Europa Schluss: Verluste nach EZB-Entscheid - Inflationssorgen
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 18:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer mit dem Iran-Krieg weiter anziehende Ölpreis ist mit einem Inflationsschub verbunden, der die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer Zinserhöhung veranlasste. Die Lage in Nahost verschärft sich auch wegen der Situation im Jemen, wo die Huthi-Miliz die wichtige Hafenstadt Mokka eingenommen haben soll.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145, der am Vortag bereits auf einem Tief seit Ende Juli angekommen war, fiel am Donnerstag um 0,67 Prozent auf 6.268,97 Punkte. Außerhalb des Euroraums verlor der britische FTSE 100 GB0001383545 0,57 Prozent auf 10.608,92 Zähler. In Zürich ging es für den SMI CH0009980894 um 0,47 Prozent nach unten auf 13.740,10 Punkte. Der Schweizer Leitindex steht bereits auf einem Tief seit Juni.
Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit der zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr gegen den Ölpreisschock, denn der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent steht neuerdings über 100 US-Dollar. In Deutschland trieb teure Energie die Inflation im August bis an die Drei-Prozent-Marke. Experten befürchten weitere Straffungen, laut dem NordLB-Chefvolkswirt Christian Lips bleibt die Tür dafür weit offen. Er sieht eine gestiegene Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung im Dezember.
"Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben", erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Der Ausblick sei "nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet". Ulrich Kater von der Dekabank sieht die EZB "in einer undankbaren Lage", weil höhere Zinsen eine ohnehin nicht gerade kräftige Konjunktur belasteten.
Die Konjunktursorgen erreichten vor allem Minenwerte, deren Teilindex EU0009658624 mit einem Abschlag von 3,7 Prozent das abgeschlagene Schlusslicht in der Branchentabelle war. Belastend wirkten die deutlich gesunkenen Metallpreise, vor allem bei Kupfer und Silber. Dazu trug offenbar auch eine aufgeschobene Entscheidung der USA über zusätzliche Zölle bei. In London fielen die Titel von Rio Tinto GB0007188757 und Glencore JE00B4T3BW64 um bis zu 4,1 Prozent.
Mit Telekommunikation EU0009658947 und Versicherern EU0009658822 gehörten zwei Sektoren mit defensivem Charakter zu den positiven Ausnahmen. Zu diesen zählten mit einem moderaten Anstieg des Sektorindex aber auch die Automobilwerte. Hier geht der UBS-Analyst Patrick Hummel davon aus, dass die EU zeitnah regulatorische Maßnahmen auf den Weg bringen wird, um die hiesige Autoindustrie zu stärken. "Unserer Einschätzung nach dürfte die Stoßrichtung dabei eher protektionistisch ausfallen", so der Experte.
Unter den Einzelwerten knickte die Aktie von AB Foods GB0006731235 an der Londoner Börse um fast acht Prozent ein. Der Handels- und Nahrungsmittelkonzern schraubt seine Erwartungen an das Zucker- und Lebensmittelgeschäft nach unten. Zudem leidet die konzerneigene Billigmode-Kette Primark weiter unter der mauen Konsumlaune, besonders in Europa.
