Indien, Freihandelsabkommen

EU und Indien kurz vor historischem Freihandelsabkommen

23.01.2026 - 11:44:12

Die EU und Indien stehen vor einem umfassenden Handelsvertrag, der Zölle senkt und Märkte öffnet. Der Deal soll das Handelsvolumen von 136,5 Mrd. US-Dollar steigern und wird durch geopolitische Spannungen beschleunigt.

Die EU und Indien stehen kurz vor einem umfassenden Freihandelsabkommen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen signalisierte in Davos entscheidende Fortschritte. Beobachter erwarten den politischen Durchbruch beim EU-Indien-Gipfel kommende Woche in Neu-Delhi.

Von der Leyen bezeichnete das geplante Vertragswerk als potenziell historisch. Angesichts eines Marktes von zwei Milliarden Menschen gilt der Deal als eines der wichtigsten handelspolitischen Projekte der Dekade. Es könnte das „Mutter aller Abkommen“ werden.

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Whiskey-Zölle fallen, Automarkt öffnet sich

Im Kern steht der massive Abbau von Handelshemmnissen. Das bilaterale Handelsvolumen von rund 136,5 Milliarden US-Dollar soll signifikant steigen.

Verhandlungsnahe Kreise bestätigen: Neu-Delhi will die extrem hohen Importzölle auf Spirituosen schrittweise senken.
* Für schottischen Whisky ist eine Reduktion von bislang 150 Prozent auf zunächst 75 und später 40 Prozent im Gespräch.
* Auch der indische Automarkt öffnet sich: Importquoten für europäische Fahrzeuge sollen gelockert, Zölle auf Autoteile gestrichen werden.

Im Gegenzug fordert Indien erleichterten Zugang für seine Textilprodukte und IT-Dienstleistungen in Europa.

Österreichs Industrie drängt auf Abschluss

Für die exportorientierte österreichische Wirtschaft kommt die Bewegung zur richtigen Zeit. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hat sich wiederholt für eine Diversifizierung der Absatzmärkte ausgesprochen.

Österreichische „Hidden Champions“ aus dem Maschinenbau und der Umwelttechnologie sehen in Indien einen Zukunftsmarkt. Ein Abkommen würde nicht nur Zollvorteile bringen, sondern auch den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen erleichtern. Bisher blieb dieser Bereich für ausländische Anbieter oft verschlossen.

Geopolitischer Druck beschleunigt Deal

Dass die 2013 auf Eis gelegten Verhandlungen nun Fahrt aufnehmen, ist kein Zufall. Die geopolitische Weltlage hat sich verändert.

Sowohl Brüssel als auch Neu-Delhi stehen unter Druck, ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Ein weiterer Beschleuniger sind die protektionistischen Tendenzen aus den USA. Angesichts der von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zölle suchen beide Seiten verlässliche Partner.

Der italienische Botschafter in Indien, Antonio Bartoli, betont: Bei diesem Abkommen gehe es um weit mehr als Warenaustausch. Es sei eine Partnerschaft auf Basis von Vertrauen.

Letzte Hürden: CO2-Abgabe und Visa

Trotz der Euphorie bleiben strittige Punkte. Ein zentraler Konflikt ist der europäische CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM).

Indien betrachtet diese Abgabe auf CO2-intensive Importe als protektionistisch und fürchtet Nachteile für seine Stahl- und Aluminiumexporteure. Die Unterhändler suchen nach Übergangslösungen.

Ein weiteres sensibles Thema ist die Mobilität von Arbeitskräften. Indien drängt auf Visa-Erleichterungen für IT-Fachkräfte. In vielen EU-Staaten, darunter Österreich, ist das Thema politisch aufgeladen. Erwartet werden Kompromisse in Form von begrenzten Kontingenten für Hochqualifizierte.

Sollte der Durchbruch kommende Woche gelingen, beginnt der oft langwierige Ratifizierungsprozess. Doch das Signal ist klar: In unsicheren Zeiten setzt die EU auf eine Allianz mit der größten Demokratie der Welt.

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