Evonik, Aktie

Evonik Aktie: Stellenabbau trifft schwachen Markt

18.06.2026 - 18:15:02 | boerse-global.de

Evonik kündigt massiven Stellenabbau und Schließung des Polyester-Geschäfts an. Der Aktienkurs fällt im schwachen Chemiesektor um rund drei Prozent.

Evonik Aktie: 3.200 Stellenstreichungen belasten den Kurs
Evonik - Ein stillgelegtes Industriegebiet bei Sonnenuntergang, das einen schwachen Markt und Stellenabbau symbolisiert. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Tausende Stellen, ein unprofitables Geschäftsfeld, ein ganzer Standort vor der Schließung — und das alles an einem Tag, an dem die gesamte Chemiebranche unter Verkaufsdruck steht. Für Evonik-Aktionäre war das kein angenehmer Donnerstag.

Der Essener Spezialchemiekonzern hat heute einen erneuten Stellenabbau angekündigt: Von 2027 bis Ende 2029 sollen weltweit 3.200 Arbeitsplätze wegfallen, davon 2.150 in Deutschland. Vorstand und Sozialpartner haben sich bereits grundsätzlich verständigt; die Details sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden. Per Ende März beschäftigte Evonik gut 30.600 Mitarbeiter — bereits rund 900 weniger als ein Jahr zuvor.

Polyester-Geschäft vor dem Aus

Parallel dazu stellt Evonik sein Polyester-Geschäft ein. Das Segment mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro sei seit Jahren nicht mehr profitabel. Der Standort Witten mit 266 Beschäftigten soll 2027 geschlossen werden. In Marl und Shanghai fallen weitere 80 Stellen weg.

CEO Christian Kullmann begründet die Schritte mit anhaltend schwachem Wirtschaftswachstum, geopolitischer Unsicherheit und zunehmendem internationalem Wettbewerb. Evonik setzt dabei auf Effizienzgewinne durch Digitalisierung und Outsourcing — und prüft Optionen, Verwaltungsteile ins Ausland zu verlagern.

Rallye-Kater im Chemiesektor

Die Nachricht traf auf einen bereits schwachen Markt. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Chemicals verlor rund 1,5 Prozent und entfernte sich weiter von seinem Jahreshoch Ende Mai. Damals hatte eine Sonderkonjunktur-Fantasie rund um den Nahost-Konflikt die Bewertungen angetrieben — in der Annahme, Lieferengpässe würden die Chemiepreise stützen. Mit dem inzwischen unterzeichneten Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ist diese Logik weitgehend hinfällig.

Evonik verlor heute rund drei Prozent, ähnlich wie BASF und Brenntag. Das Papier hat damit in den vergangenen zwölf Monaten knapp 17 Prozent eingebüßt — trotz eines Kursanstiegs von rund 15 Prozent seit Jahresbeginn 2026.

Kullmanns Umbaukurs ist keine neue Geschichte. Evonik will sich konsequent von Massengeschäften trennen und hat die verbleibenden Chemiegeschäfte in die Sparten Custom Solutions und Advanced Technologies gebündelt. Für die Sparte Performance Materials läuft der Verkaufsprozess beim C4-Verbund weiter. Wie schnell dieser Prozess abgeschlossen werden kann, dürfte die nächste wichtige Etappe im Umbau bestimmen — die Halbjahreszahlen am 4. August liefern dann erste Zwischenbilanz.

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