Kontrollen, Ostgrenze

EU verschärft Kontrollen an Ostgrenze mit neuer Hürde für Handel

07.01.2026 - 07:15:12

Seit Jahresbeginn gelten an der EU-Ostgrenze verschärfte digitale Meldepflichten, der CO?-Grenzausgleich und eine rigorosere Sanktionsdurchsetzung. Dies führt zu Verzögerungen und stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen.

Brüssel/Helsinki – An der EU-Ostgrenze beginnt eine neue Ära der Handelskontrolle. Seit Jahresbeginn müssen Spediteure strengere digitale Meldungen abgeben, während der CO₂-Grenzausgleich voll wirksam wird. Gleichzeitig zeigen spektakuläre Beschlagnahmen wie in Finnland: Sanktionen gegen Russland werden rigoroser durchgesetzt.

Digitale Grenze: Neues System ICS2 verlangsamt Lkw-Verkehr

Die spürbarste Veränderung bringt die dritte Stufe des Import Control System 2 (ICS2). Seit dem 1. Januar 2026 gilt die digitale Sicherheitsvorschrift auch für Straßen- und Schienenverkehr. Logistikunternehmen müssen nun detaillierte Vorabmeldungen zu Ware, Absender und Empfänger einreichen, bevor die Güter die EU-Außengrenze erreichen.

Besonders hart trifft es die Frontstaaten. In Litauen, Finnland und Ungarn – allesamt mit direkter Grenze zu Russland oder Belarus – wird das System bereits ohne Übergangsfrist durchgesetzt. Der internationale Straßenverkehrsverband IRU warnte diese Woche vor den Folgen. In Litauen wurden bereits erste nicht konforme Lkw zurückgewiesen, was an wichtigen Grenzübergängen wie Medininkai zu stockendem Verkehr führt.

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Das Ziel ist klar: Schlupflöcher für Sanktionsumgehungen oder Unterbewertungen von Importen sollen geschlossen werden. Langfristig soll der Handel zwar reibungsloser ablaufen, doch der anfängliche Umstellungsschock testet aktuell die Belastbarkeit der Lieferketten im Osten.

Finnland beschlagnahmt russischen Stahl in spektakulärer Aktion

Die verschärften Kontrollen bleiben nicht nur digital. Finnische Zollbeamte setzten ein deutliches Zeichen, als sie am Neujahrstag das Frachtschiff „Fitburg“ auf dem Weg von St. Petersburg aufbrachten. An Bord fanden sie russische Stahlprodukte – Waren, die unter die EU-Sektorsanktionen fallen und strengstens verboten sind.

Die finnische Zollbehörde Tulli bestätigte, die Beschlagnahme sei Teil verschärfter Screening-Prozesse. Der Vorfall unterstreicht den doppelten Druck an der Grenze: die neue bürokratische Hürde ICS2 und der operative Auftrag, sanktionierte russische Exporte physisch zu blockieren. Die „Fitburg“-Aktion dient als Warnschuss an Reedereien und Logistiker. Die risikobasierten Stichproben der Vergangenheit weichen 2026 einer Strategie lückenloser Kontrolle.

CO₂-Grenzausgleich CBAM: Jetzt wird es teuer

Eine weitere Kostenlawine rollt mit dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) an. Seit Jahresbeginn ist die endgültige Phase in Kraft. Importeure kohlenstoffintensiver Güter wie Stahl, Zement oder Aluminium müssen nun Zertifikate für die eingebetteten Emissionen ihrer Ware kaufen und abgeben.

Während der Übergangsphase nur Meldepflichten galten, ändert die neue Zahlungspflicht die Kostenstruktur für Osteuropa-Importe fundamental. Zollbehörden in Transitländern wie Polen oder der Slowakei müssen nun nicht nur die Herkunft der Waren prüfen, sondern auch die Dokumentation zu ihrem CO₂-Fußabdruck. Branchenverbände wie EUROMETAL bestätigten diese Woche den verbindlichen Start. Importeure ohne die nötigen Zertifikate stehen sofort vor verschlossenen Toren.

Analyse: Die „smarte Grenze“ als Wirtschaftswaffe

Die Gleichzeitigkeit von ICS2, CBAM und verschärfter Sanktionsdurchsetzung markiert eine strategische Verhärtung der EU-Wirtschaftsgrenze. Analysten sehen darin eine neue „Wirtschaftssicherheitsdoktrin“ der EU-Kommission. Durch die Verknüpfung von Sicherheits-Screening, Klimapolitik und geopolitischen Sanktionen entsteht eine „smarte Grenze“, die Waren anhand multipler Risikofilter aussiebt.

Die Last tragen vor allem die Frontstaaten Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen. Sie stemmen den operativen Aufwand zum Schutz des Binnenmarkts. Für legale Unternehmen steigen jedoch die Reibungsverluste. „Just-in-time“-Liefermodelle müssen längere Abfertigungszeiten und höheren Verwaltungsaufwand einkalkulieren.

Ausblick: Der nächste Sanktionsschlag kommt noch im Januar

Die Lage dürfte sich noch zuspitzen noch im Januar 2026. Diplomatische Kreise in Brüssel erwarten, dass die EU-Kommission noch in diesem Monat ihr 20. Sanktionspaket gegen Russland vorlegt. Es soll sich wohl gegen Schattenflotten-Tanker richten und den Export von Dual-Use-Gütern weiter einschränken – was die Aufgaben der Zöllner erneut vergrößern würde.

Logistikunternehmen müssen sich für den Rest des Januars auf anhaltende Verzögerungen an finnischen und baltischen Grenzen einstellen. Der Erfolg der „Fitburg“-Beschlagnahme wird andere nationale Zollbehörden ermutigen, ihre physischen Kontrollen zu intensivieren. 2026 wird zum Jahr der „Null-Toleranz“ für Compliance-Verstöße an den Osttoren der EU.

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