European Lithium Aktie: Juni-Genehmigung aus Grönland entscheidend
04.06.2026 - 09:48:09 | boerse-global.deDer Juni 2026 wird für European Lithium zum Stresstest. Zwei Fristen laufen parallel: Ein Betriebsgenehmigung in Grönland und eine Pflichteinreichung bei den australischen Behörden. Währenddessen bleibt die Aktie an der ASX eingefroren — und in Europa notiert sie rund 20 Prozent unter dem implizierten Übernahmewert.
Grönland: Pilotanlage fertig, Genehmigung fehlt
Die Pilotanlage im grönländischen Qaqortoq steht. Contractor 60° North Greenland hat die Anlage gebaut — die Maschinen laufen nur nicht. Die Betriebsgenehmigung der Behörden in Nuuk fehlt noch.
Ohne diese Genehmigung kann European Lithium die geplante 150-Tonnen-Probe nicht entnehmen. Das ist kein Routineprojekt. Die Probe enthält Terbium und Dysprosium — schwere Seltene Erden, die für Elektromotoren und Verteidigungssysteme unverzichtbar sind. China hat seine Exportbeschränkungen für diese Materialien nur bis November 2026 ausgesetzt. Das Zeitfenster für alternative Lieferketten ist eng.
Immerhin: Die metallurgischen Tests im März lieferten ein starkes Ergebnis. Das Labor bestätigte eine Rückgewinnungsrate von über 85 Prozent für alle acht Zielelemente — deutlich besser als historische Vergleichswerte. Ursprünglich hatte das Unternehmen einen Starttermin im Mai angepeilt. Nun ist Juni das Ziel — vorausgesetzt, die Genehmigung kommt rechtzeitig.
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Fusion mit Critical Metals: Zeitplan unter Druck
Parallel läuft der Fusionsprozess mit dem Nasdaq-notierten Unternehmen Critical Metals. Unter den Bedingungen des am 19. Mai unterzeichneten Scheme Implementation Deed übernimmt Critical Metals alle ausgegebenen Aktien und Optionen von European Lithium. Aktionäre erhalten 0,035 Critical Metals-Aktien je European Lithium-Aktie.
Der Aktionärsvote ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Davor muss European Lithium im Juni einen Entwurf des Scheme Booklet bei der ASIC und der australischen Börse einreichen. Die erste Gerichtsanhörung folgt im Juli.
Ein strukturelles Problem begleitet den Deal: Tony Sage ist zugleich Executive Chairman von European Lithium und CEO von Critical Metals. European Lithium hat deshalb ein unabhängiges Komitee gebildet. Es empfiehlt Aktionären, den Deal anzunehmen — sofern kein besseres Angebot eingeht und ein unabhängiger Gutachter die Transaktion als fair bewertet.
ASX-Untersuchung verlängert Handelsstopp
Die Handelsaussetzung an der ASX hätte am 20. Mai enden sollen. Die Börse verlängerte sie. Der Grund: eine Untersuchung, ob European Lithium seine Offenlegungspflichten verletzt hat. Medien berichteten über die Fusion, bevor das Unternehmen den Markt formal informiert hatte.
European Lithium argumentiert, die Gespräche seien erst Ende April mit einem unverbindlichen Letter of Intent materiell geworden. Die ASX prüft das.
In Europa, wo der Handel weiterläuft, notiert die Aktie zwischen 0,445 und 0,465 australischen Dollar. Der Kurs in Euro liegt bei 0,28 — seit Jahresbeginn ein Plus von rund 195 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar ein Anstieg um mehr als 900 Prozent vom Tief bei 0,02 Euro. Der Abstand zum implizierten Übernahmewert beträgt dennoch weiterhin rund 20 Prozent.
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Wolfsberg und Saudi-Arabien: Weitere Verzögerungen
Das österreichische Lithiumprojekt Wolfsberg kompliziert das Bild zusätzlich. Das Bundesverwaltungsgericht kippte im November eine vereinfachte Umweltprüfung und ordnete eine neue Prüfung durch die Kärntner Landesregierung an. Eine finale Investitionsentscheidung ist frühestens Ende 2026 realistisch — die Bergbaulizenz läuft aber nur bis Anfang 2028.
Der Offtake-Vertrag mit BMW bleibt in Kraft. Wolfsberg soll als Rohstoffquelle für eine Lithiumhydroxid-Raffinerie in Saudi-Arabien dienen, die das Ingenieurbüro Hatch mit einer Jahreskapazität von 20.000 Tonnen plant. Solange Wolfsberg stillsteht, wartet auch die saudi-arabische Anlage auf Erz.
Break Fees von je zwölf Millionen US-Dollar auf beiden Seiten sichern den Deal ab: European Lithium zahlt diesen Betrag, wenn es aussteigt — Critical Metals zahlt ihn, wenn es den Deal platzen lässt. Der Abstand zwischen Marktpreis und Dealwert bleibt trotzdem bestehen. Die Genehmigung aus Nuuk und die ASIC-Einreichung im Juni sind die nächsten konkreten Wegmarken, an denen sich zeigt, ob dieser Discount zu schließen beginnt.
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