Handelstransparenz, Infrastrukturprojekte

EU startet neue Ära der Handelstransparenz für Infrastrukturprojekte

04.01.2026 - 09:12:12

Ab sofort müssen Importeure von Stahl, Zement und Aluminium den CO₂-Fußabdruck ihrer Waren lückenlos offenlegen. Die verschärften EU-Regeln treffen globale Bauvorhaben hart.

Seit dem 1. Januar 2026 gelten in der Europäischen Union verschärfte Transparenzregeln für den internationalen Handel. Sie zwingen Unternehmen zu einer radikalen Offenlegung ihrer Lieferketten. Besonders betroffen ist der Infrastrukturbau. Die neuen Vorgaben unter dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) und revidierten Ursprungsregeln des Pan-Euro-Med-Abkommens (PEM) markieren einen Systemwechsel. Sie machen die Herkunft und Klimabilanz von Baumaterialien zur Chefsache.

Die Übergangsphase ist vorbei. Seit Jahresbeginn benötigen Importeure kohlenstoffintensiver Güter den Status eines „zugelassenen CBAM-Erklärenden“. Ohne diese Zulassung drohen Handelsstopps und Strafen. Konkret betrifft dies Grundstoffe wie Eisen, Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel und Wasserstoff – also das Rückgrat jeder größeren Baustelle.

Der entscheidende Unterschied: Schätzwerte gelten nicht mehr. Unternehmen müssen die tatsächlichen eingebetteten Emissionen ihrer Importe nach EU-Methodik ermitteln und melden. Diese Daten müssen von den Herstellern außerhalb der EU stammen und direkt im CBAM-Register der EU hinterlegt werden. Logistikkonzerne wie Maersk warnten bereits 2025 vor diesem Paradigmenwechsel. Er erfordert eine komplette Neuaufstellung des Supply-Chain-Datenmanagements. Für viele globale Infrastrukturprojekte bedeutet das: mehr Bürokratie, höhere Kosten und akutes Risiko von Lieferverzögerungen.

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Neue Ursprungsregeln: Komplexität für globale Lieferketten

Parallel zu CBAM trat eine Überarbeitung der PEM-Ursprungsregeln in Kraft. Sie harmonisieren die Standards für den „kumulierten Ursprung“ von Waren im Handel mit Partnerländern im europäisch-mediterranen Raum. Für Bauprojekte mit multinationalen Lieferketten wird die Dokumentation damit anspruchsvoller.

Wer weiterhin von Präferenzzöllen profitieren will, muss lückenlos nachweisen, wo welche Wertschöpfung stattfindet. Die parallele Gültigkeit alter und neuer Regeln endete mit dem Jahreswechsel. Analysten sehen darin einen Schritt zu mehr Standardisierung. Zusammen mit neuen Spielzeugsicherheitsvorschriften und der geplanten digitalen Produktkennzeichnung zeichnet sich ein trend ab: Die EU will lückenlose Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Global Gateway unter Beobachtung

Die neuen Regeln treffen auf ein ohnehin kritisches Umfeld. Die EU-Initiative „Global Gateway“ mit einem Volumen von 300 Milliarden Euro steht seit Längerem in der Kritik. Zivilgesellschaftliche Gruppen wie Counter Balance monierten 2025 intransparente Projektauswahl und Finanzierung. Die Maßnahmen seien zu sehr von geopolitischen Interessen getrieben und zu wenig an den Entwicklungszielen der Partnerländer orientiert.

Die jetzt in Kraft getretenen, harten Datentransparenz-Regeln werden auch als technische Antwort auf diese Governance-Probleme gesehen. Indem die EU den CO₂-Gehalt und die Herkunft von Materialien gesetzlich vorschreibt, verankert sie Nachhaltigkeitskriterien im Handelsrecht. Der administrative Aufwand für die ausführenden Unternehmen steigt jedoch dramatisch. Die Datenerfassung muss nun tief in die Lieferketten außerhalb der EU hineinreichen.

Analyse: Der „Compliance-Schock“ für die Bauindustrie

Die Gleichzeitigkeit von verbindlichem CBAM und neuen PEM-Regeln stellt die Bau- und Ingenieursbranche vor massive Herausforderungen. Zwar waren die Regeln angekündigt, doch der Sprung von der Übergangs- zur Vollanwendung birgt akute operative Risiken. Der Druck auf Zulieferer im Globalen Süden wächst enorm. Sie müssen ihre Überwachungssysteme modernisieren, um präzise Emissionsdaten liefern zu können.

Hinzu kommt ein global sich verdichtendes Regulierungsnetz. Seit dem 1. Januar 2026 gelten auch in China neue Mehrwertsteuer-Regeln nach dem Bestimmungslandprinzip. Für internationale Baukonsortien endet damit die Ära undurchsichtiger Lieferketten. Die „Herkunft“ eines Kraftwerks oder einer Brücke wird künftig genauso genau geprüft wie ihre Statik. Die ersten Monate 2026 werden zum Lackmustest. Handelsexperten rechnen mit Engpässen an den Grenzen, falls sich Importeure nicht rechtzeitig mit dem CBAM-Register vernetzt haben.

Die EU-Kommission plant bereits den nächsten Schritt: Digitale Produktpässe sollen bis 2030 die Transparenz auf weitere Bauprodukte ausweiten. Für Unternehmen ist klar: Handelskonformität ist kein lästiges Anhängsel mehr, sondern ein zentraler Faktor für die Machbarkeit und das Risikomanagement jedes internationalen Projekts.

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