EU schafft Zollfreigrenze ab – ab Juli 2026 gilt Pauschale
26.12.2025 - 06:30:12Brüssel beendet die Ära des zollfreien Online-Shoppings aus Drittländern. Ab dem 1. Juli 2026 fällt die bisherige Freigrenze von 150 Euro für Importe – eine pauschale Abgabe von drei Euro pro Artikel soll den europäischen Handel schützen.
Die Entscheidung des EU-Rats diese Woche markiert das Ende der sogenannten „De-minimis“-Regel. Diese erlaubte bisher, dass Warensendungen unter 150 Euro Wert zollfrei in den Binnenmarkt gelangen konnten. Künftig wird auf jede solche Sendung eine Pauschalgebühr von drei Euro fällig. Die Maßnahme soll den Wettbewerb zwischen europäischen Händlern und großen Non-EU-Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress fairer gestalten.
Statt der bisherigen Freigrenze tritt ein vereinfachtes System in Kraft. Es gilt als „temporäre Lösung“, bis das voll digitalisierte EU-Zolldatenzentrum 2028 startet.
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- Pauschalsatz: 3 Euro pro Artikel für Waren unter 150 Euro Wert.
- Berechnung: Die Gebühr fällt pro Artikeltyp an, nicht zwangsläufig pro Paket. Enthält ein Paket mehrere Einheiten desselben Produkts, wird sie nur einmal berechnet. Bei unterschiedlichen Artikeln im selben Paket wird für jeden Typ der Pauschalzoll fällig.
- Bearbeitungsgebühr: Zusätzlich wird eine Verwaltungsgebühr von voraussichtlich 2 Euro pro Paket diskutiert, um die Kosten für Millionen neuer Zollerklärungen zu decken. Mitgliedstaaten wie die Niederlande planen bereits ähnliche nationale Gebühren.
Hintergrund: Die Flut billiger Pakete
Der Schritt ist eine direkte Reaktion auf die explodierende Zahl direkter Importe. Die EU-Kommission schätzt, dass 2024 allein 4,6 Milliarden Kleinsendungen in die EU kamen – 91 Prozent davon aus China.
Ausschlaggebend waren alarmierende Daten der EU-Zollbehörde vom 23. Dezember 2025. Eine großangelegte Kontrollaktion ergab, dass 65 Prozent aller eingeführten Pakete unterwertet deklariert wurden, um unter der 150-Euro-Grenze zu bleiben.
Die Sicherheitsbedenken sind massiv: Bei Tests von 20.000 Spielzeugen und Kleinelektronik-Artikeln entsprach mehr als die Hälfte nicht den EU-Sicherheitsstandards. 84 Prozent der getesteten Waren wurden als „gefährlich“ eingestuft.
„Das aktuelle System ist nicht nur fiskalisch durchlässig, sondern gefährlich“, kommentierte ein Kommissionsbeamter. „Die Abschaffung der Schwelle ist notwendig, um die Kontrolle über unsere Grenzen zurückzugewinnen.“
Folgen für Verbraucher und Handel
Experten rechnen mit spürbaren Preiseffekten. Die Kosten für günstige Artikel von Non-EU-Plattformen könnten durch die neuen Abgaben um 20 bis 40 Prozent steigen.
Für Online-Marktplätze:
Die großen Nicht-EU-Plattformen müssen ihre Preismodelle überarbeiten. Die Zollabwicklung liegt künftig als „besteuerter Importeur“ bei ihnen – sie müssen die Abgaben bereits beim Verkauf einziehen und im Preis ausweisen. Der Shock-Effekt hoher Nachzahlungen an der Haustür soll so vermieden werden, doch der sichtbare Endpreis für Schnäppchen wird steigen.
Für den europäischen Einzelhandel:
Handelsverbände begrüßen die Entscheidung. „Ein Sieg für fairen Wettbewerb“, heißt es von einem großen EU-Handelsverband. „Lokale Unternehmen, die voll Steuern und Zölle zahlen, wurden zu lange von ausländischen Wettbewerbern unterboten, die ein Schlupfloch ausnutzten.“
Herausforderung Logistik:
Für Speditionen und Expressdienste bedeutet die Neuregelung eine enorme operative Belastung. Zwar vereinfacht die Pauschale die Zolltarifierung, doch die schiere Menge an jetzt zollpflichtigen Sendungen – für jedes Paket, unabhängig vom Wert – wird die IT-Systeme der Zollverwaltungen an ihre Grenzen bringen. Bis zum Start 2026 haben die Mitgliedstaaten nur 18 Monate Zeit, ihre Systeme anzupassen.
Globaler Trend: Zollfreigrenzen schwinden
Die EU folgt einem weltweiten Trend. Auch die USA verschärfen ihre „De-minimis“-Regeln für Importe aus China, mit Verweis auf Handelsungleichgewichte. Die Botschaft ist klar: Die Ära des nahezu reibungslosen, zollfreien Grenzhandels ist vorbei.
Ab dem 1. Juli 2026 müssen die nationalen Zollsoftware-Systeme die neue Pauschalgebühr verarbeiten können. Verbraucher werden die Änderung schon vorher an angepassten Warenkorbpreisen auf internationalen Plattformen bemerken. Die Tage des zollfrei gelieferten 5-Euro-Kleids sind gezählt.
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