Milliarden-Offensive, KI-Chips

EU startet Milliarden-Offensive für eigene KI-Chips

17.01.2026 - 20:43:12

Die EU startet mit dem Industrial Accelerator Act eine milliardenschwere Industriepolitik, um die Abhängigkeit von ausländischen KI-Chips zu reduzieren und eigene Gigafabriken aufzubauen.

Die EU will ihre Abhängigkeit von US- und asiatischen KI-Chips beenden. Mit einem neuen Industriepaket startet Brüssel eine milliardenschwere Offensive für technologische Souveränität.

Diese Woche kündigte die EU-Kommission den „Industrial Accelerator Act“ an. Das Gesetzespaket soll Europas Abhängigkeit von ausländischen Halbleitern für Künstliche Intelligenz drastisch reduzieren. Es markiert eine strategische Wende: weg von reiner Regulierung, hin zu einer aktiven Industriepolitik.

Hintergrund sind wachsende geopolitische Spannungen und massive Lieferkettenrisiken. Der Handelsdefizit der EU mit China erreichte 2025 bereits 350 Milliarden Euro. „Technologische Abhängigkeit kann zur Sicherheitsfalle werden“, heißt es in Brüsseler Kreisen.

Milliarden für europäische KI-Gigafabriken

Herzstück der Strategie ist der Aufbau einer kompletten KI-Hardware-Industrie.

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Dafür sollen massive öffentliche und private Investitionen fließen. Bereits diese Woche wurden wichtige Weichen gestellt:

Am 15. Januar bewilligte die EU über 300 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel für digitale Technologien und KI. Einen Tag später ebnete der EU-Rat den Weg für den Bau großangelegter „KI-Gigafabriken“ in den Mitgliedsstaaten.

Diese Fabriken sollen als Zentren für Entwicklung und Training komplexer KI-Modelle dienen. Der Infrastruktur-Schub gilt als essenziell, denn Europa hinkt im globalen KI-Rennen hinterher. Die USA und China kontrollieren gemeinsam etwa 86 Prozent der weltweiten Rechenzentren-Kapazität.

„Made in Europe“ als neue Norm

Das Gesetz schafft sogenannte „Lead Markets“ – vorrangige Absatzmärkte, die verlässliche Nachfrage nach europäischen Produkten generieren sollen. Auch in der öffentlichen Beschaffung soll ein „Made in Europe“-Kriterium eingeführt werden.

Der Industrial Accelerator Act baut auf der bereits beschlossenen KI-Verordnung auf, die 2026 vollständig gilt. Doch während die KI-Verordnung reguliert, setzt das neuе Paket auf industriepolitische Instrumente. Ziel ist die Entrisikoisierung kritischer Wertschöpfungsketten.

„Wenn öffentliches Geld fließt, muss es auch europäischer Produktion und Sicherheit zugutekommen“, so die Logik hinter dem Vorstoß.

Industrie begrüßt Vorstoß, warnt vor Bürokratie

Die Reaktionen aus der Wirtschaft fallen überwiegend positiv aus. Branchenvertreter sprechen von einem „notwendigen Akt wirtschaftlicher Unabhängigkeit“. Selbst die schwer umkämpfte Schwerindustrie signalisiert Unterstützung für die „Made in Europe“-Initiative.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Neben der Unterstützung fordern Stakeholder eine schlanke Umsetzung ohne übermäßige Bürokratie. Einige Kritiker warnen vor Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt – schließlich verfügen Mitgliedsstaaten wie Deutschland und Frankreich über sehr unterschiedliche industrielle Kapazitäten.

Kann Europa den Anschluss schaffen?

Die Herausforderungen sind enorm. Der Wiederaufbau einer wettbewerbsfähigen Hardware-Produktion erfordert nicht nur Milliardensummen. Europa braucht auch hochqualifizierte Fachkräfte und vereinfachte Genehmigungsverfahren.

Kann der Kontinent mit etablierten Playern wie Taiwan Semiconductor oder Intel mithalten? Die Erfolgsaussichten hängen davon ab, ob die EU ein wirklich integriertes Ökosystem schafft.

Die Details des Gesetzespakets – einschließlich Finanzierungsmechanismen und möglicher Beihilferegeln – werden noch finalisiert. Eine formelle Vorlage wird für Ende Januar erwartet. Danach beginnt das Gesetzgebungsverfahren im Europäischen Parlament und Rat.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Europas ambitionierter Plan trägt. Gelingt die Umsetzung, könnte sich die EU von der Regulierungs- zur Technologiemacht wandeln.

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