post-Pandemie-Ära zentral.
3. Technologiebewertung: Risiken durch Mensch-Roboter-Kollaboration oder KI-Systeme einzuschätzen.

Trotz der geöffneten Qualifikationswege bleibt der Fachkräftemangel laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisch. Die geplante Deregulierung würde paradoxerweise genau die Nachfrage nach diesen Experten in Kleinbetrieben drücken.

Zwei-Klassen-Sicherheit oder bewährter Schutz?

Die kommenden Wochen sind entscheidend. Die Bundesratsausschüsse beraten im Frühjahr über den NRW-Vorstoß. Sollte er so angenommen werden, droht eine Spaltung der Arbeitswelt: Großkonzerne mit digitalisierten Sicherheitsmanagementsystemen auf der einen, Millionen Beschäftigte in KMU ohne regelmäßige Fachberatung auf der anderen Seite.

Für Sicherheitsfachkräfte und Betriebe heißt die aktuelle Priorität: die Umsetzung der neuen DGUV Vorschrift 2 vorantreiben. Verträge mit externen SiFas müssen auf den Stand von 2026 gebracht und die Einhaltung der digitalen Service-Standards überprüft werden.

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Der Konflikt zwischen wirtschaftlichem Druck und bewährtem Sicherheitsniveau ist in der deutschen Arbeitswelt voll entbrannt.

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