Fachkräftemangel, SiFas

Fachkräftemangel bei SiFas zwingt Unternehmen zum Umdenken

15.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

Deutschland erlebt 2026 den Höhepunkt des Fachkräftemangels bei SiFas. Die reformierte DGUV Vorschrift 2 erweitert den Zugang zum Beruf und erlaubt offiziell digitale Beratung, um den Engpass zu lindern.

Fachkräftemangel bei SiFas zwingt Unternehmen zum Umdenken - Foto: über boerse-global.de
Fachkräftemangel bei SiFas zwingt Unternehmen zum Umdenken - Foto: über boerse-global.de

Deutschland steckt mitten in einer akuten Personalkrise bei Sicherheitsfachkräften. Gleichzeitig treten neue Regeln in Kraft, die den Markt umkrempeln.

Die seit Jahren prophezeite demografische Welle hat 2026 ihren Höhepunkt erreicht: Es fehlen massiv Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFas). Diese Knappheit trifft auf die heiße Phase der Umsetzung der reformierten DGUV Vorschrift 2, die seit Januar gilt. Die Neuregelung soll den Druck lindern, indem sie neue Qualifikationswege öffnet und digitale Beratung offiziell erlaubt.

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Demografischer Einbruch trifft auf hohe Nachfrage

Der akute Mangel hat einen klaren Grund: Die Generation der SiFas, die ihre Grundausbildung vor 2002 abschloss, geht in Rente. Das Bundesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) prognostizierte diesen Einbruch für 2026 bereits lange vorher. Die Folge ist ein harter Verteilungskampf um EHS-Experten.

Für Unternehmen ist die Lage ernst. Die Bestellung einer SiFa ist gesetzliche Pflicht nach dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG). Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die Berufsgenossenschaften können Bußgelder von bis zu 25.000 Euro verhängen. Im Extremfall droht sogar die vorübergehende Stilllegung des Betriebs.

Neue Vorschrift 2 schafft Entlastung

Als Antwort auf den Engpass reformierte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ihre Vorschrift 2 grundlegend. Ein Kernpunkt: Der Zugang zum SiFa-Beruf wird breiter.

Historisch war der Job Ingenieuren, Technikern oder Meistern vorbehalten. Seit 2026 dürfen nun auch Absolventen aus Fächern wie Biologie, Chemie, Ergonomie, Humanmedizin oder Organisationspsychologie die SiFa-Ausbildung absolvieren.

Kleine Unternehmen profitieren direkt. Die Schwelle für vereinfachte Betreuungsmodelle wie das Kompetenzzentrenmodell wurde von 10 auf 20 Mitarbeiter angehoben. Tausende Betriebe können so auf oft kostenlose Unterstützung ihrer Berufsgenossenschaft zurückgreifen. Das entlastet den knappen Markt für externe SiFas.

Digitalberatung wird zum Standard

Ein weiterer Wendepunkt ist die offizielle Anerkennung der digitalen Sicherheitsberatung. Vor der Reform war der rechtliche Status von Fernbegutachtungen oft unklar. Die neue Vorschrift 2 schafft nun klare Regeln für hybride Modelle.

Bis zu einem Drittel der grundlegenden Unterstützungsleistungen darf nun digital erfolgen – vorausgesetzt, die SiFa hat den Betrieb vorab persönlich in Augenschein genommen. Routinerisikobewertungen, ASA-Sitzungen oder Folgeberatungen per Videokonferenz sind damit legitimiert.

Für die Branche ein Effizienzgewinn: Weniger Reisezeit bedeutet, dass eine Fachkraft mehr Betriebe betreuen kann. Besonders im ländlichen Raum, wo der Mangel am größten ist, könnte dies Entlastung bringen.

Vom Techniker zum ganzheitlichen Gesundheitsmanager

Die Gleichzeitigkeit von Personalkrise und Regelreform zeigt einen grundlegenden Wandel im deutschen Arbeitsschutz. Die SiFa-Rolle entwickelt sich vom reinen Unfallverhüter zum ganzheitlichen Gesundheitsmanager.

Die Aufnahme von Psychologen und Ergonomisten in den Kreis der Qualifizierten unterstreicht dies. Sie spiegelt die wachsende Bedeutung der psychischen Gefährdungsbeurteilung wider, die heute ein Kernstück moderner Prävention ist.

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Verbände wie der VDSI forderten lange Reformen, die Bürokratie abbauen, ohne den Schutz zu mindern. Die neuen Regelungen setzen auf „einfacher, aber sicherer“. Indem der Mindest-Grundbetreuungsumfang für SiFa und Betriebsarzt auf 20 Prozent standardisiert wurde, soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit gestärkt werden.

Ausblick: Wachstum für digitale Lösungen

Für das restliche Jahr 2026 erwarten Branchenbeobachter ein anhaltendes Wachstum für externe Sicherheitsdienstleister und digitale Compliance-Plattformen. Hybride Beratungsmodelle werden zum neuen Standard.

Jetzt wird sich zeigen, ob der neue akademische Zulauf den alternden SiFa-Bestand nachhaltig auffüllen kann. Unternehmen sind gut beraten, ihre Beratungspartnerschaften frühzeitig zu sichern und die erlaubten digitalen Werkzeuge zu nutzen. Nur so bleiben sie in einer immer regulierteren Arbeitswelt compliant.

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