Zollvergünstigungen, Indien

EU streicht Zollvergünstigungen für Indien und Indonesien

08.01.2026 - 03:43:12

Seit Jahresbeginn gelten für viele Waren aus Indien und Indonesien wieder volle EU-Zölle. Die Aussetzung der Handelspräferenzen trifft Sektoren wie Fahrzeuge, Chemikalien und Agrarprodukte.

Europäische Importeure müssen ab sofort deutlich mehr für Waren aus Indien und Indonesien zahlen. Grund ist die aktualisierte EU-Liste für das Allgemeine Präferenzsystem (GSP), die seit dem 1. Januar 2026 gilt. Sie streicht für zahlreiche Produkte die bisherigen Zollrabatte.

Die Zollbehörden in der gesamten Union wenden nun für die betroffenen Lieferungen die regulären Meistbegünstigungszölle an. Die Maßnahmen, festgelegt in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1909, gelten bis zum 31. Dezember 2028. Für Unternehmen bedeutet das eine unmittelbare Erhöhung der Einfuhrkosten zu Beginn des neuen Geschäftsjahres.

Indien trifft es am härtesten

Die neuen Regelungen belasten indische Exporteure und ihre europäischen Partner am stärksten. Die Liste der ausgenommenen Produkte wurde massiv erweitert. Neben bereits suspendierten Sektoren verliert Indien die Präferenzen in drei neuen Hauptkategorien: Mineralische Produkte, Gummi und Waren daraus sowie Kraftfahrzeuge, Fahrräder und Luftfahrzeuge.

Damit müssen europäische Importeure nun den vollen Zoll auf eine breite Palette indischer Güter zahlen. Dazu gehören Chemikalien, Kunststoffe, Textilien, Keramik, Glas, Eisen, Stahl und Industrieanlagen. Besonders sensibel ist der Wegfall für Fahrzeuge und Fahrräder. Indien hat sich zu einem wichtigen Produktionsstandort für Automobilteile und Zweiräder entwickelt. Europäische Lieferketten, die auf diese Zulieferungen angewiesen sind, stehen vor sofortigen Kostensteigerungen.

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Indonesien: Fokus auf Agrar- und Holzprodukte

Für Indonesien konzentrieren sich die ausgesetzten Vergünstigungen weiterhin auf bestimmte Schlüsselsektoren. Seit dieser Woche gelten volle Zölle unter anderem für:
* Lebende Tiere und tierische Produkte (außer Fisch)
* Tierische und pflanzliche Öle, Fette und Wachse
* Holz und Holzwaren

Die Beibehaltung der vollen Zölle auf pflanzliche Öle trifft vor allem die Lebensmittelverarbeitung und die Kosmetikindustrie. Sie sind auf Derivate von indonesischem Palmöl angewiesen. Auch für Importeure nachhaltiger Holzprodukte gibt es keine Entlastung.

So funktioniert der EU-„Graduierungs“-Mechanismus

Die Aussetzungen sind Teil des EU-„Graduierungs“-Mechanismus. Das GSP gewährt einseitigen zollfreien oder -ermäßigten Zugang zum EU-Markt für Entwicklungsländer. Werden ein Land und seine Produkte jedoch zu wettbewerbsfähig, werden die Vorteile wieder entzogen.

Konkret: Überschreiten die Einfuhren eines begünstigten Landes in einer Produktkategorie über drei Jahre einen bestimmten Schwellenwert, werden die Präferenzen „graduiert“ – also ausgesetzt. Für den aktuellen Zyklus 2026-2028 wurden die Handelsdaten der Jahre 2021 bis 2023 ausgewertet. Da Indien und Indonesien in den betroffenen Sektoren diese Schwellen durchgängig überschritten, war die EU-Kommission gesetzlich verpflichtet, die Vergünstigungen auszusetzen.

Unternehmen müssen Lieferketten und Systeme anpassen

Speditionen und Zollabwickler haben die ersten Tage des Jahres genutzt, um ihre Systeme anzupassen. Branchenverbände wie die deutschen Industrie- und Handelskammern (IHK) weisen darauf hin, dass die neuen Zölle für alle Waren gelten, die ab dem 1. Januar 2026 zum freien Verkehr angemeldet werden – unabhängig vom Ankunftsdatum der Sendung im Hafen.

Für Unternehmen ist die oberste Priorität, die korrekten HS-Codes (Harmonisiertes System) gegen die neue Ausschlussliste zu prüfen. Eine Fehlklassifizierung oder veraltete Berechnungslogik in ERP-Systemen könnte später zu erheblichen Nachforderungen der Zollbehörden führen.

Dauerhafte Änderung erwartet

Die aktuelle Liste gilt fest für drei Jahre bis Ende 2028. Das schafft Planungssicherheit. Allerdings befindet sich das gesamte GSP-Rahmenwerk im Umbruch. Während die bestehende Verordnung (978/2012) verlängert wurde, laufen in Brüssel Diskussionen über eine modernisierte Fassung.

Für die betroffenen Sektoren in Indien und Indonesien ist der Weg zurück zu Präferenzen steinig: Sie müssten Marktanteile verlieren. Angesichts der aggressiven Exportziele beider Länder erscheint das unrealistisch. Experten raten europäischen Firmen daher, die höheren MFN-Zollsätze als neue Kostengrundlage zu betrachten – und nicht als temporären Aufschlag. Viele Unternehmen dürften nun ihre Diversifizierungsstrategien beschleunigen oder Lieferantenverträge neu verhandeln.

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