Exporteure, Forderungsrisiken

Exporteure kämpfen mit milliardenschweren Forderungsrisiken

19.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

Fast die Hälfte aller internationalen Handelsforderungen steckt in Ländern mit extrem schwierigem Inkasso. Gleichzeitig steigen die globalen Unternehmensinsolvenzen weiter an.

Exporteure kämpfen mit milliardenschweren Forderungsrisiken - Foto: über boerse-global.de
Exporteure kämpfen mit milliardenschweren Forderungsrisiken - Foto: über boerse-global.de

Internationale Unternehmen sehen sich mit explodierenden Ausfallrisiken konfrontiert. Neue Daten zeigen: Rund 1,1 Billionen Euro an Handelsforderungen stecken in Ländern mit extrem schwierigem Inkasso.

Die globale Wirtschaftslage wird für Exporteure immer gefährlicher. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und eine Welle von Unternehmenspleiten treiben das Risiko ausstehender Forderungen in die Höhe. Laut dem aktuellen „Collection Complexity Score“ von Allianz Trade befinden sich etwa 48 Prozent aller internationalen Handelsforderungen in Ländern mit „sehr hoher“ oder „extrem hoher“ Inkassokomplexität. Das entspricht einem Volumen von rund 1,1 Billionen Euro. Gleichzeitig meldet das Statistische Bundesamt einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland um 10,3 Prozent für 2025 – ein Trend, der sich europaweit fortsetzt.

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Wo das Eintreiben von Schulden am schwierigsten ist

Die Erfolgsaussichten, ausstehende Zahlungen im Ausland einzutreiben, hängen massiv vom jeweiligen Land ab. Der globale Komplexitätsindex liegt aktuell bei 47,2 von 100 Punkten. Während sich die Kluft zwischen Industrie- und Schwellenländern leicht verringert hat, bleiben enorme Hürden.

Aus sicht von Exporteuren sind Deutschland, die Niederlande und Portugal die unkompliziertesten Jurisdiktionen für die Durchsetzung von Forderungen. Ganz anders sieht es in Märkten wie Saudi-Arabien, Mexiko oder den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Das Eintreiben von Schulden in Saudi-Arabien ist laut Analyse fast dreimal so komplex wie in Deutschland. Auch in aufstrebenden Handelsdrehscheiben wie Vietnam und Malaysia müssen ausländische Gläubiger mit großen Herausforderungen rechnen.

Pleitewelle verschärft die Lage weltweit

Das Problem wird durch einen makroökonomischen Trend verschärft: Immer mehr Firmen gehen bankrott. Globale Prognosen der Kreditversicherer sagen für 2025 einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent voraus, für 2026 werden weitere 5 Prozent erwartet. Damit wäre 2026 bereits das fünfte Jahr in Folge mit steigenden Fallzahlen.

Für Exporteure bedeutet das eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, dass ein ausländischer Geschäftspartner in Zahlungsschwierigkeiten gerät. „Die finanziellen Bedingungen werden strenger“, so Analysten. „Das vergrößert die Kluft zwischen gut kapitalisierten Großkonzernen und angeschlagenen KMU.“ Eine sorgfältige Bonitätsprüfung sei daher wichtiger denn je.

Strategien gegen das Forderungsrisiko

Angesichts der eskalierenden Risiko-Lage passen Unternehmen ihre Strategien an. Spezialisierte internationale Inkassodienstleister und robuste Kreditversicherungslösungen gewinnen an Bedeutung. Ein operativer Trend geht hin zu digitalen Methoden: Künstliche Intelligenz und Machine Learning analysieren große Datenmengen, um Ausfallwahrscheinlichkeiten vorherzusagen und Inkasso-Prozesse zu optimieren.

Experten raten zu einem geschlossenen Kreditmanagementsystem und einer sehr selektiven Auswahl neuer Handelsrouten. Entscheidend sei, risikobehaftete Kreditnehmer früh im Lebenszyklus zu identifizieren, um noch vor einem Zahlungsverzug die Konditionen anzupassen.

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Globale Handelsverschiebungen als Treiber

Die Herausforderungen im Forderungsmanagement sind direkt mit den großen Verschiebungen im Welthandel verknüpft. Umfassende Importzölle und neu geroutete Lieferketten über Drittländer haben die Risikoprofile vieler Exportmärkte grundlegend verändert. Zudem verschärfen Regulierungsbehörden weltweit die Vorschriften für Inkassopraktiken und Datenschutz.

Unternehmen müssen sich durch einen Flickenteppich lokaler Gesetze kämpfen, wenn sie im Ausland Vermögenswerte pfänden oder Urteile vollstrecken wollen. Diese Disparität unterstreicht die Notwendigkeit, internationale Transaktionen von vornherein durch Akkreditive, Vorauszahlungen oder umfassende Kreditversicherungen abzusichern.

Ausblick: Anspruchsvolle Lage bleibt

Für das restliche Jahr 2026 und darüber hinaus wird die Lage für internationales Forderungsmanagement anspruchsvoll bleiben. Die globalen Unternehmensinsolvenzen werden voraussichtlich auf hohem Niveau verharren, bevor 2027 ein moderater Rückgang möglich scheint.

Exporteure sollten daher eine rigorose Due Diligence bei allen ausländischen Partnern durchführen und die politische sowie wirtschaftliche Stabilität ihrer Zielmärkte kontinuierlich überwachen. Klare, rechtsverbindliche Gerichtsstandsklauseln in Verträgen sind ein Muss. Die Partnerschaft mit lokalen Inkasso-Experten, die die kulturellen und rechtlichen Nuancen des Schuldnerlandes kennen, kann die Erfolgsquote deutlich erhöhen. In einer fragmentierten Welt wird die Fähigkeit, ausländische Forderungen effektiv zu managen, weiterhin über den kommerziellen Erfolg von Exporteuren entscheiden.

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