EZB: Donnerstag wird gerechnet
08.06.2026 - 14:48:06 | boerse-global.de
Die Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wie es weitergeht. Für die EZB-Sitzung am Donnerstag gilt eine Zinserhöhung unter Marktteilnehmern als nahezu ausgemacht — das ausgebliebene Einlenken im Iran-Konflikt und erneut aufgeflammte Kampfhandlungen lassen dem Rat wenig Spielraum.
Inflation gibt das Tempo vor
Der Preisdruck aus der Eurozone liefert die Blaupause für die Entscheidung. Die Kerninflation zog im Mai auf 2,5 Prozent an, nach 2,2 Prozent im April — ein klares Signal steigender Preisdynamik. Energie ist der Treiber, und Zweitrundeneffekte über höhere Kraft- und Düngemittelpreise sind bislang zwar nicht sichtbar, im Jahresverlauf aber nicht ausgeschlossen.
Die Gesamtinflation in der Eurozone stieg auf 3,2 Prozent. Einzig die Nahrungsmittelpreise gaben leicht nach — zu wenig, um die Gesamtlage zu entspannen.
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Anleihen unter Druck, Euro ebenfalls
Schon vor der offiziellen Entscheidung zahlt der Markt seinen Preis. Staatsanleihen verzeichneten vergangene Woche breite Renditezuwächse — ausgelöst durch einen überraschend starken US-Arbeitsmarktbericht und den anhaltenden Inflationsdruck aus dem Iran-Konflikt. Unternehmens- und Bankanleihen hielten sich dank kurzer Laufzeiten und stabiler Risikoaufschläge besser; europäische Hochzinsanleihen zeigten sich besonders resilient.
Beim Euro hinterlässt die Zinsperspektive gemischte Spuren. Die Märkte preisen inzwischen rund 70 Basispunkte im Einlagesatz ein — deutlich weniger als die zeitweise vier erwarteten Zinsschritte. EUR/USD pendelt um die Marke von 1,1530. Kein Wunder, dass der Rückgang der Erwartungen den Euro belastet.
Negativszenario rückt näher
Was die EZB selbst kommunizieren wird, dürfte ebenfalls Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Beobachter erwarten, dass die aktualisierten Projektionen sich in Richtung des im März skizzierten Negativszenarios bewegen — höherer Inflationspfad, schwächeres Wachstum. Ein einzelner Zinsschritt am Donnerstag wäre damit wohl nur der Auftakt weiterer Schritte.
Wie viele Erhöhungen folgen, entscheidet sich an der Preisentwicklung in den kommenden Monaten — und daran, ob der Iran-Konflikt eskaliert oder sich entspannt.
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