EU schafft 150-Euro-Zollfreigrenze ab
30.01.2026 - 18:30:11Die Europäische Union beendet die zollfreie Einfuhr von Kleinsendungen aus Nicht-EU-Ländern. Ab Juli 2026 fallen für jedes Paket pauschale Gebühren an – ein historischer Einschnitt für den Online-Handel.
Brüssel. Der Online-Shopping-Trend „Bestellen aus China“ wird deutlich teurer. Die EU-Finanzminister haben endgültig beschlossen, die bisherige 150-Euro-Freigrenze für Zollabgaben abzuschaffen. Künftig wird für jede Wareneinfuhr aus Drittstaaten, egal wie gering ihr Wert ist, Zoll fällig. Die umfassende Zollreform soll europäische Händler vor unfairem Wettbewerb schützen und Betrug bekämpfen.
Die spürbarste Neuerung trifft Verbraucher bereits in wenigen Monaten. Ab dem 1. Juli 2026 gilt eine Übergangsregelung: Für jedes Paket unter 150 Euro Warenwert wird eine pauschale Zollgebühr von drei Euro erhoben. Bisher waren solche Sendungen zollfrei.
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Diese Regelung war ein Schlupfloch, das massiv genutzt wurde. 2024 erreichte das Volumen solcher Kleinstsendungen 4,6 Milliarden Pakete – doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Die neue Pauschale soll dem Einhalt gebieten.
Für Kunden bedeutet das mehr Planbarkeit. Die anfallenden Abgaben sollen direkt beim Kauf auf den Plattformen ausgewiesen werden. Die Verantwortung für die korrekte Abführung liegt künftig bei den Online-Marktplätzen selbst. Sie werden als „fiktive Einführer“ behandelt. Der unliebsame Überraschungsmoment an der Haustür – die Nachzahlung an den Paketboten – soll damit der Vergangenheit angehören.
Digitaler Neustart: Der „EU Customs Data Hub“
Das Herzstück der langfristigen Reform ist eine zentrale digitale Plattform, der „EU Customs Data Hub“. Er soll die bisherigen 27 verschiedenen nationalen Zoll-IT-Systeme ersetzen. Die EU verspricht sich davon massive Effizienzgewinne und Kosteneinsparungen von bis zu zwei Milliarden Euro jährlich.
Unternehmen müssen ihre Zolldaten dann nur noch einmal in dieses Portal eingeben. Künstliche Intelligenz soll den Behörden helfen, Risiken besser einzuschätzen und gefährliche Sendungen schneller zu identifizieren.
Die Einführung erfolgt schrittweise:
* Ab 2028 wird der Data Hub für den E-Commerce-Sektor verpflichtend.
* Ab 2032 können alle Händler das System optional nutzen.
* Ab 2038 ist es für alle EU-Importe Pflicht.
Kampf gegen Wettbewerbsverzerrung und Betrug
Hinter der Reform steckt ein klarer politischer Wille: der Schutz des europäischen Binnenmarktes. Die Freigrense hatte massive Wettbewerbsverzerrungen geschaffen. Während europäische Händler auf ihre Waren stets Mehrwertsteuer und Zölle zahlen, waren asiatische Konkurrenten oft davon befreit.
Zudem förderte die Regelung Betrug. Viele Versender deklarierten Waren systematisch unter ihrem tatsächlichen Wert, um unter der magischen 150-Euro-Grenze zu bleiben. Die neuen Regelungen sollen für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen und helfen, EU-Standards bei Produktsicherheit und Umweltschutz durchzusetzen.
Die Verwaltung des neuen Systems wird eine eigens geschaffene EU-Zollbehörde übernehmen. Sie unterstreicht die strategische Bedeutung des Projekts für die Handlungsfähigkeit der Union.
Ein langer Weg zur neuen Zoll-Ära
Die vollständige Umsetzung bis 2038 ist eines der ambitioniertesten Digitalisierungsprojekte der EU. Die ersten spürbaren Auswirkungen wird es aber schon Mitte nächsten Jahres geben.
Für Handelsplattformen wie Amazon oder Zalando und Logistikriesen wie DHL bedeutet die neue Rolle als „fiktiver Einführer“ einen erheblichen bürokratischen und technischen Aufwand. Wirtschaftsverbände begrüßen zwar das Ziel faireren Wettbewerbs, mahnen jedoch eine praxistaugliche Umsetzung der Übergangsregeln an.
Langfristig soll die Reform den legalen Handel vereinfachen, Kontrollen aber verschärfen. Die Ära des grenzenlosen Kleinstpaket-Imports aus Übersee geht damit zu Ende.
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