EZB, EU-Lieferkettengesetz

EZB warnt vor verwässertem EU-Lieferkettengesetz

22.02.2026 - 23:10:12 | boerse-global.de

Die Europäische Zentralbank warnt vor den Folgen der abgeschwächten EU-Richtlinien für Unternehmensverantwortung. Die Reform gefährde die Markttransparenz und untergrabe Klima- und Menschenrechtsziele.

Die Europäische Zentralbank kritisiert die stark abgeschwächte EU-Richtlinie zur Unternehmensverantwortung scharf. Die jüngsten Vereinfachungen würden die Transparenz für Anleger „erheblich reduzieren“ und die ursprünglichen Klima- und Menschenrechtsziele untergraben.

Finanzaufsicht schlägt Alarm

In einer am 18. Februar 2026 veröffentlichten Stellungnahme warnt die EZB vor den Folgen des „Omnibus I“-Pakets. Dieses Gesetzespaket, das im Dezember 2025 beschlossen wurde, hat den Anwendungsbereich der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) und der Berichtspflichten (CSRD) drastisch beschnitten. Laut EZB führt dies zu einer gefährlichen Informationslücke für Märkte, die zunehmend auf ESG-Daten angewiesen sind. Die Notenbank fordert eine bessere Balance zwischen Bürokratieabbau und notwendiger Markttransparenz.

Was das „Omnibus I“-Paket änderte

Die umstrittene Reform erhöhte die Schwellenwerte für betroffene Unternehmen massiv. Künftig gilt das EU-Lieferkettengesetz nur noch für Konzerne mit über 5.000 Mitarbeitern und einem weltweiten Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Zudem wurden zentrale Elemente gestrichen: Die verbindliche Pflicht zur Erstellung von Klimaplänen entfiel. Auch ein harmonisiertes Haftungsregime wurde verworfen – Opfer von Menschenrechtsverstößen müssen sich nun durch 27 verschiedene nationale Rechtssysteme kämpfen.

Deutscher Sonderweg unter Druck

Die politischen Fronten in Brüssel spiegeln sich in der deutschen Debatte wider. Eine Allianz aus 17 deutschen Wirtschaftsverbänden forderte im Januar 2026 die vollständige Aussetzung des nationalen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG). Die Verbände argumentieren, Deutschland solle seinen „nationalen Sonderweg“ beenden und stattdessen die stark abgeschwächten EU-Vorgaben schnell und bürokratiearm umsetzen. Damit unterstützen sie indirekt die Position der konservativen EVP-Fraktion, zu der auch die CDU/CSU gehört.

Fragmentierte Zukunft für Unternehmen

Die EZB-Kritik verlagert den Fokus auf finanzielle Stabilitätsrisiken. Experten warnen vor neuen Komplexitäten: Ohne klare EU-Vorgaben entsteht ein Flickenteppich an Regelungen. Das erhöht das Risiko von Greenwashing-Vorwürfen und Klagen. Bis Juli 2028 müssen die Mitgliedstaaten die Richtlinie in nationales Recht umsetzen. Die entscheidende Frage lautet: Werden Länder wie Deutschland nur die EU-Mindeststandards übernehmen oder strengere nationale Regeln einführen? In dieser Unsicherheit setzen einige Analysten auf „smart compliance“ – die freiwillige Einhaltung der ursprünglich geplanten, strengeren Standards zum Erhalt von Investorvertrauen.

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