EU verschärft Kampf gegen KI-generierte Nacktbilder
05.02.2026 - 22:32:12Die EU will die Erstellung nicht-einvernehmlicher Nacktbilder durch Künstliche Intelligenz explizit verbieten. Nationale Gesetze in Irland und Großbritannien sowie laufende Ermittlungen gegen Plattformen wie X zeigen eine neue Dringlichkeit im Kampf gegen digitale Gewalt.
Brüssel, 05. Februar 2026 – Europa geht entschieden gegen KI-Tools vor, die nicht-einvernehmliche Nacktbilder erzeugen. EU-Gesetzgeber und nationale Regierungen arbeiten an einem expliziten Verbot dieser Technologien. Der Vorstoß soll rechtliche Grauzonen schließen und Plattformen für die Verbreitung schädlicher KI-Inhalte haftbar machen. Auslöser sind öffentliche Empörung und Ermittlungen gegen KI-Chatbots, die realistische pornografische Deepfakes produzieren können.
Nationale Vorstöße setzen EU unter Druck
Die Forderung nach schärferen Regeln gewinnt rasch an Fahrt. Irland brachte am 4. Februar 2026 ein Gesetz auf den Weg, das die Erstellung sexuellen Missbrauchsmaterials mittels KI unter Strafe stellt. Es will große Online-Plattformen wie X, Meta, TikTok und Google rechtlich in die Pflicht nehmen, wenn sie solche Inhalte hosten oder verbreiten.
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Ebenfalls am 5. Februar kündigte die britische Regierung an, ein Gesetz zu beschleunigen, das das Erstellen oder Anfordern einvernehmlicher Deepfake-Intimbilder von Erwachsenen verbietet. Weitere Maßnahmen sollen „Nudification“-Tools komplett ächten.
Diese nationalen Initiativen spiegeln eine breitere Sorge in der EU wider. Bereits im Januar 2026 forderte eine überparteiliche Gruppe von über 50 Europaabgeordneten die EU-Kommission auf zu klären, ob KI-gestützte „Entkleidungs-Apps“ bereits unter bestehendem EU-Recht verboten sind. Ihr zentraler Vorwurf: Es handele sich um eine Form geschlechtsspezifischer Online-Gewalt.
Grok-Chatbot als Katalysator für Ermittlungen
Den jüngsten Aktivitäten gingen Kontroversen um konkrete KI-Modelle voraus – vor allem um den Grok-Chatbot der Plattform X. Berichte zeigten, dass das Tool genutzt wurde, um realistische, sexuell explizite Deepfakes von echten Personen zu erstellen und zu verbreiten. Betroffen waren Frauen, Kinder und Prominente.
Die EU-Kommission leitete Ende Januar 2026 eine formelle Untersuchung gegen X ein. Sie prüft, ob die Plattform die Risiken von Grok unter dem Digital Services Act (DSA) ausreichend bewertet und gemindert hat. Die Risiken für die Verbreitung illegaler Inhalte wie „manipulierter sexuell expliziter Bilder“ hätten sich materialisiert und Bürger erheblichem Schaden ausgesetzt.
Die Strafverfolgung beschränkt sich nicht auf Brüssel. Französische Behörden durchsuchten Anfang Februar im Rahmen einer Europol-Untersuchung die Pariser Büros von X. Gleichzeitig ermitteln britische Datenschutz- und Medienaufsichtsbehörden gegen X und seine KI-Tochter xAI wegen Datenverarbeitung und der möglichen Erzeugung schädlicher Inhalte durch Grok.
Lücken im digitalen Regelwerk der EU
Die Debatte entfaltet sich vor dem Hintergrund der umfassenden EU-Digitalgesetze, vor allem des KI-Gesetzes (AI Act) und des Digital Services Act (DSA).
Das KI-Gesetz verbietet bereits bestimmte Anwendungen, die Bürgerrechte bedrohen. Doch Abgeordnete und Verbraucherschützer fragen, ob seine Bestimmungen explizit genug sind, um die Erstellung nicht-einvernehmlicher synthetischer Nacktheit abzudecken.
Der DSA wiederum verpflichtet große Plattformen, illegalen Inhalt zu bekämpfen. Ein EU-Beamter verwies kürzlich im Parlament darauf, dass Deepfakes, die nationales Recht verletzen, einer beschleunigten Entfernung unterliegen könnten. Die laufende X-Untersuchung wird zum Prüfstein für die Durchsetzungskraft des DSA bei integrierten KI-Funktionen. Verstöße können Bußgelder von bis zu 6 Prozent des globalen Jahresumsatzes nach sich ziehen.
Ein neuer EU-Richtlinienentwurf zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen verpflichtet Mitgliedstaaten bereits, das Teilen einvernehmlichen Intimmaterials unter Strafe zu stellen – einschließlich KI-generierter Deepfakes. Dieser Schritt ist bedeutend, deckt aber möglicherweise nicht alle Formen KI-generierter Nacktheit ab.
Was bedeutet das für die KI-Entwicklung?
Der konzertierte Vorstoß unterstreicht die wachsende Spannung zwischen rasantem technologischen Fortschritt und dem Bedarf an robusten ethischen Sicherheitsvorkehrungen. Die Leichtigkeit, mit der diese Tools zu Missbrauch genutzt werden können, hat global Alarm ausgelöst.
Analysten gehen davon aus, dass der regulatorische Druck aus dem wichtigen EU-Markt die Entwicklung generativer KI-Modelle verändern wird. Unternehmen dürften gezwungen sein, wirksamere Inhaltsmoderation und Sicherheitsprotokolle bereits „by design“ zu integrieren. Die finanziellen Risiken sind immens: Das KI-Gesetz sieht Geldstrafen von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Umsatzes vor.
Wird es ein EU-weites Verbot geben?
Der Weg führt wahrscheinlich über eine verschärfte Anwendung bestehender Gesetze und neue, spezifischere Regelungen. Die EU-Untersuchung gegen X wird ein wichtiges Präzedenzurteil für die Anwendung des DSA auf KI-Risiken setzen. Die Gesetzesvorhaben in Irland und Großbritannien werden in anderen Mitgliedstaaten genau beobachtet.
Die zentrale Frage bleibt, ob die EU-Kommission den Forderungen des Parlaments nachgibt und ein explizites, EU-weites Verbot für KI-Systeme vorschlägt, die zur Erstellung nicht-einvernehmlicher Intimbilder designed sind. Die Botschaft der Gesetzgeber wird immer klarer: Das Recht auf digitale Sicherheit und Privatsphäre darf nicht durch den Missbrauch Künstlicher Intelligenz kompromittiert werden. Die kommenden Monate werden entscheidend für die rechtliche Zukunft dieser umstrittenen Technologien in Europa sein.
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