EZB: Wachstum schwach, Zinsdruck hoch
01.06.2026 - 12:03:29 | boerse-global.deDer Widerspruch könnte kaum größer sein: Die Europäische Zentralbank steht vor einer möglichen Zinserhöhung — obwohl die Konjunkturaussichten für die Eurozone gerade deutlich eingetrübt wurden.
Inflation treibt die Erwartungen
Im Zentrum des Drucks steht die Inflation. Im April lag die Teuerungsrate bei 3,0 Prozent — einen vollen Prozentpunkt über dem EZB-Ziel. Analysten warnen, dass sie in den kommenden Monaten noch weiter steigen könnte, angetrieben von stark gestiegenen Energiepreisen im Zuge des Iran-Kriegs. Die EZB-eigene Verbraucherumfrage bestätigt dieses Bild: Die einjährigen Inflationserwartungen verharren stabil bei 4 Prozent. Erst auf längeren Horizonten — drei und fünf Jahre — fallen die Erwartungen auf 2,9 beziehungsweise 2,4 Prozent.
Die Märkte reagieren entsprechend: Zinserhöhungswetten für die Juni-Sitzung der EZB haben deutlich zugenommen.
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Konjunktur gibt nach
Gleichzeitig drückt der Iran-Konflikt auf das Wachstum. Die Europäische Kommission hat ihre Prognose für Deutschland 2026 auf 0,6 Prozent halbiert. Das EU-weite Wachstum erwartet sie nun bei 1,1 Prozent, für die 21 Eurostaaten speziell bei 0,9 Prozent — jeweils deutlich unter früheren Schätzungen.
Das stellt die EZB vor eine klassische Stagflations-Konstellation: steigende Preise, schwächelnde Wirtschaft, kein eindeutiger Ausweg. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.
Euro im Spannungsfeld
Am Devisenmarkt bewegt sich EUR/USD nahe 1,1650, ohne klare Richtung. Wetten auf einen EZB-Zinsschritt stützen den Euro, während eine hawkische US-Notenbank Fed und geopolitische Unsicherheiten die Dollar-Nachfrage beleben. Das Paar pendelt zwischen zwei Kräften.
Entscheidend wird die EZB-Sitzung im Juni. Ob sie tatsächlich die Zinsen anhebt oder das schwache Wachstum zum Aufschub zwingt — diese Abwägung dürfte den Kurs des Euro in den nächsten Wochen maßgeblich prägen.
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